Hantavirus auf der MS »Hondius«: Mindestens zwei weitere Passagiere mit dem Hantavirus infiziert

Datum11.05.2026 10:48

Quellewww.zeit.de

TLDRAuf der MS "Hondius" wurden weitere Hantavirus-Fälle bekannt, ein US-Amerikaner und eine Französin sind betroffen. Die Passagiere werden evakuiert und isoliert. Die vier deutschen Passagiere sind symptomfrei und werden in Deutschland unter Quarantäne gestellt. Experten schätzen die Gefahr für die Allgemeinheit als gering ein. Bisher sind drei Todesfälle bekannt.

InhaltWährend der Evakuierung der MS "Hondius" sind weitere Hantavirus-Fälle festgestellt worden. Die deutschen Passagiere sind in Frankfurt angekommen und ohne Symptome. Im Zuge der Evakuierung des von einem Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs MS Hondius sind mindestens zwei weitere Fälle gemeldet worden. Dabei handelt es sich um einen US-Amerikaner und eine Französin. Dem US-Gesundheitsministerium zufolge wurde der US-Passagier auf dem Rückflug in die USA positiv auf das Hantavirus getestet. "Ein Passagier hat derzeit leichte Symptome, und ein weiterer Passagier wurde im PCR-Test leicht positiv auf das Andes-Virus getestet", hieß es. Das Andes-Virus ist der von Mensch-zu-Mensch übertragbare Virusstamm des Hantavirus. Insgesamt waren 17 US-Bürger evakuiert worden. Sie sollen an die Universität von Nebraska gebracht werden, die über eine staatlich finanzierte Quarantäneeinrichtung verfügt. Der infizierte Passagier werde nach der Ankunft in eine Isolierstation gebracht, sagte eine Sprecherin des Nebraska Medical Center. Die französische Passagierin wurde ebenfalls nach ihrer Ankunft in Frankreich positiv auf das Virus getestet. Das sagte Frankreichs Gesundheitsministerin Stéphanie Rist in einem Radiointerview bei France Inter. Ihr Zustand "verschlechtere" sich gegenwärtig. Die Tests der vier anderen Passagiere aus Frankreich seien negativ gewesen, sagte Rist. Sie sollen aber erneut getestet werden. Laut Rist wurden bislang 22 mögliche Kontaktfälle in Frankreich festgestellt. Am Sonntag waren mehrere Evakuierungsflüge von der spanischen Kanareninsel Teneriffa in verschiedene Länder gestartet. Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen waren die Menschen zuvor in kleinen Gruppen an Land gebracht worden. Anschließend waren sie mit Bussen zum nahe gelegenen Flughafen Tenerife Sur gefahren worden. An Bord einer Maschine nach Eindhoven befanden sich neben Niederländern, Belgiern und Griechen auch die vier verbliebenen deutschen Passagiere. Alle Passagiere waren laut dem spanischen Gesundheitsministerium symptomfrei. Die vier Deutschen sind mittlerweile nach Frankfurt gebracht worden. Ein Sprecher der Uniklinik Frankfurt bestätigte am Morgen die Ankunft des sogenannten Sonderisoliertransports. In Frankfurt sollen die Passagiere weiter untersucht und beobachtet und anschließend zur Quarantäne in die jeweiligen Bundesländer gebracht werden. Das Bundesgesundheitsministerium bestätigte der ZEIT, dass alle deutschen Passagiere "weiterhin vollständig ohne Symptome" seien. Sie sollen demnach im Lauf des Montags nach Berlin, Baden-Württemberg, Bayern und Schleswig-Holstein weitertransportiert werden. Der Transport werde durch die betroffenen Bundesländer oder Kommunen durchgeführt. Es sei zu erwarten, dass die vier Personen dann bis zu 45 Tage in häuslicher Quarantäne verbringen müssten, hieß es weiter. Während der nächsten Wochen würden die vier Passagiere "kontinuierlich und engmaschig auf Symptome überwacht". Die örtlichen Gesundheitsämter werden demnach vom Stakob (Ständiger Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger) unterstützt, dessen Geschäftsstelle am Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelt ist. RKI-Chef Lars Schaade hatte zuvor in einem ZDF-Interview gesagt, dass er keine Gefahr durch das Hantavirus für die Bevölkerung in Deutschland sehe. "Das ist kein Virus, das sich verbreitet." Man kenne das Virus schon sehr lange und könne es deshalb sehr gut einschätzen. "Und immer ist es gelungen, die Ausbruchssituation entsprechend unter Kontrolle zu bringen." Auch die EU-Gesundheitsbehörde ECDC schätzt die Gefahr wegen der langsamen Übertragung als "sehr gering" ein. Am Montagnachmittag sollen dann die letzten Flüge nach Australien und in die Niederlande starten. Nach jüngsten Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es insgesamt sechs bestätigte Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle. Die Zahlen der WHO beinhalten damit noch nicht die zwei neuen positiv getesteten Personen. Drei Menschen sind bisher gestorben: ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine Deutsche. Auf der Hondius waren zuletzt insgesamt 140 bis 150 Reisegäste, Besatzungsmitglieder und begleitende Experten aus 23 Ländern. Das Schiff soll nach Abschluss der Evakuierung mit einem Teil der Crew nach Rotterdam fahren, denn die Hondius fährt unter niederländischer Flagge. Erst nach der Ankunft dort soll die an Bord gestorbene Deutsche vom Schiff gebracht werden. Auch die Desinfektion des Schiffs wird in den Niederlanden erfolgen. Bis nach Rotterdam braucht die Hondius rund fünf Tage.