Binnenvertriebene: Mehr Menschen von Gewalt betroffen als von Naturkatastrophen

Datum12.05.2026 10:42

Quellewww.spiegel.de

TLDRIm Jahr 2025 waren über 80 Millionen Menschen als Binnenvertriebene auf der Flucht, mehr als je zuvor durch Konflikte und Gewalt. Jan Egeland vom Norwegischen Flüchtlingsrat bezeichnet dies als "weltweites Versagen" im Schutz der Zivilbevölkerung. Die meisten Betroffenen gab es im Sudan, Kolumbien, Syrien, Jemen und Afghanistan. Die Zahl der durch Naturkatastrophen Vertriebenen wurde erstmals übertroffen.

InhaltMehr als 80 Millionen Menschen waren 2025 in ihrer Heimat auf der Flucht. Einen massiven Anstieg gab es bei Vertreibungen durch Konflikte und Gewalt. Ein Experte spricht von "weltweitem Versagen". Erstmals sind im vergangenen Jahr weltweit mehr Menschen durch Konflikte und Gewalt in ihrem Heimatland vertrieben worden als durch Katastrophen. Das teilte die Beobachtungsstelle für Binnenvertriebene (IDMC) in Genf mit. Für beide Kategorien gilt: Dies entspricht nicht der Zahl der individuell Betroffenen, sondern bezieht sich auf den jeweiligen Akt der Vertreibung. Zudem kann eine Person innerhalb eines Jahres mehrfach betroffen sein. Eine Vertreibung bedeutet, dass jemand wegen der Gefahr aus seinem Haus fliehen musste. Die Beobachtungsstelle erfasst, wer danach im eigenen Land außerhalb seiner Heimat Zuflucht suchte. Es geht also um Binnenvertriebene, nicht Menschen, die auf der Flucht ihr Land verlassen haben. Die IDMC wurde 1998 vom norwegischen Flüchtlingsrat gegründet. Sie ist für Regierungen und Vereinte Nationen eine der wichtigsten Quellen für Daten, Analysen und Berichte über Binnenflüchtlinge. Sie warnt, dass mangels Geld die Datenlage unzuverlässiger wird. Insgesamt lebten nach IDMC-Angaben im vergangenen Jahr 82,2 Millionen Menschen nicht in ihren angestammten Dörfern und Städten (2024: 83,5 Millionen). Das war die zweithöchste je registrierte Zahl. Die meisten Vertriebenen gab es im Sudan, in Kolumbien, Syrien, Jemen und Afghanistan. Der Generalsekretär des Norwegischen Flüchtlingsrats (NRC), Jan Egeland, prangerte ein "weltweites Versagen bei der Konfliktprävention und beim grundlegenden Schutz der Zivilbevölkerung" an. "So kann es nicht weitergehen", warnte er.