Fast 70 Tote bei Milizenangriff in der Demokratischen Republik Kongo

Datum10.05.2026 05:25

Quellewww.spiegel.de

TLDREin Angriff der Miliz "Kooperative für die Entwicklung des Kongo" (Codeco) im Nordosten der DRK hat Ende April mindestens 69 Zivilisten getötet. Die gewalttätige Gruppierung, die ursprünglich eine landwirtschaftliche Kooperative war, verteidigt laut eigener Aussage die Interessen der Lendu gegen die Hema in der goldreichen Provinz Ituri. Der Angriff gilt als Vergeltungsmaßnahme nach einer Attacke der Gruppe CRP, die mit den Hema in Verbindung gebracht wird.

InhaltIn einer goldreichen Region im Norden der DRK bekriegen sich bewaffnete Gruppen: Nun gibt es Meldungen über ein Massaker. Dahinter soll eine ehemalige landwirtschaftliche Kooperative stecken. Im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo sind bei einem Angriff einer örtlichen Miliz mindestens 69 Menschen getötet worden. Die meisten Opfer des Angriffs der Mitglieder der Kooperative für die Entwicklung des Kongo (Codeco), der sich bereits Ende April ereignet hatte, seien Zivilisten gewesen, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Samstag aus örtlichen und Sicherheitskreisen. In der goldreichen Provinz Ituri im Nordosten des Landes kommt es immer wieder zu tödlichen Angriffen bewaffneter Gruppen wie der Codeco-Miliz. Bevor sie zu einer bewaffneten Rebellenbewegung wurde, war Codeco eine einflussreiche landwirtschaftliche Kooperative. Die mehrere Tausend Mitglieder zählende Miliz verteidigt nach eigenen Angaben die Interessen der Volksgruppe der Lendu gegen die Gruppe der Hema. Sie gilt als gewalttätigste Gruppierung in der Region und wird für zahlreiche Angriffe verantwortlich gemacht. Ende April hatte die ebenfalls in Ituri aktive bewaffnete Gruppe CRP, die häufig mit den Hema in Verbindung gebracht wird, im Gebiet Djugu die Armee der Demokratischen Republik Kongo (FARDC) angegriffen. "Nach dem Angriff der CRP auf eine Stellung der FARDC" griffen "Codeco-Milizionäre aus Pimbo am 28. April als Vergeltungsmaßnahme mehrere Ortschaften an", teilte Dieudonné Losa, Vertreter der Zivilgesellschaft der Provinz Ituri, AFP mit. "Die vorläufige Bilanz beläuft sich auf mehr als 70 Tote", fügte er hinzu. Zwei Sicherheitsquellen bestätigten die Angriffe gegenüber AFP. Laut einer der beiden Quellen gab es 69 Tote, darunter 19 Kämpfer. Die Bergung der Leichen hatte sich den Sicherheitskreisen zufolge aufgrund der anhaltenden Präsenz der Codeco-Kämpfer in dem Gebiet verzögert. Die CRP wurde vom kongolesischen Milizenführer Thomas Lubanga gegründet und ist seit 2025 wieder zunehmend aktiv in der Region. Lubanga war 2012 für den Einsatz von Kindersoldaten zu 14 Jahren Haft verurteilt worden und kam 2020 wieder frei. Bei den Kämpfen zwischen der CRP, Armee und der Codeco-Miliz kommt es immer wieder zu Massakern an der Zivilbevölkerung.