Datum11.05.2026 13:09
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie EU, allen voran Außenbeauftragte Kaja Kallas, lehnt Gerhard Schröders mögliche Vermittlerrolle im Ukraine-Krieg entschieden ab. Sie argumentiert, Russland dürfe nicht entscheiden, wer verhandelt, und Schröder sei zu eng mit russischen Staatsunternehmen verbunden. Auch andere EU-Außenminister und die Ukraine sehen dies kritisch und betonen die Rolle europäischer Institutionen und der USA bei Verhandlungen. Russland hatte Schröder zuvor als Wunschvermittler ins Spiel gebracht.
InhaltRusslands Machthaber wünscht sich im von ihm gewählten Krieg Altbundeskanzler Gerhard Schröder als Vermittler. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas tritt Putin nun entgegen. Auch der ukrainische Staatschef Selenskyj äußert sich. Mit seinem Wunsch, Gerhard Schröder möge doch bitte im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine vermitteln, ist Kremlchef Wladimir Putin in Deutschland auf offene Ohren einiger SPD-Politiker gestoßen . Auf EU-Ebene zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat das Anliegen des russischen Machthabers jetzt deutlich zurückgewiesen. "Wenn wir Russland das Recht geben würden, in unserem Namen einen Verhandlungsführer zu benennen, wäre das nicht sehr klug", sagte Kallas am Rande eines Außenministertreffens in Brüssel. Schröder sei hochrangiger Lobbyist für russische Staatsunternehmen gewesen. Daher sei klar, warum Putin ihn haben wolle: "Dann säße er gewissermaßen auf beiden Seiten des Tisches", sagte sie. Ähnlich kritisch äußerten sich andere Teilnehmer des Treffens. Die österreichische Außenministerin Beate Meinl-Reisinger sagte, aus ihrer Sicht müsse eine Person oder ein Team für mögliche Verhandlungen mit Russland nominiert werden. Die Auswahlentscheidung werde aber die EU treffen und nicht Russland. Ihre schwedische Kollegin Maria Malmer Stenergard ordnete Putins Vorstoß als Ablenkungsmanöver ein. Putin sei bislang nicht wirklich an Friedensgesprächen interessiert, sagte sie. Was es brauche, seien weitere Sanktionen, um den Druck auf Russland zu erhöhen. Estlands Außenminister Margus Tsahkna sagte: "Gerhard Schröder ist Putins Idee. (…) Gerhard Schröder wird nicht Europa vertreten." Dafür habe man die europäischen Institutionen und Vertreter wie Kallas, Ratspräsident António Costa und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Kremlchef Putin hatte Altkanzler Schröder bei einer Pressekonferenz nach der Siegesparade zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Moskau als Vermittler im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ins Spiel gebracht. Obwohl sich die USA um Vermittlung bemüht hätten, könne er sich von europäischer Seite den früheren SPD-Chef als Vermittler vorstellen, sagte Putin. "Von allen europäischen Politikern würde ich Gespräche mit Schröder bevorzugen." Auch Vertreter der Ukraine äußerten sich ablehnend. "Wir unterstützen das nicht", sagte der als Gast zu dem EU-Treffen gereiste ukrainische Außenminister Andrij Sybiha. Es gebe "viele andere würdige Führungspersönlichkeiten", die für die EU verhandeln könnten. Auch Wolodymyr Selenskyj äußerte sich indirekt zu dem Thema. Direkt auf Schröder nahm er zwar nicht Bezug, allerdings betonte der ukrainische Staatschef sehr deutlich die von ihm erhoffte Rolle der USA bei Verhandlungen. Man stehe praktisch täglich mit US-Vertretern im Austausch, schreibt Selenskyj in sozialen Medien . "Es ist wichtig, dass Amerika in der Diplomatie bleibt und insbesondere als Vermittler in der Frage des Gefangenenaustauschs tätig ist."