Datum12.05.2026 02:00
Quellewww.zeit.de
TLDRDer frühere Stabschef des ukrainischen Präsidenten, Andrij Jermak, wird im Rahmen einer Geldwäscheuntersuchung als Verdächtiger eingestuft. Ihm wird vorgeworfen, Teil einer kriminellen Vereinigung zu sein, die rund neun Millionen Euro über ein Luxus-Wohnprojekt gewaschen haben soll. Jermak, der im November wegen Korruptionsermittlungen zurücktrat, bestreitet, Immobilien in dem Projekt zu besitzen. Der Fall ist Teil einer größeren Untersuchung zu Korruption auf höchster Ebene.
InhaltLange galt Andrij Jermak als zweitmächtigster Mann der Ukraine, im November gab er sein Amt als Stabschef wegen Korruptionsermittlungen auf. Nun gibt es neue Vorwürfe. Antikorruptionsbehörden in der Ukraine haben den ehemaligen Leiter des Präsidentenbüros, Andrij Jermak, im Zuge von Ermittlungen zu mutmaßlicher Geldwäsche als Verdächtigen eingestuft. Jermak werde verdächtigt, Teil einer kriminellen Vereinigung zu sein, teilten das nationale Antikorruptionsbüro (NABU) und die Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) auf Telegram mit. Diese soll umgerechnet fast neun Millionen Euro durch ein Luxus-Wohnprojekt außerhalb der Hauptstadt Kyjiw gewaschen haben. Die Behörden nannten Jermak nicht namentlich, er wurde jedoch von lokalen Medien identifiziert. Gegenüber dem ukrainischen Sender Radio Liberty bestritt Jermak, Immobilien in dem Projekt zu besitzen, äußerte sich jedoch nicht weiter. Der Fall ist Teil einer umfassenden Untersuchung zu Korruption auf höchter Ebene, die erstmals im vergangenen November öffentlich wurde. Damals wurde einem früheren Geschäftspartner Selenskyjs vorgeworfen, bei der staatlichen Atomenergiebehörde ein Schmiergeldsystem im Umfang von umgerechnet rund 87 Millionen Euro betrieben zu haben. Ein Sprecher von Präsident Wolodymyr Selenskyjs sagte, es sei zu früh für eine Stellungnahme zum jüngsten Verdacht gegen den früheren Stabschef. Jermak galt lange rechte Hand von Selenskyj. Er leitete das Präsidentenbüro seit 2020. Der frühere Filmproduzent war zudem der führende Unterhändler bei den von den USA unterstützten Friedensgesprächen mit Russland. Er trat im vergangenen November im Zuge einer weitreichenden Untersuchung von Korruption zurück. Im Dezember machten die Behörden Korruptionsermittlungen gegen mehrere Abgeordnete öffentlich.