Britischer Premierminister: Keir Starmer will britische Beziehung zur EU verbessern

Datum11.05.2026 12:25

Quellewww.zeit.de

TLDRNach der Niederlage bei Kommunalwahlen will Premierminister Keir Starmer die britische Beziehung zur EU verbessern. Großbritannien müsse wieder "ins Herz von Europa" rücken, um wirtschaftlich und in der Verteidigung stärker zu werden. Konkret plant Starmer ein Jugendprogramm, das die Rückkehr in das Erasmus+-Programm nach dem Brexit markiert. Er kritisiert die Versprechen des Brexit-Befürworters Nigel Farage, die sich als unerfüllt erwiesen hätten. Starmer will trotz Druck und schlechter Umfragewerte Premierminister bleiben.

InhaltNach der schweren Niederlage von Labour bei den Kommunalwahlen steht Premier Starmer unter Druck. Jetzt will er Großbritannien wieder der EU annähern. Der britische Premierminister Keir Starmer will das Verhältnis zwischen Großbritannien und der EU verbessern. Seine Regierung werde dadurch definiert werden, dass Großbritannien wieder "ins Herz von Europa" rücke, sagte Starmer, "damit wir wirtschaftlich, im Handel und in der Verteidigung stärker werden". Großbritannien werde "eine neue Richtung" einschlagen, kündigte der Regierungschef an. Konkret wolle er zusammen mit den EU-Ländern ein Jugendprogramm aufsetzen, "damit unsere jungen Leute in Europa arbeiten, studieren und leben können". Starmer bezog sich damit mutmaßlich auf die bereits Ende 2025 angekündigte Rückkehr Großbritanniens in das europäische Bildungsprogramm Erasmus+. Großbritannien war nach dem Brexit Anfang 2021 aus dem Programm ausgestiegen, ab 2027 soll das Land sich dem Programm wieder anschließen. Der Regierungschef erinnerte etwa daran, dass der britische Rechtspopulist Nigel Farage, dessen Partei Reform UK bei den Kommunalwahlen vergangene Woche viele zuvor von Labour besetzte Sitze gewann, den Ausstieg Großbritanniens beworben hatte. Die Versprechen, die Farage damit verbunden hatte, wie mehr Sicherheit und Wohlstand und weniger Migration, hätten sich dadurch aber nicht erfüllt. Sowohl Reform UK als auch die Konservative Partei würden Großbritannien noch weiter von der EU trennen wollen. Am Donnerstag haben die britischen Sozialdemokraten bei Kommunalwahlen fast 1.500 Mandate verloren – größtenteils an die Partei Reform UK, die aus dem Stand mehr als 1.400 Sitze gewinnen konnte. Im sozialdemokratisch geprägten Wales wurde Labour erstmals nicht stärkste Kraft, sondern rutschte hinter die Unabhängigkeitspartei Plaid Cymru und Reform UK auf Platz drei.  Das Wahlergebnis hat für neue Forderungen nach einem Rücktritt Starmers gesorgt, was der Premier erneut ausgeschlossen hat. Schon in den Monaten davor stand Starmer unter Druck, unter anderem wegen schlechter Umfragewerte und der Affäre um die Verbindungen des ehemaligen britischen US-Botschafters Peter Mandelson zum verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Trotz Widerstands aus der eigenen Partei kündigte Starmer am Wochenende an, er wolle bis zur regulären Wahl im Jahr 2029 Premierminister bleiben. Starmer hatte mit Labour bei der Wahl 2024 knapp 34 Prozent der Stimmen und 411 von 650 Sitzen im britischen Unterhaus gewinnen können. Seitdem sind die Umfragewerte der Regierung abgestürzt, derzeit liegen sowohl Labour als auch die konservativen Tories jeweils unter 20 Prozent. Reform UK kam im vergangenen Sommer auf Werte von über 30 Prozent, verschlechterte sich jedoch in den vergangenen Monaten wieder in den Umfragen. Gegen Parteichef Farage kam es zuletzt zu Korruptionsvorwürfen. Dennoch führt seine Partei die Umfragen weiterhin an.