Straße von Gibraltar: Grindwale schreien gegen Schiffslärm an

Datum11.05.2026 10:42

Quellewww.spiegel.de

TLDRGrindwale in der Straße von Gibraltar passen ihre Rufe an den ständigen Schiffslärm an. Forscher fanden heraus, dass die Wale ihre Rufe lauter machen, besonders solche höherer Frequenz. Dies hilft ihnen, in der Geräuschkulisse zu kommunizieren, jedoch sind Rufe niedriger Frequenz, die für die Orientierung wichtig sind, bereits am Limit ihrer Lautstärke. Dies verringert die effektive Kommunikationsreichweite, was das Finden von Artgenossen erschwert. Angesichts einer Population von nur 250 Tieren fordern die Forscher eine Lärmreduktion zum Schutz der Wale.

InhaltEs ist, als lebten sie neben einem kreischenden Staubsauger: Grindwale in der Straße von Gibraltar haben mit dem ständigen Schiffslärm zu kämpfen. Forscher haben jetzt festgestellt, dass die Tiere ihre Kommunikation daran anpassen. Die Straße von Gibraltar zwischen Spanien und Marokko gehört zu den am stärksten befahrenen Gewässern der Welt. Jedes Jahr passieren mehr als 60.000 Schiffe die Meerenge. Genau dort aber leben zahlreiche Grindwale, die zwischen all den Schiffen Nahrung suchen, ihren Nachwuchs aufziehen und Kontakt zu ihrer Herde halten müssen. Doch das ist im Lärm der Schiffsmotoren nicht immer leicht. Um sich inmitten des Lärms Gehör zu verschaffen, rufen die Wale teilweise lauter als üblich. Das berichtet ein internationales Forschungsteam im "Journal of Experimental Biology" . Die Gruppe um Milou Hegeman und Frants Jensen von der dänischen Universität Aarhus war zwischen 2012 und 2015 mit einem Forschungsschiff in der Straße von Gibraltar unterwegs. Die Forscher zeichneten die Rufe der Wale auf, um mehr darüber zu erfahren, wie die Tiere unter den Umständen des Schiffsverkehrs leben. Dazu befestigten sie mit Saugnäpfen Aufzeichnungsgeräte an den Rücken von 23 Grindwalen (Globicephala melas). Die Geräte dokumentierten nicht nur die Geräusche der Tiere, sondern zeichneten auch auf, in welcher Tiefe die Wale unterwegs waren und wie sie sich bewegten. Nach 24 Stunden lösten sich die Geräte und trieben an die Oberfläche. Zurück im Labor analysierte das Team 1432 Walrufe und den Umgebungslärm. Dieser bewegte sich in einer Spanne von 79 bis 144 Dezibel. Den Autoren zufolge ist das vergleichbar mit der Geräuschkulisse eines lauten Restaurants bis hin zu Staubsaugerlärm. Bei den Walen scheint dies dazu zu führen, dass sie ihr Verhalten anpassen und die Lautstärke ihrer Rufe erhöhen, wie die Forscher feststellten. Dies war vor allem bei Rufen mit höherer Frequenz und bei kurzen, unterbrochenen Rufen der Fall. Eine geringe Erhöhung der Lautstärke reichte den Walen hierbei aus, um sich Gehör zu verschaffen. Die Rufe mit höherer Frequenz dienen den Walen laut den Forschern dazu, sich in näherer Umgebung zu verständigen. Allerdings funktioniert diese Lösung wohl nicht bei allen Arten von Rufen: Bei Rufen in niedrigerer Frequenz sowie Rufen aus zwei verschiedenen Komponenten schöpfen die Wale der Studie zufolge ohnehin bereits das Maximum an Lautstärke aus, das sie imstande sind, zu erzeugen. Lauter zu rufen, um die Schiffe zu übertönen, ist in diesen Fällen somit keine Option. Unglücklicherweise seien es genau diese Rufe, mit denen sich die Wale gegenseitig darüber verständigen, wo sie gerade sind, um zueinanderzufinden, schreibt das Team. "Zunehmender Lärm verringert die effektive Kommunikationsreichweite, wodurch es für weit voneinander entfernte Tiere schwieriger wird, einander zu finden", erklärt Jensen – etwa nach der Nahrungssuche. Die Grindwalpopulation in der Straße von Gibraltar umfasse nur noch 250 Tiere, betonen die Autoren – und rufen dazu auf, den Lärm zu reduzieren, um die Wale zu schützen. Die Geister von Gibraltar: Immer wieder rammen Orcas Schiffe und Segelboote vor Europas Südwestküste. Forscher rätseln über die Motive der Meeressäuger, Segler fürchten um ihr Leben. Warum tun die Tiere das? Mehr dazu lesen Sie hier.