Verteidigung: Ex-Nato-Generalsekretär Rasmussen fordert alternatives Bündnis

Datum12.05.2026 05:50

Quellewww.zeit.de

TLDRDer frühere NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen fordert angesichts des Rückzugs der USA aus ihrer globalen Führungsrolle die Gründung eines neuen Bündnisses "D7" aus demokratischen Staaten. Dieses soll, analog zur NATO, eine gemeinsame Reaktion auf wirtschaftliche Angriffe vorsehen und China sowie den USA Respekt abverlangen. Rasmussen nennt als potenzielle Mitglieder die EU, Großbritannien, Japan, Kanada, Australien, Neuseeland und Südkorea. Seine größte Sorge gilt der Unberechenbarkeit von US-Präsident Trump.

InhaltWeil die USA sich aus ihrer Führungsrolle zurückziehen, seien andere Allianzen nötig, sagt Anders Rasmussen. Seine "größte Sorge" sei die Unberechenbarkeit Donald Trumps. Der frühere Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat sich für die Gründung eines neuen Verteidigungsbündnisses ausgesprochen. Er habe die USA seit seiner Kindheit als natürliche Führungskraft der freien Welt betrachtet, aber nun ziehe US-Präsident Donald Trump sein Land scheinbar aus dieser Rolle zurück, sagte Rasmussen dem Nachrichtenagentur-Netzwerk Democracy News Alliance (DNA), dem auch die dpa angehört. "Deshalb brauchen wir eine neue Führungskraft der freien Welt", sagte er. Als Wunschmitglieder für die neue Allianz sieht Rasmussen neben der EU, Großbritannien, Japan und Kanada auch die Länder Australien, Neuseeland und Südkorea. Sie könnte demnach in Anlehnung an die bereits existierende Gruppe der G7-Gruppe der führenden westlichen Industriestaaten D7 genannt werden, wobei das D für Demokratie stehen soll, sagte der Däne. "Wenn wir unsere Kräfte bündeln und geschlossen auftreten, dann stellen wir eine beeindruckende Macht dar", sagte Rasmussen. Wenn man wirtschaftlichem Zwang ausgesetzt sei und darauf gemeinsam reagiere, werde das in China oder in den USA für Respekt sorgen. Dafür könne innerhalb der D7-Allianz angelehnt an die Beistandsklausel der Nato ein wirtschaftlicher Artikel 5 formuliert werden, nach dem ein ökonomischer Angriff auf einen als Angriff auf alle betrachtet werde. Konkret sollten über das prodemokratische Bündnis beispielsweise auch internationale Normen und Standards für den Einsatz neuer Technologien festgelegt und Abhängigkeiten bei der Rohstoffversorgung verringert werden. Zudem gelte es, gemeinsam im Globalen Süden zu investieren, um eine Alternative zu chinesischen Investitionen zu schaffen, sagte Rasmussen, der vor seiner Zeit als Nato-Generalsekretär (2009–2014) viele Jahre auch dänischer Ministerpräsident (2001–2009) war. "Und innerhalb eines solchen Bündnisses wären Drohungen gegeneinander selbstverständlich inakzeptabel", fügte Rasmussen mit Blick auf das US-Vorgehen gegen Dänemark im Konflikt um Grönland hinzu. "Meine größte Sorge gilt derzeit dem unberechenbaren Verhalten der Trump-Regierung", sagte der 73-Jährige. Seit dem Beginn der zweiten Amtszeit des US-Präsidenten steht die Nato zunehmend unter Druck. Hintergrund sind unter anderem die Zollpolitik der USA sowie Trumps Annexionsdrohungen gegen Grönland. Zuletzt hatte auch ein parteiübergreifendes Bündnis von EU-Abgeordneten den schnellen Aufbau einer europäischen Verteidigungsunion verlangt, die im Ernstfall auch ein Handeln ohne die US-dominierte Nato ermöglichten.