Rente: Das bedeuten die Regierungspläne zur Aktivrente

Datum15.10.2025 13:37

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf zur Aktivrente beschlossen, der es Beschäftigten im Rentenalter ab 2026 ermöglicht, bis zu 2.000 Euro steuerfrei dazuverdienen zu können. Die Regelung zielt darauf ab, Arbeit im Alter attraktiver zu machen und wirtschaftliche Impulse zu setzen. Obwohl die Aktivrente viele profitieren könnte, gibt es Bedenken hinsichtlich der tatsächlichen Umsetzung, insbesondere in belasteten Branchen. Kritiker warnen vor Ungerechtigkeiten gegenüber Selbständigen und möglichen negativen finanziellen Effekten.

InhaltDie Regierung ist sich einig bei der Aktivrente: Beschäftigte im Rentenalter sollen 2.000 Euro im Monat steuerfrei dazuverdienen dürfen. Was der Gesetzentwurf vorsieht. Der Gesetzentwurf zur Aktivrente ist vom Bundeskabinett beschlossen worden. Damit will die Bundesregierung Arbeit im Alter attraktiver machen, die Wirtschaft ankurbeln und die Rentenproblematik zum Teil lösen. Das Gesetz kommt nun ins parlamentarische Verfahren. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen. Die Aktivrente ist ein Steuerfreibetrag von 2.000 Euro monatlich für alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Rentenalter. Der Freibetrag von 24.000 Euro im Jahr gilt demnach für Einkommen aus nicht selbstständiger Arbeit für Menschen, die gleichzeitig Rente bekommen. Wer also als Rentnerin oder Rentner zum Beispiel pro Monat 3.000 Euro brutto aus seiner Beschäftigung verdient, müsste davon künftig nur 1.000 Euro versteuern, den Rest nicht.  Dem Gesetzentwurf zufolge wird Arbeiten im Alter dadurch attraktiver: "Die Regelung schafft durch die Steuerfreistellung für Einnahmen aus nicht-selbstständiger Beschäftigung, für die der Arbeitgeber Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung entrichtet, zusätzliche finanzielle Anreize", heißt es dort. Die Regelung zielt auf alle sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im Rentenalter ab. Ausgenommen von diesem Steuerfreibetrag sind Selbstständige, Beamte und Minijobber sowie Menschen, die in der Land- oder Forstwirtschaft tätig sind. Beschäftigte im Rentenalter können ab dem 1. Januar 2026 mit einem steuerfreien Zuverdienst bis zu 2.000 Euro im Monat weiterarbeiten. Trotzdem gilt bei der Aktivrente nicht brutto gleich netto, denn es fallen weiterhin Abgaben für die Sozialversicherung an. Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung abführen, der Arbeitgeber auch Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung. Die Aktivrente soll allerdings vom sogenannten Progressionsvorbehalt ausgenommen werden. Dieser hätte dazu geführt, dass der steuerfreie Zusatzverdienst die Steuerlast erhöht, weil der Steuersatz wegen des höheren Gesamteinkommens steigt. Die Rentenzahlung als solche wird oberhalb eines Grundfreibetrags ohnehin schon versteuert. Dazu gibt es unterschiedliche Schätzungen. Die Bundesregierung geht im Gesetzentwurf rechnerisch davon aus, dass 168.000 Beschäftigte von der freiwilligen Aktivrente profitieren können. Das wäre rund ein Viertel der Anspruchsberechtigten.  Das arbeitnehmernahe Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ging zuletzt von rund 230.000 Menschen aus. Dennoch seien finanzielle Anreize nur ein Faktor, warum ältere Menschen arbeiten, teilte das DIW mit. Wichtiger seien Arbeitsbedingungen, Sinn und Befriedigung durch Arbeit, aber auch Weiterbildung und Gesundheit.  Ganz kurzfristig soll die Aktivrente Rentnerinnen und Rentner steuerlich begünstigen, die auf Nebenankünfte angewiesen sind und sowieso schon nebenher arbeiten. Je nach Erfolg der Aktivrente könnte auch die Diskussion über ein unter anderem von Teilen der Union befürwortete Anhebung des Renteneintrittsalters belebt werden.  Der Entwurf verspricht "einen Anreiz, das Erwerbspotential älterer Menschen besser zu nutzen". Personalengpässe in vielen Bereichen sollten so entschärft und Erfahrungswissen solle länger in Betrieben gehalten werden. "Wir setzen weitere Impulse für wirtschaftliches Wachstum in Deutschland. Dafür braucht die Wirtschaft gerade auch die älteren und erfahrenen Arbeits- und Fachkräfte", sagte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD). Die Bundesregierung sieht auch positive Effekte für jüngere Beschäftigte: Die Aktivrente diene insgesamt der Generationen- und Verteilungsgerechtigkeit und stärke den Wirtschaftsstandort Deutschland nachhaltig.  Gegner der Aktivrente betonen, dass vor allem in den Branchen mit Arbeitskräftemangel körperliche und mentale Belastungen so hoch sind, dass nur wenige Menschen länger als bis zum Renteneintritt arbeiten können oder wollen. Auch wie viele Arbeitgeber tatsächlich gezielt Menschen im Rentenalter beschäftigen und damit beispielsweise möglicherweise mehr Krankheitstage in Kauf nehmen wollen, ist unklar.  Kritikern zufolge werden durch die Aktivrente Angestellte bevorteilt und Selbstständige benachteiligt. Auch das DIW schätzt die Effekte der Aktivrente überschaubar ein. Laut dem Institut sind neben verteilungspolitischen und verfassungsrechtlichen Fragen auch negative fiskalische Effekte zu erwarten.  Das Finanzministerium rechnet mit etwa 890 Millionen Euro jährlich. 42,5 Prozent davon entfallen auf Bund und Länder und die restlichen 15 Prozent auf die Kommunen. Die Bundesregierung hofft allerdings, durch einen positiven Effekt auf das Wirtschaftswachstum durch die Aktivrente auch wieder mehr Steuern einnehmen zu können.