Verdacht auf Justizskandal: JVA-Bestechungsaffäre: Warnungen per Schmiergeld-Abo?

Datum12.05.2026 12:36

Quellewww.zeit.de

TLDRIn der JVA Euskirchen besteht der Verdacht auf einen Bestechungsskandal. Gefangene sollen gegen Geld Warnungen vor Kontrollen und weitere Vergünstigungen erhalten haben. Mehrere JVA-Bedienstete und ehemalige Häftlinge werden beschuldigt. Ermittlungen laufen, ein erster Verdacht entstand bereits 2022. Der Justizminister zeigte sich fassungslos und kündigte eine landesweite Überprüfung möglicher Risiken an.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Verdacht auf Justizskandal“. Lesen Sie jetzt „JVA-Bestechungsaffäre: Warnungen per Schmiergeld-Abo?“. Die bisherigen Ermittlungen wegen Bestechungsverdachts in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Euskirchen legen eine erstaunliche Palette illegaler Vergünstigungen für Häftlinge nahe. Unter anderem soll es Gefangenen dort möglich gewesen sein, gegen monatliche Zahlungen an Bedienstete Abos zu buchen, um vor Kontrollen in der JVA gewarnt zu werden. Das berichtete der Abteilungsleiter der Strafrechtsabteilung des NRW-Justizministeriums, Ulrich Stein-Visarius, im Rechtsausschuss des Landtags. Wegen des Verdachts der Bestechlichkeit von Gefängnismitarbeitern hatten rund 210 Einsatzkräfte am vergangenen Freitag Teile der JVA, ein zugehöriges Büro im Amtsgericht sowie acht Wohnungen in den Kreisen Euskirchen, Ahrweiler und Rhein-Erft sowie in Leverkusen durchsucht.  Die Ermittlungen richteten sich gegen acht Bedienstete der JVA Euskirchen, die im Verdacht stünden, als Gegenleistung für das Gewähren von Hafterleichterungen Vorteile angenommen zu haben, sagte NRW-Justizminister Benjamin Limbach (CDU). Ermittelt werde zudem gegen drei ehemals dort inhaftierte Männer. Ein erster Verdacht hatte sich bereits 2022 ergeben. Wegen der zunehmenden Komplexität der Ermittlungen sei in diesem Frühjahr eine besondere Einheit im Polizeipräsidium Bonn eingerichtet worden, berichtete Stein-Visarius. Nach und nach hätten sich Hinweise auf weitere Korruptionsmuster ergeben, "die auf eine unter den Beteiligten organisierte Struktur und Begehungsweise hindeuteten", sagte er unter Bezugnahme auf einen Bericht der leitenden Oberstaatsanwältin in Bonn.  Der Justizminister äußerte sich fassungslos. "Wir haben umgehend begonnen, diese besorgniserregenden Umstände gründlich aufzuklären", sagte er. "Dabei bleiben wir nicht bei der JVA Euskirchen stehen, sondern nehmen landesweit mögliche Risiken in den Blick." Die JVA Euskirchen werde einer eingehenden Sondersicherheitsprüfung unterzogen. © dpa-infocom, dpa:260512-930-69620/1