USA: Chirurg soll Milz-OP verwechselt haben – Patientin stirbt nach Eingriff

Datum10.05.2026 13:30

Quellewww.spiegel.de

TLDREin Chirurg in Florida steht wegen Totschlags vor Gericht, weil er angeblich die Leber eines Patienten statt der Milz entfernt hat, was zum Tod des Mannes führte. Der Chirurg gab zu, das entnommene Organ fälschlicherweise als "Milz" dokumentiert zu haben, um den Fehler zu vertuschen. Er begründete dies mit Chaos im OP und psychischem Druck während der Operation. Die Witwe wirft ihm vor, grobe Fahrlässigkeit vertuschen zu wollen. Ein solcher Fehler gilt als unwahrscheinlich, da Leber und Milz sich stark unterscheiden.

InhaltEin Chirurg aus Florida steht wegen Totschlags vor Gericht. Er soll während einer Operation die zu entnehmenden Organe verwechselt haben. In einer Aussage nennt er den Fall "zutiefst bedauerlich". Der Fall liegt gut anderthalb Jahre zurück, nun kommt es zum Prozess: Ein Chirurg soll im US-Bundesstaat Florida einem 70-jährigen Patienten die Leber statt der Milz entfernt haben. Der Mann verblutete demnach auf dem OP-Tisch. Der US-Sender "NBC" veröffentlichte  nun die Protokolle einer achtstündigen Aussage des wegen Totschlags angeklagten Chirurgen Thomas Shaknovsky aus dem November 2025. Der 44-Jährige erklärte demnach, er sei durch den Tod des Patienten William Bryans "für immer traumatisiert". "Es ist eine verheerende Sache, mit der ich den Rest meines Lebens leben muss", so der Chirurg, "und ich denke jeden einzelnen Tag daran." In seiner Aussage erklärte der Arzt offenbar zudem, Operationen am falschen Körperteil könnten "unter schwierigen Umständen" vorkommen. Shaknovsky schilderte demnach auch den Ablauf der tödlichen Operation im August 2024 und das Geschehen danach. Er gab zu, nach der Entfernung von Bryans Leber eine Krankenschwester angewiesen zu haben, das Organ als "Milz" zu bezeichnen – und vermerkte dies auch in den postoperativen Unterlagen. Er sei zum Zeitpunkt von Bryans Tod "psychisch angeschlagen" gewesen und "am Boden zerstört, demoralisiert". In einer von Bryans Witwe Beverly Bryan eingereichten Klage wird Shaknovsky ärztliches Fehlverhalten vorgeworfen. Wie NBC berichtet, wirft sie Shaknovsky vor, er habe "die Entfernung von Herrn Bryans Leber fälschlicherweise verschwiegen", um "seine grobe Fahrlässigkeit zu vertuschen und die damit verbundene Peinlichkeit zu vermeiden". Tatsächlich ist belegt, dass der Angeklagte eine Krankenschwester angewiesen hat, das entnommene Organ in den Unterlagen fälschlicherweise als "Milz" zu dokumentieren, um den Fehler zu vertuschen. Shaknovsky versuchte in seiner Aussage laut NBC, das Vorgehen mit "Chaos im Operationssaal" zu rechtfertigen: So habe der Patient stark zu bluten begonnen und sein Herz habe aufgehört zu schlagen. Das Team habe Herzdruckmassagen durchgeführt, er selbst habe versucht, die Blutungsquelle zu finden. "Ich konnte den Unterschied nicht erkennen, weil ich so aufgebracht war", sagte er mit Blick auf das Organ, das er falsch identifiziert habe. Es sei "wie ein verstopftes, überlaufendes Waschbecken" gewesen. "Nachdem ich 20 Minuten lang verzweifelt versucht hatte, sein Leben zu retten, passierte es dann am falschen Ort", so der Chirurg. Allerdings sind die beiden Organe schwer zu verwechseln. Die Leber ist weitaus größer und schwerer als die Milz. Nachdem das Ärzteteam Bryan nicht wiederbeleben konnte, sei er in die medizinische Bibliothek des Krankenhauses gegangen, um zu weinen: Er habe nicht gewollt, dass Angestellte ihn so sähen. Shaknovsky vermutete zudem, Bryans Milz sei wegen einer Geschwulst "doppelt so groß wie normal" gewesen. Bryans Witwe gibt laut NBC hingegen an, ein Gerichtsmediziner habe ihr mitgeteilt, die Milz ihres Mannes sei anatomisch "nahezu normal". Im Fall einer Verurteilung drohen Shaknovsky bis zu 15 Jahre Haft sowie eine Geldstrafe von bis zu 10.000 US-Dollar.