Ukraine: Wladimir Putin wünscht sich Gerhard Schröder als Vermittler im Krieg

Datum09.05.2026 23:14

Quellewww.spiegel.de

TLDRPutin schlägt Gerhard Schröder als Vermittler im Ukraine-Krieg vor und kritisiert Europas Einfluss. Er sieht das Ende des Konflikts nahen und ist zu direkten Gesprächen mit Selenskyj in Moskau bereit. Die Ukraine lehnt dies ab. Trotz der US-Vermittlung betont die EU ihre Bereitschaft zu Friedensgesprächen, um einen gerechten Frieden zu erreichen.

InhaltNach der Militärparade in Moskau ist Wladimir Putin überraschend vor Journalisten aufgetreten. Dabei erwähnte er mögliche Gespräche über ein Ende des Kriegs gegen die Ukraine – und wen er sich anstelle der USA als Vermittler vorstellt. Bei einer außerordentlichen Pressekonferenz nach der Siegesparade zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Moskau hat sich Kremlchef Putin zum Krieg in der Ukraine geäußert. Er sagte vor russischen Journalisten, dass eine friedliche Lösung des Konflikts Sache der Ukraine und Russlands sei. "Aber wenn jemand helfen möchte, sind wir dafür dankbar." Obwohl sich die USA bisher um Vermittlung bemüht hatten, könne er sich von europäischer Seite Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder als Vermittler vorstellen. "Von allen europäischen Politikern würde ich Gespräche mit Schröder bevorzugen." In Deutschland steht der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder wegen seiner engen Verbindungen nach Russland in der Kritik. Den Kontakt zum Kreml ließ der SPD-Politiker auch nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine nicht abreißen. Im Jahr 2022 reiste er nach dem Beginn der russischen Invasion nach Moskau – und traf sich dort nach eigenen Angaben mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Schröder und Putin gelten als enge Freunde. Bei der Pressekonferenz warf der Kremlchef Europa nun vor, den Konflikt in der Ukraine verschärfen zu wollen. Allerdings wisse Europa, "dass dieses Spiel teuer werden könnte". Die Ukraine werde von Europa weiterhin massiv unterstützt, vor allem mit Technik und Technologie. Putin sprach vor den Journalisten auch darüber, wie es in dem Konflikt weitergehen könnte. Seiner Ansicht nach neige sich der Konflikt dem Ende zu. Der Ukrainekrieg dauert mittlerweile seit mehr als vier Jahren an. Die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über eine Beendigung der Kämpfe liegen derzeit auf Eis. Die USA, die in den Gesprächen vermittelt hatten, konzentrieren sich momentan auf den Konflikt mit dem Iran. US-Präsident Donald Trump hatte am Freitagabend eine dreitägige Waffenruhe zwischen der Ukraine und Russland verkündet, die am Samstag in Kraft trat. Trump kündigte zudem den Austausch von jeweils tausend Kriegsgefangenen zwischen Kiew und Moskau an. Putin sagte während seines Auftritts, dass er zu direkten Gesprächen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sei, aber nur in der russischen Hauptstadt. "Wer sich mit mir treffen will, muss nach Moskau kommen", sagte Putin. Es sei keine direkte Einladung an Selenskyj, doch er würde sich auch mit ihm treffen. "Wir können uns auch an einem anderen Ort als Moskau treffen, aber nur, wenn zuvor eine langfristige Friedensvereinbarung getroffen wurde", sagte Putin. Selenskyj schließt eine Reise nach Moskau aus. Berichte über eine Botschaft Selenskyjs, die der slowakische Regierungschef Robert Fico überbracht haben wollte, tat Putin als unwahr ab. "Es gab keine persönliche Botschaft." Fico habe von Selenskyjs Gesprächsbereitschaft berichtet. "Aber das hören wir nicht zum ersten Mal." Die Zeitung "Financial Times" hatte am Donnerstag ​berichtet, dass sich die ⁠Staats- und Regierungschefs der ​Europäischen Union auf ​mögliche Gespräche vorbereiten würden. Zudem hat EU-Ratspräsident António Costa anlässlich des Europatags die grundsätzliche Bereitschaft der Europäischen Union zu Gesprächen mit Russland betont. Ziel bleibe ein "gerechter und dauerhafter Frieden" für die Ukraine, so Costa am Samstag in Brüssel. Die EU sei bereit, sich an möglichen Friedensverhandlungen zu beteiligen. Zugleich macht Costa deutlich, dass direkte Gespräche mit Moskau aus seiner Sicht langfristig unvermeidbar seien. "Im richtigen Moment" werde Europa mit Russland über gemeinsame Sicherheitsfragen sprechen müssen, so Costa. Einen eigenständigen Vorstoß der EU schloss er jedoch aus. Man wolle die laufende diplomatischen Bemühungen der USA nicht behindern, insbesondere nicht die Friedensinitiative von US-Präsident Donald Trump.