Ukrainischer Botschafter Makejew lehnt Vermittlerrolle für Schröder strikt ab

Datum11.05.2026 14:54

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer ukrainische Botschafter Makejew lehnt Gerhard Schröders Vermittlerrolle im Ukrainekrieg entschieden ab. Er begründet dies mit Schröders mangelnder politischer Legitimität und seiner früheren Vertretung russischer Interessen. Auch deutsche Politiker von den Grünen und teils SPD-Kreise äußern sich kritisch oder ablehnend. Die SPD-Außenpolitiker hingegen waren zunächst offen für eine Prüfung des Angebots. Schröders Büro äußerte sich nicht zu der Frage der Vermittlertätigkeit. Auch gesundheitliche Bedenken wurden hinsichtlich der Eignung Schröders geäußert.

InhaltWladimir Putin hat seinen Freund Gerhard Schröder als Vermittler im Ukrainekrieg ins Spiel gebracht. Kyjiws Botschafter Oleksij Makejew hält nun dagegen: Dem SPD-Altkanzler fehle "die politische Legitimität". Der Vorschlag des russischen Präsidenten Wladimir Putin, den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Vermittler in Friedensgesprächen zu machen, wird von ukrainischer Seite abgelehnt. "Wir brauchen keine Vermittler. Wir brauchen Verbündete", sagte der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksij Makejew, dem SPIEGEL. "Wer über Jahre russische Interessen in Deutschland vertreten hat, besitzt weder die moralische noch die politische Legitimität, heute als Vermittler aufzutreten." Makejew, der derzeit den deutschen Verteidigungsminister Boris Pistorius bei dessen Besuch in Kyjiw begleitet, fügte mit Blick auf den früheren SPD-Politiker Schröder hinzu: "Nicht, dass er am Ende versehentlich am falschen Tisch Platz nimmt." Auch Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour von den Grünen lehnte Schröder als möglichen Vermittler bei Gesprächen zwischen Moskau und Kyjiw ab. "Dass Putin Schröder ins Spiel bringt, ist ein schlechter Witz", sagte Nouripour dem SPIEGEL. "Dass die SPD darauf sofort anspringt, zeigt, dass die Sozialdemokratie schlechte Gewohnheiten der Moskau-Connection nicht einfach abgelegt bekommt." Dieser Konflikt brauche "keinen Vermittler aus Deutschland, sondern eine Stärkung der gemeinsamen europäischen Haltung", so Nouripour weiter. Mit Blick auf mögliche andere deutsche Persönlichkeiten für eine Vermittlerrolle sagte der Grünenpolitiker: "Wenn die EU jemanden aus Deutschland beruft, ist das dann eine erfreuliche Nachricht." Russlands Präsident Putin hatte am Samstag den mit ihm befreundeten Altbundeskanzler Schröder als Vermittler im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ins Spiel gebracht. SPD-Außenpolitiker zeigten sich daraufhin offen für den Vorschlag . "Jedes Angebot muss ernsthaft geprüft werden, wie verlässlich es ist", sagte etwa Adis Ahmetović, außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, dem SPIEGEL. Man dürfe "nicht akzeptieren, dass allein die USA und Russland über die Zukunft der Ukraine und der europäischen Sicherheit entscheiden", so Ahmetović. Zuspruch kam auch vom SPD-Abgeordneten Ralf Stegner. Schröders Büro teilte zuletzt lediglich mit, der Altbundeskanzler werde sich zu der Frage, ob er als Vermittler zur Verfügung stehe, nicht äußern. Der 82-Jährige steht seit Jahren wegen seiner Freundschaft zu Putin und Tätigkeiten für russische Öl- und Gaskonzerne in der Kritik – auch in der SPD. Zuletzt hatte er Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine in der "Berliner Zeitung" als völkerrechtswidrig bezeichnet, aber ebenso geschrieben: "Ich bin aber auch gegen die Dämonisierung Russlands als ewiger Feind." Zurückhaltend zur Personalie Schröder äußert sich auch der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger. "Eine Person aus Deutschland könnte nur dann eine Vermittlerrolle zur Beendigung des Kriegs zwischen Russland und der Ukraine einnehmen, wenn sie auf breite Zustimmung auf europäischer Ebene stieße, insbesondere aus Osteuropa und den baltischen Staaten", sagte Ischinger dem SPIEGEL. "Es darf bei dem Thema keine deutschen Alleingänge mehr geben." Unabhängig vom absehbar fehlenden politischen Rückhalt für Schröder als Vermittler im Ukrainekrieg scheint auch dessen gesundheitliche Eignung für die anspruchsvolle Aufgabe zweifelhaft. Der Altbundeskanzler hatte im vergangenen Jahr zwischenzeitlich mehrere Termine im Untersuchungsausschuss des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern zu den Hintergründen des Baus der umstrittenen Ostseepipeline Nord Stream 2 aus gesundheitlichen Gründen abgesagt. Ein Arzt hatte Schröder dabei ein "typisches Burn-out-Syndrom mit dem Zeichen einer tiefgreifenden Erschöpfung und stark ausgeprägtem Energiemangel" bescheinigt. Der Altbundeskanzler leide auch an "Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten sowie Schlafstörungen", hieß es. Später sagte Schröder in dem Ausschuss doch noch aus.