Alkohol: Ärzteverband fordert Schnaps-Verbot in Supermärkten

Datum10.05.2026 16:15

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer Marburger Bund fordert, hochprozentigen Alkohol nur noch in lizenzierten Shops zu verkaufen, ähnlich dem norwegischen Modell. Ziel ist der Schutz Jugendlicher und die Reduzierung von Abhängigkeit. Supermärkte, Tankstellen und Kioske sollen keinen hochprozentigen Alkohol mehr anbieten. Der Verband sieht dies als wichtigen Schritt zur Verringerung vermeidbarer Gesundheitsrisiken und volkswirtschaftlicher Schäden durch Alkoholkonsum.

InhaltDer Marburger Bund will Hochprozentiges nur noch in lizenzierten "Alkoholshops" verkaufen lassen – zum Schutz von Jugendlichen und gegen Abhängigkeit. Anderswo gibt es damit positive Erfahrungen. Wer schon einmal in einem norwegischen Supermarkt war, dürfte bemerkt haben: Alkohol ist dort hochpreisig. Sein Verkauf unterliegt speziellen Regeln, unter anderem gilt: Stärkere Getränke als Bier gibt es dort nicht. Die Grenze liegt bei 4,75 Volumenprozent. Wer es härter will, muss in das sogenannte "Vinmonopolet" gehen – eine staatliche Alkohol-Verkaufsstelle, die unter Aufsicht des norwegischen Gesundheitsministeriums steht. Filialen davon findet man in den Städten des Landes, nur dort gibt es etwa Wein oder Schnaps. Das norwegische Modell dürfte eine Inspiration für den Ärzteverband Marburger Bund gewesen sein, er fordert strengere Regeln für den Zugang zu Alkohol in Deutschland: "Der Verkauf hochprozentiger alkoholischer Getränke soll ausschließlich in lizenzierten, spezialisierten Verkaufsstellen ("Alkoholshops") erfolgen", hieß es in einer Mitteilung des Verbands aus Anlass seiner Hauptversammlung in Hannover. Supermärkte, Tankstellen und Kioske sollten keinen hochprozentigen Alkohol mehr anbieten dürfen. Für den Marburger Bund gehört Alkoholkonsum zu den größten vermeidbaren Gesundheitsrisiken in Deutschland. Besonders junge Menschen müssten besser geschützt werden. Früh etablierte Konsummuster erhöhten nachweislich das Risiko für spätere Abhängigkeitserkrankungen sowie gesundheitliche und soziale Folgeschäden. Internationale Erfahrungen zeigten, so die Ärztevereinigung, dass höhere Altersgrenzen und strengere Verkaufsregulierungen den Alkoholkonsum signifikant senken und insbesondere Jugendliche wirksam schützen können. Tatsächlich hat es Norwegen laut Expertenansicht in den vergangenen Jahren geschafft, einen hochproblematischen Alkoholumgang der Bevölkerung deutlich zu reduzieren. Der Marburger Bund begrüßte auch Pläne des Bundesfamilienministeriums, das "begleitete Trinken" für Jugendliche abzuschaffen. Diese Ausnahmeregelung erlaubt es Teenagern ab 14 Jahren, Bier, Wein oder Sekt in Begleitung einer "sorgeberechtigten Person" zu kaufen oder zu trinken. Dass Alkohol in Deutschland zu frei verfügbar ist, kritisieren Suchtmediziner schon lange. Pro Kopf trinken die über 15-Jährigen in Deutschland 10,6 Liter reinen Alkohol im Jahr; sie liegen damit leicht über dem EU-Schnitt. 1,6 Millionen der 18- bis 64-Jährigen in Deutschland sind abhängig. 7,9 Millionen aus dieser Altersgruppe haben ein riskantes Trinkverhalten. Auch die volkswirtschaftlichen Schäden sind enorm, sie werden aktuell auf 57 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Die Zahl hat der Gesundheitsökonom Tobias Effertz erhoben. Er sagte dem SPIEGEL: "In dieser Zahl nicht enthalten sind der Schmerz und das Leid der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Ebenfalls nicht mit eingerechnet sind die Folgekosten von Kriminalität, die unter Alkoholeinfluss begangen wurde. Weiter fehlen unter anderem die Folgekosten für Kinder, deren Eltern abhängig sind."