Internationale Zusammenarbeit: Die Zukunft liegt im Süden

Datum15.10.2025 13:58

Quellewww.zeit.de

TLDRDer Artikel betont die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit, insbesondere mit Ländern des Globalen Südens, um Deutschlands Sicherheit und Wohlstand in einer zunehmend multipolaren Welt zu stärken. Angesichts globaler Krisen und Herausforderungen, wie dem Krieg in der Ukraine und den Verwerfungen im Welthandel, plädieren die Minister für neue, starke Partnerschaften zur Förderung von Handel und Innovation. Der Artikel hebt hervor, dass der Globale Süden mit 40 Prozent der Weltwirtschaft ein bedeutender Partner für zukünftiges Wachstum ist.

InhaltInternationale Krisen bedrohen Sicherheit und Wohlstand in Deutschland. Partnerschaften mit Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas können für neues Wachstum sorgen. In dieser Woche findet in Washington die Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank statt. Für die Bundesregierung reisen Finanzminister Lars Klingbeil und Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan an. In der ZEIT skizzieren sie, wie eine neue Nord-Süd-Kommission die Rolle Deutschlands in der Welt stärken soll. Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank treffen sich in dieser Woche in Washington, D. C. zu einem Zeitpunkt, an dem die alte, vom Westen dominierte Ordnung längst einer multipolaren Welt gewichen ist. Autokratische Staaten gewinnen an Einfluss. Demokratie und offene Märkte stehen unter Druck. Neue Machtzentren entstehen. Die internationalen Krisen sind längst auch bei uns angekommen und bedrohen unsere Sicherheit und unseren Wohlstand. Das spüren wir durch Putins imperialistische Großmachtphantasien und seinen brutalen Krieg in der Ukraine. Und das spüren wir durch die Verwerfungen im Welthandel. Die US-Zölle, aber auch chinesische Überkapazitäten und Dumpingpreise schaden allen. All das trifft besonders die deutsche Wirtschaft, die auf Exporte und freien Handel angewiesen ist. Die Verunsicherung und die Polarisierung, die aus diesen Krisen herrühren, sind für viele Menschen spürbar. Spürbar, wenn der eigene Job bedroht ist. Und spürbar, wenn die Frage drängender wird, wie unsere Kinder in einem freien und sicheren Europa aufwachsen können. Für unsere Sicherheit gilt ebenso wie für unsere Wirtschaft: In einer immer unsichereren und immer unübersichtlicheren Welt brauchen wir starke Partnerschaften mit Staaten, die – ebenso wie Deutschland – auf Kooperation statt Konfrontation setzen. Diejenigen, die sich von diesem Prinzip verabschiedet haben, lassen große Lücken. Diese Lücken müssen wir füllen. Die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit sieht man aktuell am schwierigen Weg zum Frieden im Nahen Osten. Nach dem Waffenstillstand und der Freilassung der Geiseln geht es jetzt darum, die Verhandlungen für einen echten und dauerhaften Frieden weiterzuführen. Für die Zivilbevölkerung in Gaza muss die Versorgung mit Lebensmitteln und Medizin massiv ausgeweitet werden, um das Leid zu lindern. Deutschland wird dazu einen wesentlichen Beitrag leisten. Und Deutschland steht gemeinsam mit Partnern für den Wiederaufbau bereit. Gerade jetzt brauchen wir neue Kooperationen mit Staaten, die Institutionen, Regeln und freien Handel nicht zerstören, sondern stärken wollen. Diese neuen Partnerschaften müssen wir vor allem mit Staaten des Globalen Südens schließen. Sie stellen mittlerweile 40 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Sie sind Motoren für Wachstum und Innovation. Fast zwei Drittel der Menschen im erwerbsfähigen Alter leben im Globalen Süden. Partnerschaften mit dem Globalen Süden ermöglichen uns mehr Handel, Investitionschancen, Zugang zu wachsenden Märkten und Talenten. Sie helfen uns, unsere Lieferketten zu diversifizieren. China, Russland und andere haben dieses Potential längst erkannt. Wir haben hier einiges aufzuholen. Wenn wir die Zukunft weiter mitgestalten wollen, brauchen wir Partnerschaften mit den Ländern des Globalen Südens, die auf gegenseitigem Respekt und gemeinsamen Interessen beruhen.