Datum12.05.2026 09:05
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer Irankrieg trieb die Inflation in Deutschland im April auf 2,9 Prozent. Hauptursache sind stark gestiegene Energie- und Kraftstoffpreise. Auch Lebensmittel und Dienstleistungen verteuerten sich. Experten befürchten eine breitere Teuerung, falls der Krieg anhält und die Produktionskosten steigen. Eine schnelle Beendigung des Konflikts könnte den Ölpreis und damit die Inflation senken.
InhaltDer Irankrieg hat das Leben in Deutschland stark verteuert. Im April stieg die Inflationsrate fast auf drei Prozent. Noch beschränkt sich der Preisschub auf bestimmte Bereiche, doch das könnte sich ändern. Erste Schätzungen ließen es bereits vermuten, nun ist es amtlich: Der Irankrieg hat das Leben in Deutschland im April sprunghaft verteuert. Starke gestiegene Energiepreise trieben die Inflationsrate mit 2,9 Prozent auf den höchsten Stand seit Januar 2024, wie das Statistische Bundesamt vorläufige Berechnungen bestätigt. Schon im März hatte der Nahostkrieg die Inflationsrate kräftig auf 2,7 Prozent steigen lassen, nach 1,9 Prozent im Februar. "Der erneute Anstieg der Energiepreise infolge des Irankriegs hat im zweiten Monat in Folge die Gesamtteuerung verstärkt. Besonders der anhaltende Preisdruck bei Kraftstoffen ist für die Verbraucherinnen und Verbraucher deutlich spürbar", sagt Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamtes. Im April schossen die Energiepreise wegen der rasant gestiegenen Rohölpreise um 10,1 Prozent hoch. Kraftstoffe verteuerten sich sogar um gut ein Viertel (26,2 Prozent) und leichtes Heizöl um gut die Hälfte (55,1 Prozent). Strom (-4,5 Prozent), Erdgas einschließlich Betriebskosten (-3,0 Prozent) und Fernwärme (-1,1 Prozent) waren dagegen billiger als ein Jahr zuvor. Die Preise für Lebensmittel zogen im April leicht an. Spürbar teurer waren etwa Zucker, Marmelade, Honig und andere Süßwaren (+6,6 Prozent), darunter Schokolade mit plus 9,7 Prozent. Kostspieliger wurden auch Fleisch und Obst (je plus 3,6 Prozent). Dienstleistungen verteuerten sich im April um 2,8 Prozent zum Vorjahresmonat. So stiegen die Preise für Wartung und Reparatur von Fahrzeugen (plus 5,0 Prozent), Restaurantbesuche (plus 3,2 Prozent) und die Nettokaltmieten (plus 1,8 Prozent). Nur wenige Dienstleistungen waren günstiger, darunter Pauschalreisen (-3,5 Prozent). Der Preisschub sei bisher nicht breit angelegt, sagte Silke Tober, Inflationsexpertin des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. "Gelingt eine Beendigung des Irankriegs und die Öffnung der Straße von Hormus in den kommenden Wochen, dürfte der Rohölpreis deutlich fallen und mit ihm die Inflation." Weil teure Energie bei Unternehmen die Produktions- und Transportkosten hochtreibt, ist aber die Sorge groß, dass der Irankrieg die gesamte Wirtschaft erfasst und auch die Preise für Lebensmittel und Dienstleistungen hochschießen. Nach Daten des Ifo-Instituts plant eine wachsende Zahl von Firmen, die Preise anzuheben – etwa in der Gastronomie und im Einzelhandel.