Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Erst Himmelfahrt, dann Fußballwunder am Millerntor?

Datum13.05.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDer letzte Teil der Elbvertiefung der Woche beleuchtet den spannenden Bundesliga-Abstiegskampf mit dem FC St. Pauli. Neben dem Fußball liegt der Fokus auf einem umstrittenen, israelfeindlichen Protestcamp in Hamburg, organisiert von der Linken und einer Gruppe namens "Thawra", die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Außerdem wird über eine versehentliche Dieselpreis-Fehleingabe bei Shell und die Verpflichtung von Kathleen Krüger als erste Sportvorständin des HSV berichtet.

InhaltDie Elbvertiefung am Mittwoch – mit billigem Sprit, AfD-Kritik und einem Besuch in einem umstrittenen Protestcamp wegen des Feier- und Brückentags ist dies die letzte Ausgabe der Elbvertiefung dieser Woche. Darin möchte ich die These aufstellen, dass möglicherweise nicht am morgigen Himmelfahrtstag in diesem Land die meisten Stoßgebete gen Himmel geschickt werden, sondern erst zwei Tage später. Kein Feiertag, aber Bundesliga-Spieltag. Diesmal werden vermutlich mehr höhere Mächte als sonst in den Fußballstadien beschworen. Und zwar ganz besonders bei den Fans der drei letztplatzierten Teams, zu denen auch der FC St. Pauli zählt. Falls Sie dem Fußball nicht allzu viel abgewinnen, sehen Sie es Ihren fußballverrückten Angehörigen, Freunden und Kolleginnen nach, dass sie in diesem Ausnahmezustand am Samstag zwischen 15.30 und voraussichtlich 17.30 Uhr noch etwas häufiger Live-Ergebnisse oder die Blitztabelle aktualisieren als gewöhnlich. Es läuft einer der spannendsten Abstiegskämpfe, den die Bundesliga je zu bieten hatte. Vor dem letzten Spieltag der aktuellen Saison stehen die drei Schlusslichter alle bei 26 Punkten: der 1. FC Heidenheim, der VfL Wolfsburg und eben die Kiezkicker. Letztere müssen noch dazu ins direkte Duell mit den Wolfsburger Wölfen. Diese würden sich mit einem Sieg am Millerntor den Relegationsplatz 16 sichern. Ihnen reicht sogar ein Unentschieden, wenn Heidenheim parallel nicht gewinnt. Für den FC St. Pauli ist die Lage verzwickter. Den Hamburgern genügt unter Umständen nicht einmal ein Sieg, wenn Heidenheim im Parallelspiel gewinnt, denn bei Punktgleichheit entscheidet das Torverhältnis. In der ganzen Saison hat der FC St. Pauli nur 28 Tore geschossen, ausgerechnet in dieser Partie mit Endspielcharakter müssen gleich ein paar mehr Treffer her. Die Konkurrenz aus Heidenheim hat allerdings schon bewiesen, dass kleine Fußballwunder möglich sind: Vor wenigen Wochen noch weit abgeschlagen in der Tabelle und von vielen bereits als Zweitligist abgeschrieben, haben sie sich wieder rangerobbt. Manche sprechen "von der größten Auferstehung seit 2.000 Jahren" (Z+). Wir werden sehen, ob es auch diesmal Anlass zu Bibelvergleichen gibt. Sicher ist schon jetzt: Nicht alle Stoßgebete werden erhört. Ich wünsche Ihnen ein schönes, langes Wochenende. Ihre Viola Diem Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, oder wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de.  Der in Hamburg ansässige Tankstellenbetreiber Shell hat von Montag bis Dienstag an Autobahntankstellen Diesel versehentlich deutlich unter Marktpreis angeboten. Eine manuelle Fehleingabe habe wegen der neuen 12-Uhr-Regelung nicht mehr korrigiert werden können, teilte eine Sprecherin mit. Der HSV hat Kathleen Krüger als Sportvorständin verpflichtet. Die 40-Jährige tritt im Juli den seit mehr als vier Monaten vakanten Posten an. Krüger kommt vom FC Bayern München und wird die erste Frau in dieser Rolle in der Fußballbundesliga. Nach der Verhaftung eines 17-jährigen Syrers wegen eines geplanten Terroranschlags in Hamburg gibt es nach Angaben der Staatsanwaltschaft bislang keine Anhaltspunkte für Mittäter oder Hintermänner. Ein Mann soll am Abend des 5. Mai in Dulsberg an der Bushaltestelle U-Straßburger Straße gewaltsam in einen weißen Transporter mit rumänischem Kennzeichen gezogen worden sein. Seitdem ist sein Aufenthaltsort unbekannt. Die Polizei sucht nun nach Zeugen. Rund um das lange Himmelfahrtswochenende sollten sich Autofahrer auf Staus einstellen. Der ADAC erwartet insbesondere heute Nachmittag, morgen Vormittag sowie ab Sonntagnachmittag erhebliche Verkehrsbehinderungen. Die Linke organisiert ein israelfeindliches Camp in Hamburg mit. Eingeladen wurden auch Hamas-Sympathisanten. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel der ZEIT-Autoren Tom Kroll und Christoph Twickel. Ein großes Banner flattert im Wind. "Solidarität mit dem Widerstand" steht darauf. Auf der Moorweide, einer Wiese mitten in der Hamburger Innenstadt, haben Aktivisten ein Camp errichtet. An Ständen werden Sticker verkauft – auf einem wird Bundeskanzler Friedrich Merz als Terrorist bezeichnet. Ein paar Stände weiter hängen Zettel mit Parolen wie "Verteidigt Iran" und "Keine Waffen für Israel & Ukraine". Auf dem Büchertisch des Camps liegt das Buch Hamas. Der politische Islam in Palästina. Es ist ein wohlwollendes Werk der deutschen Politikwissenschaftlerin Helga Baumgarten, die in einem Nachruf den Hamas-Anführer Yahya Sinwar als "Ikone für den palästinensischen Widerstand" feiert. Seit vergangenem Samstagmorgen betreibt unter anderem eine Gruppe der Partei Die Linke das propalästinensische Protestcamp. Es steht unter dem Titel "Bridges of Resistance". Aus der Sicht der Organisatoren ist es eine Protestaktion gegen die andauernde Vertreibung der Palästinenser. Es zeigt sich aber auch, wie ein bestimmtes linkes Milieu islamistischen Terror gegen Israel und seine mehrheitlich jüdische Bevölkerung als legitimen Widerstand zu deuten scheint. Zum Camp aufgerufen hatte nicht nur die Linkspartei, sondern auch eine Organisation, die sich mit dem arabischen Wort "Thawra" betitelt, zu Deutsch: "Revolution". Bereits im Mai 2024 zogen ihre Aktivisten auf die Moorweide und betrieben dort monatelang ein Protestcamp, das bis September andauerte und wiederholt für Konflikte, Polizeieinsätze und Straftaten in der Stadt sorgte. Bundesweit bekannt wurde ein antisemitischer Übergriff einer Anmelderin des damaligen Camps. Sie griff bei einer Antisemitismus-Veranstaltung an der Universität Hamburg eine Teilnehmerin an (Z+). Nach dem Camp verschwand Thawra nicht, sondern verlagerte seine Aktivität vor allem auf Social-Media-Kanäle. Auf Instagram hat ihr Kanal fast 13.000 Follower. Der Hamburger Verfassungsschutz sieht einen "deutlichen Antisemitismus" in der Gruppe, die künftig auch im Verfassungsschutzbericht auftauchen wird. Wie es in dem Protestcamp zugeht und was das mit der Partei Die Linke zu tun hat, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) "Mit der AfD ist kein Staat zu machen" Warum er die Debatte über eine Minderheitsregierung und die Brandmauer zur AfD falsch und geschichtsvergessen findet, führt Altkanzler Olaf Scholz in seinem Gastbeitrag in der aktuellen Ausgabe der ZEIT aus. → Zum Artikel (Z+) Im Feldstraßenbunker präsentiert die Bunkerhill-Collection eine Gruppenausstellung in den neuen Räumlichkeiten auf Level 4 des Bunkers. Die ausgestellten Werke in Echoes of Reality spiegeln die Fragilität der menschlichen Existenz wider und die verschiedenen Schichten der Realität unter der Oberfläche. Die Schau versammelt Malerei, Skulptur und digitale Inszenierung. "Echoes of Reality", bis 24.5.; Bunkerhill-Collection, Bunker, Feldstraße 66, Level 4 / Neubau, Zugang über den Bergpfad oder den Fahrstuhl Bei einem Weinhändler in den Walddörfern. Wir verkosten einen Rotwein aus Frankreich. Der Chef grübelt die ganze Zeit, wonach der Wein so besonders duftet, und fragt einen Kollegen: "Wir haben doch neulich schon darüber gesprochen. Irgendwas mit ›F‹. Fliederbeeren, Fenchel. Was war es denn?" Der Kollege riecht in das Glas und strahlt: "Veilchen." Gehört von Thomas Büscher Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.