Krankenkassenreform: Kassenärzte warnen vor Millionen weniger Arztterminen

Datum10.05.2026 09:51

Quellewww.spiegel.de

TLDRKassenärzte warnen vor Millionen weniger Arztterminen aufgrund geplanter Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen. Die Koalition will mit Kürzungen bei Arztpraxen und anderen Sektoren den Anstieg der Krankenkassenbeiträge stoppen. Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung könnten dadurch rund 46 Millionen Behandlungsfälle nicht mehr finanziert werden, was zu Leistungseinschränkungen und weniger Terminen für Patienten führen würde.

InhaltUm den Anstieg der Krankenkassenbeiträge zu stoppen, hat die Koalition Sparmaßnahmen auf den Weg gebracht. Gekürzt wird unter anderem bei Arztpraxen. Kassenmediziner warnen nun vor deutlich weniger Terminen. Kassenärzte erwarten wegen der geplanten Einsparungen im Gesundheitswesen im kommenden Jahr deutlich weniger Behandlungen in den Arztpraxen. Nach Berechnungen der Kassenärztlichen Vereinigungen wären durch die geplanten Sparmaßnahmen rund 46 Millionen Behandlungsfälle nicht finanziert. Die "Bild" hatte zuerst über ein entsprechendes Papier  der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) berichtet. Hausärzte und Allgemeinmediziner, die bisher im Schnitt 984 Patientinnen und Patienten pro Quartal behandelten, könnten demnach nur noch 892 Fälle behandeln. Bei Kinderärzten würde die Zahl der maximal versorgten Patienten rechnerisch von 1189 auf 1124 sinken. Das Bundeskabinett hatte Ende April ein Sparpaket für das Gesundheitswesen auf den Weg gebracht, das noch durch Bundestag und Bundesrat muss. Es soll den stetigen Anstieg der Krankenkassenbeiträge stoppen, mit dem die steigenden Kosten im System immer wieder aufgefangen wurden. Die gesetzlichen Krankenkassen sollen mit dem Paket 2027 um 16,3 Milliarden Euro entlastet werden. Das ist etwas mehr als das erwartete Defizit von 15,3 Milliarden Euro, das damit geschlossen werden soll. Geplant sind Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken und Pharmabranche – aber auch höhere Zuzahlungen für Medikamente, höhere Beiträge für Gutverdiener und Einschränkungen der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern. Bei Ärzten und Kliniken sollen Vergütungsanstiege begrenzt werden. Bei Praxen sollen mehrere Extra-Zahlungen wegfallen. Grundlage für die Reformen waren Empfehlungen, die eine Expertenkommission vor vier Wochen vorgelegt hatte. Lesen Sie hier , was die Einigung zur Gesundheitsreform konkret für Versicherte bedeutet. KBV-Chef Andreas Gassen nannte das Paket gegenüber der "Bild" "ein heckenschnittartiges Spargesetz". Komme es in der bisher vorliegenden Form, werden die Kassenärztlichen Vereinigungen das ambulante Leistungsangebot reduzieren müssen, so Gassen. Schon heute würden viele Untersuchungen und Behandlungen nicht bezahlt, heißt es in dem Papier. Über 40 Millionen Termine erbrächten Fachärztinnen und Fachärzte demnach ohne Vergütung. Die KBV hatte bereits nach dem Kabinettsbeschluss Ende April vor spürbaren Konsequenzen mit weniger Terminen und Leistungen für Patienten gewarnt. Ihren Angaben zufolge stehen durch die Kürzungsmaßnahmen rund 2,7 Milliarden Euro weniger für die ambulante Versorgung gesetzlich versicherter Patientinnen und Patienten zur Verfügung.