Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Soll der Staat Tiere retten?

Datum12.05.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDREin Essener droht, Ungläubige zu töten. In Hamburg müssen Fahrgäste der U3 auf Busse umsteigen. Die Digitalkonferenz beginnt. Der Hamburger Hafengeburtstag verzeichnet weniger Besucher. Die Stadt diskutiert die Finanzierung einer Wildtierstation.

InhaltDie Elbvertiefung am Dienstag – Mit einem Anschlagsplan, einer Digitalministerin und mehreren ihrer Kollegen gerne würde ich hier etwas Kritisches über die Rettung wilder Tiere aus menschengemachten oder anderen Gefahren schreiben, die Walretterei der vergangenen Wochen war aus meiner Sicht ein abschreckendes Beispiel. Aber ich sollte mich zurückhalten, denn wie ich hier (Z+) schon einmal erzählt habe, beteilige ich mich selbst daran, Schmetterlinge vor einem Karottenroder zu bewahren, so heißt das fragliche Erntegerät wohl. Ein Freund sammelt die Raupen rechtzeitig auf einem Möhrenfeld nordöstlich von Hamburg ein, einige davon verpuppen sich bei mir, und ich lasse sie dann als Schmetterlinge frei. Immerhin fünf Exemplare haben es zu meiner nicht geringen Begeisterung bei Minusgraden über den Winter geschafft. Und die Behauptung, es ginge mir dabei nicht etwa um den eigennützigen Genuss eines kleinen Stücks Naturschönheit, sondern um das individuelle Wohl der fraglichen Tierchen oder gar um Artenschutz, wäre schlicht unwahr. Wie ich darauf komme? Eine Leserin macht auf die Lage einer Wildtierstation in Bergedorf aufmerksam, die sich um "verletzte, verwaiste und hilfsbedürftige Wildtiere" kümmert, Eichhörnchen und Igel beispielsweise. Bislang finanzierte sich die Einrichtung durch milde Gaben, doch die Spendenbereitschaft nimmt ab. Und, das ist das Anliegen der Leserin oder aus ihrer Sicht eher ein Missstand: Die Stadt springt nicht ein. Für die Olympiabewerbung habe der Senat elf Millionen Euro übrig, während der Tierstation "jährlich lediglich 150.000 Euro fehlen". Inzwischen sei die Not so groß, dass sie die Briefkästen hätten abbauen müssen, damit nicht Unbekannte rettungsbedürftige Tiere hineinstopften. Nun kann ich mir eine individuelle Wildtierrettung als öffentliche Aufgabe schwer vorstellen. Es wäre dann wohl irgendeine gemeinwohlorientierte Begründung erforderlich, was mir ähnlich schwierig erscheint wie im Fall meiner Schmetterlingsaufzucht. Als spendenfinanziertes Unterfangen dagegen ist mir das Ganze nicht unsympathisch, weshalb ich hier darüber berichte. Haben Sie einen schönen Tag! Ihr Frank Drieschner Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, oder wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de.  Fahrgäste der U3 müssen zwischen den Stationen Mundsburg und Barmbek seit gestern Ersatzbusse nutzen. Der Streckenabschnitt ist laut Hochbahn wegen Bauarbeiten für acht Wochen gesperrt. Zudem fahren die S3 und S5 für zwei Wochen nicht zwischen Wilhelmsburg und Neugraben. Die Hamburger Hochbahn will erstmals seit 2020 wieder Verbrennerbusse anschaffen, insgesamt 150 Stück. Ziel sei die Stärkung der Resilienzfähigkeit und kritischen Infrastruktur, erklärte das Unternehmen. Das Ziel einer vollständigen Elektrifizierung der Busflotte werde aber nicht aufgegeben. Der Hamburger Kupferproduzent Aurubis profitiert von einem verknappten Angebot an Schwefelsäure als Folge des Irankriegs, wie das Unternehmen mitteilt. Schwefelsäure wird unter anderem zur Herstellung von Düngemitteln benötigt. Bei Aurubis fällt sie als Nebenprodukt während der Kupferherstellung an. Morgen beginnt die Digitalministerkonferenz, deren Vorsitz Hamburg übernimmt. Sie soll die Digitalisierung in Deutschland gestalten und länderübergreifende Strategien abstimmen. Nach Angaben der Veranstalter hat der diesjährige 837. Hamburger Hafengeburtstag rund 1,1 Millionen Menschen angelockt. Im Vorjahr wurde die Besucherzahl mit 1,2 Millionen angegeben, 2024 sogar mit 1,5 Millionen. Der 17-jährige Ali A. soll nach Erkenntnissen der Generalstaatsanwaltschaft Hamburg geplant haben, in Hamburg "Ungläubige" zu töten. Er bestellte demnach Universaldünger und flüssigen Grillanzünder, außerdem soll er eine Sturmhaube und ein Messer beschafft haben. Sein Plan sei es gewesen, in einem Einkaufszentrum, einer Bar oder einer Polizeiwache eine Bombe zu zünden, Molotowcocktails einzusetzen oder mit dem Messer auf Menschen loszugehen. Festgenommen wurde A. bereits am Donnerstag vergangener Woche. Nach ZEIT-Informationen soll er sich über den Messengerdienst Telegram zu seinen Plänen geäußert haben. Die Staatsanwaltschaft verweist unter anderem auf Erkenntnisse des Bundesnachrichtendienstes (BND). Außerdem waren auch das Bundesamt für Verfassungsschutz, das Bundeskriminalamt und das Landeskriminalamt Hamburg an der Festnahme beteiligt. Der Generalstaatsanwaltschaft zufolge liegen keine konkreten Erkenntnisse vor, dass Ali A. Mitglied der Terrororganisation "Islamischer Staat" gewesen sei. Allerdings sei deutlich geworden, "dass er mit dem ›Islamischen Staat‹, der Ideologie sympathisiert". Derzeit sitzt der Festgenommene in der Haftanstalt Hahnöfersand in Untersuchungshaft. Er soll nun psychiatrisch untersucht werden – eine entsprechende Anordnung war bereits vor der Festnahme wegen anderer Delikte ergangen. Tom Kroll Die Geburtenrate sinkt – das wird zum Problem, schreibt ZEIT-Autor Christoph Twickel. Lesen Sie hier einen Auszug aus seinem Kommentar. Noch vor wenigen Jahren waren Hamburger Eltern gut beraten, schon während der Schwangerschaft mit der Suche nach einem Kitaplatz loszulegen. Heute können sie sich damit Zeit lassen, denn allerorten gibt es freie Plätze. Eine gute Nachricht, sollte man meinen, zumindest aus Sicht der Eltern. Doch für manche Kitaträger wird die Unterbelegung zum Problem. Bis 2003 ermittelten in Hamburg die Behörden, wie viele Kitaplätze in welchen Stadtteilen gebraucht werden. Weil sie dazu neigten, die Situation schönzurechnen, gab es oft Mangel. Seither bekommen Eltern Betreuungsgutscheine, mit denen sie sich eine Kita suchen können – die Stadt setzt also quasi auf Markt- statt auf Planwirtschaft. So entstanden viele neue Kitas, und zwar da, wo Bedarf war. Dass es trotzdem Wartelisten gab, lag unter anderem daran, dass die Zahl der Erzieherinnen und Erzieher nicht im selben Maße wuchs wie die Nachfrage nach Plätzen. Doch im Grundsatz war das System erfolgreich, inzwischen machen es andere Kommunen ähnlich. Wie gut sich der Kitabedarf wirklich durch den Markt regeln lässt, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) "Wer die europäische Seele aber wirklich finden will, darf nicht dort suchen, wo Europa verwaltet wird. Er muss dahin, wo es einfach passiert." Im neuen Reisespezial der ZEIT verraten Redakteure und Prominente, wo sie immer wieder Urlaub machen würden. Unter ihnen ist der in Hamburg lebende Michel Abdollahi. Er empfiehlt: Luxemburg. Etwa 20 Autominuten von der Hauptstadt gen Süden schaut der Moderator übers Land und spürt keine Grenzen mehr. → Zum Artikel (Z+) Der Vorverkauf für das Harbour Front Literaturfestival hat begonnen. Es findet in diesem Jahr vom 19. September bis 11. Oktober statt. Zu Gast sind unter anderem Han Kang, Caroline Wahl, Juli Zeh und Francis Fukuyama. Harbour Front Literaturfestival, Tickets und Programm finden Sie hier In der S-Bahn. Meine Mitreisenden unterhalten sich über das regnerische Wetter: "Das Wetter wird immer schlechter." – "Aber es bleibt draußen!" Gehört von Marilies Brinkmann Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.