Nigeria: Mindestens 70 Menschen bei Luftangriffen getötet

Datum12.05.2026 08:11

Quellewww.spiegel.de

TLDRBei Luftangriffen des nigerianischen Militärs auf einen Markt im Bundesstaat Zamfara wurden laut lokalen Quellen und Amnesty International mindestens 70 bis 100 Zivilisten getötet. Das Verteidigungsministerium dementiert und spricht von präzisen Angriffen auf "Banditen" und Terroristen. Die Berichte über zivile Opfer bei Militäreinsätzen gegen Banditen und Islamisten im Norden Nigerias häufen sich.

InhaltDas nigerianische Militär soll bei einem Angriff auf einen Markt Dutzende Zivilisten getötet haben. Das Verteidigungsministerium dementiert und spricht von präzisen Angriffen auf "Banditen" und Terroristen. Bei Angriffen der nigerianischen Armee sind am Wochenende an einem Tag mindestens 72 Menschen getötet worden. Wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf einen Gemeindevorsteher berichtet, habe die Armee einen Markt im Bundesstaat Zamfara im Norden des Landes getroffen. Die nigerianische Sektion der Menschenrechtsorganisation Amnesty International gab sogar an, dass bei den Luftschlägen "mindestens 100 Zivilisten" getötet worden seien. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums dementierte die Berichte. Die Luftschläge vom 9. und 10. Mai hätten sich gegen "Banditen" gerichtet, nicht aber gegen Zivilisten, die sich auf dem Markt versammelt hätten, um Angriffe zu planen. Die Angriffe seien präzise auf identifizierte Terroristenenklaven ausgerichtet gewesen und hätten die gewünschten militärischen Ziele erreicht. Bewohner seien zuvor in ein anderes Dorf verlegt worden, sagte der Sprecher. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Bereits im vergangenen Monat wurden nach Angaben von Einwohnern gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters rund 200 Menschen getötet, nachdem Militärflugzeuge bei der Verfolgung islamistischer Kämpfer im Nordosten einen Dorfmarkt bombardiert hatten. Seit vielen Jahren kämpfen nigerianische Sicherheitskräfte in Nigerias Norden – im Nordwesten gegen Banditen, im Nordosten gegen einen seit 17 Jahren andauernden islamistischen Aufstand. Um das Gewaltmonopol zurückzuerlangen, setzt die nigerianische Regierung zunehmend auf Luftangriffe. Die großen, schwer zugänglichen Waldgebiete sind nur schwer zu kontrollieren. Menschenrechtsorganisationen und lokale Quellen kritisieren jedoch seit Längerem, dass es dabei wiederholt zu tödlichen Fehlern komme – etwa wenn Märkte, Hochzeiten oder Trauerfeiern getroffen werden oder weil Kämpfer und Zivilisten sich am selben Ort oder zur selben Zeit aufhalten.