Arbeitszeit: Juso-Chef Türmer lehnt geplante Lockerung von Achtstundentag ab

Datum13.05.2026 03:37

Quellewww.zeit.de

TLDRJuso-Chef Philipp Türmer lehnt die geplante Lockerung des Achtstundentags ab. Er kritisiert Friedrich Merz und wirft ihm vor, die Erschöpfung in der Gesellschaft zu verschärfen. Türmer warnt, dass Arbeitnehmer ihren Chefs ausgeliefert würden. Auch die SPD und Gewerkschaften distanzieren sich von der im Koalitionsvertrag vereinbarten Möglichkeit einer wöchentlichen statt täglichen Höchstarbeitszeit.

InhaltMit einer Wochenarbeitszeit würde man Arbeitnehmer ihren Chefs "ausliefern", warnt Philipp Türmer. Friedrich Merz treibe die Erschöpfung in der Gesellschaft voran. Juso-Chef Philipp Türmer hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) für die geplante Einführung einer Wochenarbeitszeit kritisiert. "Den Achtstundentag zu schleifen, ist kein Aufbruchssignal, das ist eine Frechheit", sagte Türmer dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. "Merz sieht die Erschöpfung in diesem Land nicht, er verschärft sie." In Deutschland sind in der Regel höchstens acht Stunden Arbeit am Tag erlaubt. CDU, CSU und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, dass sie "die Möglichkeit einer wöchentlichen statt einer täglichen Höchstarbeitszeit schaffen" wollen. "Zur konkreten Ausgestaltung werden wir einen Dialog mit den Sozialpartnern durchführen", heißt es dort. Türmer warnte, Arbeitnehmer dürften nicht ihren Vorgesetzten "ausgeliefert" werden. "Wir reden von Menschen, die nach Doppelschichten kaum noch schlafen, die nach Jahrzehnten körperlicher Arbeit mit kaputtem Rücken in Rente gehen, die den ganzen Tag für andere da sind", sagte er. Auch Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hatte sich zuletzt von der geplanten Änderung distanziert. "Wenn es nach der SPD und mir persönlich geht, fassen wir das Thema gar nicht erst an, aber es steht im Koalitionsvertrag", sagte Bas. Den Gewerkschaften sicherte Bas zu, sich für die Beschäftigten einzusetzen. DGB-Chefin Yasmin Fahimi hatte die geplante Lockerung des Arbeitszeitgesetzes ebenfalls zurückgewiesen. Man wolle "nicht in Zeiten von vor 1918 zurückgeworfen werden", sagte sie. Merz wurde beim DGB-Kongress mit Pfiffen und Buhrufen empfangen. Der Achtstundentag gehört zu den ältesten und am härtesten erkämpften Forderungen der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung. In Deutschland setzten die Gewerkschaften ihn 1918 zunächst gegenüber den wichtigsten Arbeitgebern der Schwerindustrie durch, kurz darauf wurde er gesetzlich verankert. Im Arbeitszeitgesetz heißt es heute: "Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten." Nur in Ausnahmen sind zehn Stunden pro Tag möglich.