Datum13.05.2026 05:10
Quellewww.zeit.de
TLDRBundesbankpräsident Joachim Nagel fordert eine Rentenreform, die das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung koppelt, da die aktuellen Pläne nicht ausreichen. Er begrüßt die geplante Stärkung der kapitalgedeckten Altersvorsorge über Aktienmärkte, betont jedoch, dass dies kurzfristige Probleme nicht lösen wird. Nagel hält eine systematische Anhebung des Rentenalters nach 2031 angesichts der zunehmenden Lebenserwartung für unumgänglich.
InhaltDie Rentenpläne der Bundesregierung reichen nicht aus, sagt Joachim Nagel. Der Ökonom hält es für "nahezu unausweichlich", dass Deutsche deutlich später in Rente gehen. Bundesbankpräsident Joachim Nagel hat sich für eine umfassende Rentenreform mit längerer Lebensarbeitszeit ausgesprochen. Deutschland komme wegen der steigenden Lebenserwartung der Menschen auf Dauer um ein höheres Renteneintrittsalter nicht herum, sagte Nagel dem Handelsblatt. Es sei nahezu unausweichlich, das gesetzliche Renteneintrittsalter zu erhöhen. Nagel begrüßte Pläne von Bundeskanzler Merz, die Rentenvorsorge in Deutschland stärker über den Aktienmarkt zu lenken. Ein neues Altersvorsorgedepot als Nachfolger der Riester-Rente soll etwa ab 2027 Vorsorgezahlungen in börsengehandelte Indexfonds (ETFs) fördern. Dieser Ansatz sei "ein richtiges Signal und ein wichtiger Schritt zu einer stärkeren kapitalgedeckten Säule für die Altersvorsorge", sagte Nagel. Allerdings wirke das Konzept erst mittelfristig und werde die Probleme der Rentenversicherung in den nächsten Jahren nicht lösen, fügte der Ökonom hinzu. Es sei auch "keine Lösung, diesen Druck mit immer mehr Bundeszuschüssen aufzufangen". Der Bundesbankpräsident forderte deshalb, das gesetzliche Rentenalter nach 2031 systematisch an die steigende Lebenserwartung zu koppeln: "Das halte ich für nahezu unausweichlich, wenn wir – zum Glück – immer länger leben." Nagel hat sich bereits in der Vergangenheit immer wieder für eine längere Lebensarbeitszeit und einen späteren Renteneintritt starkgemacht. Die schwarz-rote Bundesregierung unter Kanzler Merz plant gerade eine Reihe von Reformen zum Umbau des Sozialstaates, darunter ein neues Rentensystem, das die kapitalgedeckte Altersvorsorge stärkt. Die gesetzliche Rente, die sich aus Beiträgen der Erwerbstätigen speist, soll dann nur noch als Basisabsicherung dienen. Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei ist das Rentenalter in den vergangenen zehn Jahren allerdings bereits deutlich schneller gestiegen als die durchschnittliche Lebenserwartung von Menschen, die in dem Zeitraum aus dem Berufsleben ausgeschieden sind.