Datum11.05.2026 20:37
Quellewww.zeit.de
TLDRDer Zweitliga-Fußballschiedsrichter Florian Lechner ist nun Bürgermeister der Ostsee-Insel Poel. Nach seiner Wahl mit fast 53 Prozent der Stimmen wurde der SPD-Politiker vereidigt. Lechner sieht Parallelen zwischen seiner Schiedsrichter- und neuen politischen Tätigkeit, da beides Entscheidungsfindung und Verantwortung erfordert. Er will sich für eine gute Infrastruktur, die Schule, Sport, Ehrenamt und ein gutes Leben für alle Altersgruppen auf Poel einsetzen. Aktuell will er die Aufarbeitung des Buckelwal-Vorfalls und die damit verbundenen Belastungen für die Inselbewohner angehen.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Liga-Schiri jetzt Inselchef“. Lesen Sie jetzt „Zweitliga-Schiedsrichter nun Bürgermeister von Insel Poel“. Der Zweitliga-Fußballschiedsrichter Florian Lechner ist jetzt offiziell Bürgermeister der Ostsee-Insel Poel vor Wismar. Der 34-Jährige wurde am Abend bei einer Gemeindevertretersitzung vereidigt. Der SPD-Politiker war am 18. Januar mit fast 53 Prozent der gültigen Stimmen im ersten Wahlgang gewählt worden. Laut Lechner hilft ihm seine Erfahrung auf dem Platz auch in der Politik: "Ja, absolut", hatte er nach seine Wahl im Januar gesagt. Es gehe in beiden Fällen darum, Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und für das, was man sagt, auch geradezustehen am Ende des Tages. Hauptberuflich arbeitete Lechner bislang in der Staatskanzlei von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) im 50 Autominuten von Poel entfernten Schwerin. Seine neue Aufgabe als Oberhaupt der rund 2.500 Einwohner zählenden Insel geht Lechner nach eigenen Worten mit Respekt, Vorfreude und Gestaltungswillen an. Er verspricht eine "neue Dynamik" für das Eiland, das im Sommer viele Feriengäste hat. Als Themen nennt er etwa eine funktionierende Infrastruktur, die Sicherung und Modernisierung der Schule, gute Bedingungen für Sport und Ehrenamt sowie die Frage, wie junge Menschen, Familien und Ältere auf Poel gut leben können. "Ich möchte ein Bürgermeister sein, der zuhört, erklärt, entscheidet und sich sichtbar für die Insel starkmacht", sagt Lechner. In die internationalen Schlagzeilen geriet Poel jüngst durch den Buckelwal, der - mit einer kurzen Unterbrechung - rund drei Wochen in einer Bucht der Insel im flachen Wasser festlag. Eine private Rettungsinitiative bugsierte schließlich den zwölf Meter langen Meeressäuger in ein mit Wasser gefülltes Transportschiff und transportierte ihn damit in die Nordsee. Am 2. Mai wurde der Wal rund 70 Kilometer vor dem norddänischen Skagen freigelassen. Lechner möchte das von einem großen Medienrummel begleitete Geschehen mit den Einwohnern aufarbeiten. Das Schicksal des Tieres lasse niemanden kalt, erklärte er. "Zugleich habe ich wahrgenommen, dass in der öffentlichen Diskussion die Perspektive der Insel und der Menschen vor Ort teilweise zu kurz gekommen ist: Betriebe mit erheblichen Umsatzeinbußen, Acker und Naturschutzgebiete, die zertreten und beschmutzt wurden, verunsicherte Anwohner und eine Inselgemeinschaft, die mit einer Ausnahmesituation umgehen musste." Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte ein Denkmal für den Wal auf Poel ins Gespräch gebracht. Das wird auf der Insel eher kritisch gesehen, wie Lechner berichtet. In vielen Gesprächen vor Ort höre er "sehr deutlich", dass es auf Poel derzeit dringendere Aufgaben gebe und öffentliche Mittel vor allem dort eingesetzt werden sollten, wo sie den Menschen auf der Insel unmittelbar helfen. "Ich bin offen für Gespräche mit den Verantwortlichen", so Lechner. Er werde aber immer darauf achten, dass die Interessen der Insel und ihrer Bürgerinnen und Bürger im Mittelpunkt stehen. © dpa-infocom, dpa:260511-930-66918/1