Datum11.05.2026 04:30
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi wurde nach einem Herzinfarkt und Intensivaufenthalt gegen Kaution in eine Teheraner Klinik verlegt. Ihre Haftstrafe wurde ausgesetzt. Die Menschenrechtsaktivistin, die sich gegen die Unterdrückung von Frauen und die Todesstrafe im Iran einsetzt, war zuletzt wegen "Verschwörung" und "propagandistischer Aktivitäten" zu Haftstrafe verurteilt worden. Unterstützer und die USA hatten eine Verlegung und medizinische Behandlung gefordert.
InhaltDie iranische Nobelpreisträgerin ist nach einem Herzinfarkt in ein Krankenhaus in Teheran transportiert worden. Ihre Gefängnisstrafe wurde laut ihrer Anwältin ausgesetzt. Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi ist nach Angaben ihrer Stiftung in ein Krankenhaus in Teheran verlegt worden. Die 54‑Jährige war nach einem Herzinfarkt zehn Tage lang auf der Intensivstation eines Krankenhauses in der Stadt Sandschan im Nordwesten des Irans, wo sie auch inhaftiert war. Mohammadi sei eine Aussetzung ihrer Strafe gegen Zahlung einer hohen Kaution gewährt worden, hieß es in der Mitteilung. Ihr Transport mit dem Krankenwagen sei abgeschlossen, und sie befinde sich nun im Tehran Pars Spital, wo sie von ihrem eigenen Ärzteteam behandelt werde, hieß es weiter. Auch ihr Anwalt Mostafa Nili bestätigte die Verlegung auf X. Mohammadis in Paris lebender Ehemann Taghi Rahmani hatte am Samstag auf X berichtet, der Gesundheitszustand der Menschenrechtsaktivistin sei weiter kritisch. Sie habe einen starken Blutdruckabfall erlitten, zudem falle ihr inzwischen selbst das Sprechen schwer, schrieb er. Rahmani und andere Familienmitglieder forderten seit längerem, Mohammadi nach Teheran zu verlegen, damit sie dort von ihren eigenen Fachärzten behandelt werden kann. Unterstützer der Menschenrechtsaktivistin hatten gewarnt, Mohammadi könne in Haft sterben. Auch die USA forderten den Iran am zuletzt auf, Mohammadi aus dem Gefängnis freizulassen. Sie müsse die nötige Behandlung bekommen. Die Welt schaue zu, schrieb der im US-Außenministerium für Menschenrechte zuständige Spitzenbeamte Riley Barnes. Mohammadi war 2023 für ihren Einsatz gegen die Unterdrückung von Frauen und gegen die Todesstrafe im Iran mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Anfang Februar wurde sie nach Angaben ihres Anwalts erneut zu mehreren Jahren Haft wegen "Verschwörung" und "propagandistischer Aktivitäten" verurteilt, zudem gilt ein zweijähriges Ausreiseverbot. Mohammadi war in den vergangenen 25 Jahren wegen ihres Einsatzes gegen den Kopftuchzwang und die Todesstrafe im Iran wiederholt vor Gericht gestellt und inhaftiert worden. 2023 wurde sie für ihren Einsatz für die Menschenrechte mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Im Dezember 2024 wurde Mohammadi aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend aus ihrer Haft im Teheraner Evin-Gefängnis entlassen. Im Dezember 2025 wurde sie in der ostiranischen Stadt Maschhad erneut festgenommen, weil sie bei einer Beerdigung Irans geistliche Führung kritisiert hatte. Im Februar teilte Mohammadis Stiftung mit, ihr Gesundheitszustand sei äußerst besorgniserregend.