Spannungen mit Donald Trump: Friedrich Merz sieht Stärke der Nato nicht allein von Truppenzahl abhängig

Datum09.05.2026 21:41

Quellewww.spiegel.de

TLDRTrotz Spannungen mit den USA und einem bevorstehenden Truppenabzug zeigt sich Friedrich Merz zuversichtlich bezüglich der Nato-Stärke, die er nicht allein auf Truppenzahlen reduziert. Die diplomatisch unglückliche Äußerung Merz' über Iran führte zu einem Konflikt mit Donald Trump. Parallel dazu bereiten sich Großbritannien und Deutschland auf einen möglichen Marineeinsatz in der Straße von Hormus vor, während EU-Abgeordnete eine europäische Verteidigungsunion zur Stärkung der Nato fordern.

InhaltDie Stimmung zwischen Donald Trump und Friedrich Merz ist angespannt. In Schweden beschwört der Kanzler die Einigkeit der Nato. Derweil entsendet London ein Schiff für einen möglichen Einsatz in der Straße von Hormus. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) blickt trotz der Spannungen mit den USA und des angekündigten Abzugs von US-Truppen aus Deutschland weiter demonstrativ optimistisch auf den Zusammenhalt der Nato. Am Rande des Parteitags der Konservativen Partei Schwedens, den er als CDU-Parteichef und Gast besuchte, sagte er: "Die Stärke der Nato hängt nicht allein von der Truppenzahl ab, sondern von gemeinsamen Zielen, und diese Einigkeit besteht nach wie vor." Die Nato-Truppenzahlen in Deutschland werden definitiv sinken: Das US-Verteidigungsministerium hat angekündigt, rund 5000 der etwa 39.000 in Deutschland stationierten US-Soldaten abzuziehen. Die Ankündigung erfolgte vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen zwischen US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzler Merz. Der hatte sich Ende April vor einer Schulklasse im Sauerland zu der Äußerung hinreißen lassen, dass die gesamte US-Nation vom iranischen Regime in den Verhandlungen über ein Ende des Kriegs "gedemütigt" werde. Das international berichtete, diplomatisch eher ungeschickte Zitat erzürnte US-Präsident Donald Trump, der direkt per Social Media bekannt gab, dass Merz keine Ahnung habe, wovon er spreche. Kurz darauf verkündeten die USA den Abbau ihrer Truppenzahl in Deutschland – es wirkte wie eine direkte Reaktion. Das Verhältnis zwischen Merz und Trump gilt seitdem als gespannt. In Stockholm demonstrierte Merz nun zumindest einseitig Einigkeit: "Ich habe keinen Zweifel daran, dass die USA ein großes Interesse daran haben, einen starken europäischen Teil der Nato an ihrer Seite zu haben und umgekehrt." An der Seite der USA hätte Trump die Nato-Mitglieder gern in dem Krieg gesehen, den er mit Israel gegen Iran lostrat. Dass die Nato ihm hier die aktive Unterstützung versagte, hat Trump wiederholt als "im Stich lassen" umschrieben. Vonseiten der Nato gibt es nur die Versicherung, sich erst nach Beendigung des Kriegs an der Absicherung des Friedens und des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus beteiligen zu wollen. Am Samstag hat Großbritannien einen Zerstörer für einen möglichen Einsatz zum Schutz von Handelsschiffen in der Straße von Hormus entsandt. Die "HMS Dragon" werde in Position gebracht, um an einer von Großbritannien und Frankreich geführten Mission teilzunehmen, sobald die Feindseligkeiten zwischen Iran und israelisch-amerikanischen Streitkräften enden, zitierte die britische Nachrichtenagentur PA eine Mitteilung des Verteidigungsministeriums in London. Unter Führung Frankreichs und Großbritanniens bereitet ein internationales Bündnis einen möglichen Marineeinsatz nach einem Ende der Kampfhandlungen vor. Deutschland erwägt, sich mit Minenjagdbooten, einer Führungs- und Versorgungsplattform sowie seegestützter Aufklärung zu beteiligen. Derzeit laufen diplomatische Bemühungen um eine friedliche Lösung des Konflikts – für den Fall eines Scheiterns haben die USA und Israel weitere Angriffe auf Iran angedroht. In Brüssel haben Abgeordnete verschiedener Parteien derweil den Aufbau einer europäischen Verteidigungsunion gefordert.  "Wir rufen die Regierungen zum Handeln auf", sagte die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im EU-Parlament, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), am Donnerstag in Brüssel. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, hat sich eine Gruppe von 30 Abgeordneten aus vier Fraktionen zusammengetan. Eine solche europäische Verteidigungsunion solle "gemeinsame Entscheidungsfindung, integrierte Kommandostrukturen, strategische Fähigkeiten und eine schnelle Eingreiftruppe" beinhalten, heißt es in einem Schreiben der Abgeordneten, das zum Europatag am Samstag veröffentlicht werden soll und der Nachrichtenagentur AFP vorlag. Die Verteidigungsunion würde "die Nato nicht doppeln, sondern sie mit einer robusten europäischen Säule stärken", heißt es darin weiter. 23 EU-Länder sind auch Mitglieder der Nato. In dem transatlantischen Verteidigungsbündnis gibt es bereits eigene Kommandostrukturen. Die Allianz ist allerdings trotz jüngster Bemühungen um stärkere europäische Verantwortung nach wie vor stark von den USA abhängig. Nato-Generalsekretär Mark Rutte hatte kürzlich ausgeschlossen, dass die europäischen Mitglieder ohne die USA verteidigungsfähig sein könnten. Dem wollen die Parlamentarier entgegentreten. Als wichtigen Teil des Vorhabens sehen sie eine gemeinsame Beschaffungspolitik und einen "echten Binnenmarkt für Verteidigung", um Geld einzusparen und weniger abhängig von Rüstungsgütern aus dem Ausland zu sein.