Datum13.05.2026 05:30
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Thüringer Landesförderung für Ehrenamtliche kommt gut an und ermöglicht Vereinen, Aufwandsentschädigungen zu zahlen, Investitionen zu tätigen und die Vereinsarbeit zu unterstützen. Zahlreiche Anträge wurden in verschiedenen Förderrunden eingereicht, doch die Antragstellung bleibt eine Herausforderung, insbesondere für Erstbeantragende und weniger bürokratieerfahrene Vereine. Ziel ist es, die Prozesse zu vereinfachen und mit Freiwilligenagenturen als "Bürokratiepuffer" die Teilnahme zu erleichtern, damit sich engagierte Personen nicht zusätzlich belasten müssen.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Gesellschaft“. Lesen Sie jetzt „"Wer sich engagiert, soll nicht auch noch draufzahlen"“. Die Landesförderung für Ehrenamtler kommt bei Vereinen und Verbänden gut an. Das zeigt eine stichprobenartige Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter verschiedenen Organisationen. "Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter sind sehr engagiert, obwohl es keine Bezahlung dafür gibt", teilte Jan Reinsch vom Schullandheim "Waldfrieden Outdoor Crew" in Suhl mit. "Für uns ist es eine schöne Sache, dass wir auf diesem Weg Dankeschön sagen können." Die Fördergelder in Höhe von rund 4.500 Euro hätten es möglich gemacht, den Helfern zumindest eine Aufwandsentschädigung zu zahlen. Das Schullandheim organisiert Ferienlager für Kinder und Jugendliche. Für den Thüringer Badminton-Verband hätten die Fördermittel die Möglichkeit eröffnet, lange überfällige Investitionen nachzuholen, so Geschäftsführer Christoph Jury. Unter anderem sei die Zuwendung von rund 30.000 Euro in die Anschaffung einer speziellen Software für den Spielbetrieb, Jacken mit dem Vereinslogo, Sportmaterial und die digitale Ausrüstung geflossen. Der Thüringer Landesverband der Schulfördervereine hat die Förderung von rund 39.500 Euro nach Angaben von Geschäftsführerin Uta Tannhäuser genutzt, um die Beratung der Mitgliedsvereine zu unterstützen. In Thüringen gibt es aktuell mehrere Instrumente zur Förderung des Ehrenamts. Mitte April endete die Antragsfrist für die zweite Förderrunde über das Thüringer Ehrenamtsgesetz. Der Staatskanzlei zufolge waren dabei 1.673 Anträge mit einem Gesamtvolumen von 25 Millionen Euro eingegangen. In der ersten Runde seien 763 Projekte mit einem Gesamtbetrag von sieben Millionen Euro bewilligt worden. Darüber hinaus unterhält auch die Thüringer Ehrenamtsstiftung Förderprojekte. Eines der umfangreichsten ist Geschäftsführer Nils Lange zufolge das Programm "Aktiv vor Ort". In der vergangenen Förderrunde 2025 seien 1.500 Anträge eingegangen, von denen 998 bewilligt werden konnten. Aus Sicht der Vereine sind die Förderungen wichtig und hilfreich. Vereinzelt werden aber Verbesserungsmöglichkeiten gesehen: So vergingen etwa bei Förderungen nach der Ehrenamtsrichtlinie der Landesregierung mehrere Monate zwischen Antragsschluss und Zustellung des Förderbescheids, so Tannhäuser. Eine gewisse Herausforderung sei nach wie vor jedoch die Antragsstellung, so die einhellige Meinung der Befragten. Gerade die Erst-Antragstellung sei mit relativ viel Aufwand verbunden, erklärt etwa Jan Reinsch. Rein ehrenamtlich sei das nur schwer zu bewerkstelligen. Sein Verein habe unter anderem deshalb eine Mitarbeiterin fest eingestellt. "Ehrenamt braucht Hauptamt", lautet auch das Fazit des Schulförderverbands. Nach dem ersten Antrag werde es aber deutlich leichter, den Prozess durchzuführen. Den Spagat zwischen Bürokratie und praktischer Vereinsarbeit bei Förderanträgen etwas abzufedern, sei eines der Ziele der Thüringer Ehrenamtsstiftung, erklärt Geschäftsführer Nils Lange. Während manche Vereine bei der Fördermittelbeantragung recht visiert seien, gebe es noch viele, die den bürokratischen Aufwand scheuten. "Gerade das sind aber die Vereine, die wir kriegen müssen - um zu verhindern, dass Menschen aufgeben", so Lange. Ein gewisses Maß an bürokratischen Regeln sei unvermeidlich. Ziel müsse aber sein, die Vergabe so niederschwellig wie möglich zu gestalten und die Antragsteller bei Fragen und Problemen zu unterstützen. Bis 2027 soll Lange zufolge in jedem Thüringer Landkreis zudem eine sogenannte Freiwilligenagentur eingerichtet werden. Die Agenturen sollen als "Bürokratiepuffer" fungieren und Informationen und Beratung zu Fördermöglichkeiten anbieten, damit noch mehr Vereine und Organisationen in den Genuss einer Unterstützung kommen könnten. "Denn wer sich engagiert, soll nicht auch noch draufzahlen", so Lange. Am 4. Juni wird zum mittlerweile neunten Mal der "Thüringer Engagement-Preis" von der Ehrenamtsstiftung vergeben. © dpa-infocom, dpa:260513-930-73144/1