Datum10.05.2026 10:38
Quellewww.spiegel.de
TLDRNeue Fälle der Afrikanischen Schweinepest (ASP) im Sauerland, nahe der hessischen Grenze, führen zur Vergrößerung der Sperrzone. Vier tote Wildschweine in Netphen-Grissenbach wurden positiv auf ASP getestet. Strengere Maßnahmen, darunter Einschränkungen für Landwirte und Wanderer, gelten. Nordrhein-Westfalen stimmt sich mit Hessen über gemeinsame Maßnahmen wie den Bau von Zäunen ab. Bisher sind nur Wildschweine betroffen, Hausschweinebestände in NRW blieben verschont.
InhaltFür die Tiere ist der Verlauf fast immer tödlich: Seit knapp einem Jahr versuchen die Behörden, die Afrikanische Schweinepest im Sauerland mit strengen Maßnahmen einzudämmen. Nun gibt es mehrere tote Tiere nahe der hessischen Grenze. Nach dem Fund mehrerer an Afrikanischer Schweinepest (ASP) verendeter Wildschweine außerhalb des bisherigen Seuchengebiets im Sauerland wird die Sperrzone vergrößert. Das teilte das Landwirtschaftsministerium in Düsseldorf mit. Hintergrund der Maßnahme sei, dass inzwischen vier nachweislich an der Tierseuche verendete Wildschweine in Netphen-Grissenbach im Kreis Siegen-Wittgenstein gefunden worden seien. Das Gebiet werde weiter intensiv nach Kadavern abgesucht, hieß es weiter. Ein Tier war am 1. Mai gefunden worden, drei weitere am vergangenen Donnerstag. Erste Untersuchungsergebnisse belegten inzwischen das ASP-Virus bei diesen Fällen. Um zu verhindern, dass das Virus sich weiter ausbreiten kann, gelten in den Sperrzonen abgestufte Maßnahmen für Landwirte, Jäger und die Bevölkerung. So dürfen Wanderwege nicht verlassen werden. Für Schweinebauern gelten eingeschränkte Vermarktungsmöglichkeiten. In welchen Gebieten genau nun strengere Maßnahmen verhängt werden, sei noch Gegenstand der Abstimmung zwischen den beteiligten Kreisen. Weil die zuletzt infizierten Wildschweine nahe der Landesgrenze zu Hessen entdeckt wurden, stehe man auch in engem Austausch mit den hessischen Behörden, so ein Sprecher des NRW-Landwirtschaftsministeriums. Dabei stimme man sich auch über gemeinsame Maßnahmen zum Bau von Zäunen ab. Mitte April war mit dem Bau eines zweiten Zaunes begonnen worden. Diese laufenden Arbeiten würden an die neuen Funde angepasst. Seit dem ersten Fund eines mit ASP infizierten Wildschweinkadavers im Kreis Olpe im Juni 2025 wurden in NRW laut dem Landesamt für Verbraucherschutz und Ernährung rund 600 Tiere positiv getestet – bislang alle in den Kreisen Olpe, Siegen-Wittgenstein und im Hochsauerlandkreis. Landesweit wurden mehr als 46.000 Tiere negativ getestet. Für Menschen und andere Tiere ist das Virus ungefährlich. Für Haus- und Wildschweine verläuft eine Infektion jedoch fast immer tödlich. Ist ein Hausschwein erkrankt, muss in der Regel der gesamte Bestand getötet werden. Es drohen wirtschaftliche Einbußen und Handelsrestriktionen, wie zuletzt etwa in Spanien. In NRW ist bislang aber kein Hausschweinebestand betroffen, wie das NRW-Landwirtschaftsministerium mitteilte. Anders als in anderen Teilen des Bundeslandes, etwa im Münsterland und Ostwestfalen, gibt es in der bisher betroffenen waldreichen Region vergleichsweise wenige schweinehaltende Betriebe. Zuletzt gelang einem internationalen Forschungsteam aus Großbritannien und Deutschland ein Erfolg im Kampf gegen die Klassische Schweinepest (KSP): Die Forschenden hatten das Erbgut von Schweinen so verändert, dass sie gegen die Krankheit vollständig resistent waren. Geneditierungen könnten in Zukunft auch helfen, Scheine gegen andere Krankheiten wie die Afrikanische Schweinepest oder bestimmte bakterielle Infektionen widerstandsfähiger zu machen. Dafür müssten Forschende aber für jede Krankheit einen eigenen, passenden Ansatz entwickeln.