Datum12.05.2026 16:26
Quellewww.spiegel.de
TLDRVerteidigungsminister Pistorius sieht nach einem Besuch in der Ukraine Anzeichen einer Trendwende im russischen Angriffskrieg. Russland befinde sich wirtschaftlich, innenpolitisch und militärisch in einer Schwächephase. Die Ukraine mache hingegen Fortschritte, auch durch den effektiven Einsatz von Drohnen. Die Bundeswehr will aus diesen Erfahrungen lernen. Einschätzungen, die eine baldige Niederlage der Ukraine prognostizierten, würden nicht mehr geteilt.
InhaltDeutschlands Verteidigungsminister sieht offenbar eine Trendwende im Krieg zwischen Russland und der Ukraine. Moskau hat laut Boris Pistorius Schwierigkeiten – wirtschaftlich, innenpolitisch und auf dem Schlachtfeld. Verteidigungsminister Boris Pistorius hat in der Ukraine von Anzeichen für eine Kehrtwende im schwierigen Abwehrkampf gegen russische Angreifer gesprochen. Zugleich machte er nach einem Besuch ukrainischer Gefechtsstände im Osten des Landes deutlich, dass er aus den Erfahrungen der Ukraine beim Kampfeinsatz unbemannter Waffensysteme weitere Schlüsse für die Bundeswehr ziehen will. "Ich glaube, dass die Ukrainer tatsächlich ein Momentum haben. Russland hat eine Phase der Schwäche, sowohl wirtschaftlich als auch innenpolitisch, als auch auf dem Gefechtsfeld", sagte Pistorius, der in den Gebieten von Saporischschja und Dnipro unterwegs war. Und: "Die Ukrainer machen riesige Fortschritte. Die Schläge gegen russische Militärinfrastruktur im Hinterland werden empfindlicher und hinterlassen Wirkung." Pistorius wurde in Kommandostellen der Ukrainer erklärt, wie Drohnen zur Aufklärung und Bekämpfung russischer Waffensysteme und Soldaten genutzt werden. Er konnte dabei auch laufende Einsätze selbst verfolgen. Die Ukraine hat vor allem seit dem vergangenen Jahr Fähigkeiten entwickelt, von denen auch die Bundeswehr als Teil einer strategischen Partnerschaft profitieren soll. "Heute reden viele von einer entscheidenden Phase des Krieges, möglicherweise zugunsten der Ukraine", sagte Pistorius. Eine für die Ukraine sehr pessimistische Prognose über den weiteren Kriegsverlauf werde heute nicht mehr geteilt. Das erkläre vielleicht auch, warum der russische Präsident Wladimir Putin über ein baldiges Ende des Krieges spreche, obwohl er selbst ihn sofort beenden könne. Russland hatte die Ukraine zuletzt nur wenige Stunden nach Ende der dreitägigen Waffenruhe erneut massiv angegriffen. Die ukrainische Luftwaffe meldete in der Nacht Angriffe mit zahlreichen Drohnen auf die Hauptstadt Kyjiw und weitere Städte wie Saporischschja, Dnipro, Charkiw und Cherson. Auch die Gebiete Sumy im Norden und Mykolajiw im Süden waren demnach betroffen.