Datum11.05.2026 15:30
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer Dokumentarfilm "Gaza: Doctors Under Attack" gewann einen Bafta, nachdem die BBC ihn ablehnte. Die Filmemacher werfen der BBC Zensur vor, da der Sender den Film, der palästinensische Mediziner über Angriffe im Gazastreifen porträtiert, nicht ausstrahlen wollte. Die BBC begründete dies mit der Sorge vor Parteilichkeit. Der Produzent kritisierte die BBC scharf und fragte, ob sie nun auch die Bafta-Übertragung zensieren werde.
InhaltDie BBC hat einen Dokumentarfilm über Gaza abgelehnt, der nun mit einem renommierten TV-Preis geehrt wurde. Der Produzent richtete danach deutliche Worte an den britischen Sender. Die Macher des Dokumentarfilms "Gaza: Doctors Under Attack" haben den Bafta-Fernsehpreis in der Kategorie "Aktuelles" gewonnen und danach den britischen Fernsehsender BBC scharf kritisiert. Die BBC hatte den Dokumentarfilm vor gut einem Jahr bei der Produktionsfirma "Basement Films" in Auftrag gegeben, ihn dann aber nicht ausgestrahlt. Stattdessen zeigte "Channel 4" den Film. In dem Film sprechen palästinensische Gesundheitsfachkräfte über das Gesundheitssystem in Gaza. Laut Journalistin Ramita Navai sind mehr als 1700 palästinensische Ärzte und Mitarbeiterinnen des Gesundheitswesens getötet worden. Mehr als 400 Menschen seien inhaftiert worden. Wie viele medizinische Fachkräfte tatsächlich getötet und inhaftiert sind, ist unklar. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden bis März 2025 bei Angriffen auf Gesundheitseinrichtungen im Gazastreifen 878 Menschen getötet und 1349 verletzt. Insgesamt wurden laut Uno mehr als 1000 medizinische Fachkräfte getötet. Navai widmete ihnen den Preis und sagte: "Dies sind die Ergebnisse unserer Recherchen, die die BBC zwar bezahlen, aber nicht zeigen wollte. Aber wir lassen uns nicht zum Schweigen bringen und zensieren." Die BBC hatte die Dokumentation zunächst nicht gesendet, weil sie parallel den Film "Gaza: How To Survive a War Zone" überprüfte. Der Sender zog diese Doku schließlich zurück, weil eines der gezeigten Kinder Sohn eines Vizeministers der Hamas-Regierung ist. Die BBC entschied sich anschließend dazu, auch "Gaza: Doctors Under Attack" nicht auszustrahlen. Der Film riskiere, "den Eindruck von Parteilichkeit zu erwecken, der nicht den hohen Standards entspräche, die die Öffentlichkeit zu Recht von der BBC erwartet", hieß es damals. Der Sender erklärte zudem, dass Unparteilichkeit "ein Kernprinzip von BBC News" bleibe. Die öffentlich finanzierte britische BBC ist wegen ihrer Berichterstattung über den Krieg zwischen Israel und Hamas in Gaza schon öfter kritisiert worden. Einige Kritiker werfen der BBC eine Voreingenommenheit gegenüber den Palästinensern vor, andere eine Voreingenommenheit gegenüber Israel. Bei der Bafta-Verleihung sagte Produzent Ben de Pear nun: "Zum Schluss noch eine Frage an die BBC: Da ihr unseren Film aus dem Programm genommen habt, werdet ihr uns dann auch aus der Bafta-Übertragung nehmen?". BBC One übertrug die Bafta-Verleihung um zwei Stunden verzögert. Laut BBC wurde die Rede von de Pear in einer Zusammenfassung gezeigt. Großer Gewinner des Abends war die Serie "Adolescence", eine der erfolgreichsten Netflix-Serien der Geschichte. Sie wurde viermal ausgezeichnet: als beste Miniserie, für den besten Hauptdarsteller (Stephen Graham), den besten Nebendarsteller (Owen Cooper) und die beste Nebendarstellerin (Christine Tremarco). Noch nie gewann eine TV-Produktion vier Baftas an einem Abend. Außerdem wurden etwa Steve Coogan, Narges Rashidi und Katherine Parkinson geehrt. Seth Rogen erhielt den Bafta für die beste internationale Serie für "The Studio" und widmete den Preis seiner verstorbenen Co-Darstellerin Catherine O’Hara.