Datum11.05.2026 10:58
Quellewww.zeit.de
TLDRDer UN-Hochkommissar Christian Schmidt tritt zum Ende des Jahres von seinem Amt in Bosnien und Herzegowina zurück. Er überwacht seit 2021 die Umsetzung des Friedensabkommens von Dayton. Berichten zufolge soll die US-Regierung Druck ausgeübt haben, was Schmidt zu diesem Schritt veranlasste. Hintergrund ist die Haltung der neuen US-Administration zur separatistischen Politik des bosnisch-serbischen Politikers Milorad Dodik.
InhaltAls UN-Repräsentant in Bosnien überwacht der CSU-Politiker Schmidt seit 2021 den Frieden zwischen Bosniaken und Serben. Die USA sollen ihn unter Druck gesetzt haben. Der Hohe Repräsentant der Vereinten Nationen für Bosnien und Herzegowina, Christian Schmidt, hat seinen Rücktritt angekündigt. Er habe "die persönliche Entscheidung getroffen, seine Dienste für die Umsetzung des Friedens in Bosnien-Herzegowina zu beenden", teilte sein Büro in Sarajevo mit. Er werde sein Amt weiter ausüben, bis die Nachfolge geklärt sei. Nähere Motive des Rücktritts gehen aus der Mitteilung nicht hervor. Zuvor hatte die FAZ am Sonntag über die Rücktrittsabsicht des CSU-Politikers berichtet. Bosnien-Herzegowina besteht seit Ende des Krieges zwischen 1992 und 1995 aus zwei Landesteilen: der Föderation Bosnien-Herzegowina (FBiH), die hauptsächlich von Bosniaken und Kroaten bewohnt wird, und der vor allem von Serben bewohnten Republika Srpska (RS). Die Landesteile sind weitgehend autonom. Das Friedensabkommen von Dayton aus dem Jahr 1995 sah auch das Amt des UN-Repräsentanten vor, der die Umsetzung des Friedens überwachen soll und dabei über weitgehende Vollmachten verfügt. So kann er Gesetze ändern und bestimmte Amtsträger absetzen. Der ehemalige Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt bekleidet das Amt seit August 2021. Das bosnische Nachrichtenportal avaz.ba berichtete unter Berufung auf diplomatische Quellen, Schmidt habe sich auf Druck der US-Regierung zum Rücktritt entschlossen. Hintergrund ist die Unterstützung der Regierung von US-Präsident Donald Trump für den bosnisch-serbischen Politiker Milorad Dodik. Der ehemalige Präsident der RS betreibt zunehmend eine Abspaltung des serbischen Landesteils vom bosnischen Staat. Schmidt hatte zahlreiche Gesetze der RS annulliert, die diese Abspaltung vorantreiben sollten. Wegen seiner separatistischen Aktivitäten war Dodik im Sommer 2025 von einem Gericht in Sarajevo abgesetzt worden. Als Vorsitzender der Regierungspartei SNSD gilt er aber weiterhin als maßgeblicher Entscheider in der RS. Trump ließ die Sanktionen, welche die Regierung von Ex-Präsident Joe Biden gegen Dodik und seine Angehörigen verhängt hatte, aufheben. "In diplomatischen Kreisen ist seit Monaten bekannt, dass die Trump-Administration massiven Druck auf Christian Schmidt ausgeübt hat", sagte auch Adnan Cerimagic von der European Stability Initiative in Berlin, der Nachrichtenagentur KNA. Schmidt habe seine Vollmachten mit Rückendeckung der Biden-Regierung "intensiv genutzt". Die USA hätten seine Machtfülle jahrelang als notwendig betrachtet, um Bosnien-Herzegowina vor serbischem Nationalismus und russischer Einflussnahme zu schützen, sagte Cerimagic. "Nun sieht man in Washington offenbar andere Prioritäten". Dieser Artikel wird weiter aktualisiert.