Datum12.05.2026 23:35
Quellewww.zeit.de
TLDRDie US-Justiz hat Anklage gegen die Betreiberfirmen Synergy Marine und Synergy Maritime sowie einen technischen Leiter wegen Betrugs und Vertuschung im Zusammenhang mit dem Brückeneinsturz in Baltimore erhoben, bei dem sechs Menschen starben. Ihnen wird vorgeworfen, Sicherheitsregeln missachtet und Ermittler belogen zu haben. Ein Teil der Anklage betrifft den Einsatz einer falschen Kraftstoffpumpe. Der wirtschaftliche Schaden wird auf mindestens fünf Milliarden US-Dollar geschätzt.
InhaltNachdem ein Schiff in Baltimore eine Brücke rammte, starben 2024 sechs Menschen. Nun wirft die US-Justiz den Reedereien und einem Mitarbeiter Betrug und Vertuschung vor. Zwei Jahre nach dem Brückeneinsturz in Baltimore mit sechs Toten hat die US-Justiz Anklage gegen zwei Betreiberfirmen und einen Mitarbeiter erhoben. Die Anklage richtet sich gegen die Unternehmen Synergy Marine aus Singapur und Synergy Maritime aus Indien sowie gegen einen Mann, der für beide Firmen als technischer Leiter auf dem Unfallschiff arbeitete. Ihnen wird unter anderem eine Verschwörung mit der Absicht des Betrugs der Vereinigten Staaten zur Last gelegt, wie das Justizministerium mitteilte. Neben weiteren Anklagepunkten hätten sie zudem absichtlich zu spät die Küstenwache informiert und falsche Angaben gemacht. US-Justizminister Todd Blanche bezeichnete den Brückeneinsturz als "vermeidbare Tragödie". Die Anklage solle diejenigen zur Verantwortung ziehen, "deren rücksichtslose Missachtung von Sicherheitsregeln im Seeverkehr zu diesem Unglück führten". Am 26. März 2024 hatte das Frachtschiff Dali einen Pfeiler der Francis-Scott-Key-Brücke über dem Patapsco-Fluss gerammt. Die Brücke stürzte in den frühen Morgenstunden ein. Wegen zweier Stromausfälle war das Schiff binnen weniger Minuten manövrierunfähig geworden. Die Besatzung hatte noch rechtzeitig ein Notsignal abgesetzt, sodass die Polizei den Verkehr über die Brücke sperren konnte. Acht Bauarbeiter, die zu diesem Zeitpunkt Reparaturarbeiten auf der Brücke ausführten, konnten jedoch nicht mehr gewarnt werden. Sechs von ihnen kamen ums Leben, zwei überlebten. Nach zweimonatigen Aufräumarbeiten konnte der normale Schiffsverkehr wieder aufgenommen werden. Den Betreibern wird unter anderem vorgeworfen, eine falsche Pumpe für die Kraftstoffversorgung eingesetzt zu haben, die nach dem ersten Stromausfall nicht automatisch wieder ansprang. Laut Anklage nutzten die Betreiber die falsche Pumpe auch auf anderen Schiffen. Es sei zudem nicht das erste Mal gewesen, dass es zu einem derartigen doppelten Stromausfall gekommen sei. Der angeklagte Mann und weitere Mitarbeiter sollen den Einsatz der Pumpe zu vertuschen versucht und Ermittler darüber belogen haben. In dem Strafverfahren geht es nun unter anderem um den wirtschaftlichen Schaden, der wegen des blockierten Schiffsverkehrs zustande kam. Das Justizministerium beziffert diesen Schaden auf mindestens fünf Milliarden US-Dollar (etwa 4,3 Milliarden Euro). In einer Zivilklage hatten sich die USA mit Betreiber und Besitzer des Schiffes bereits auf einen Vergleich von knapp 100 Millionen US-Dollar geeinigt (etwa 87 Millionen Euro). Der Wiederaufbau der Brücke soll nach Angaben der US-Behörden mehr als 5,2 Milliarden Dollar kosten und bis 2030 abgeschlossen sein.