Russland: Fico trifft Putin im Kreml zum Weltkriegsgedenken

Datum09.05.2026 18:14

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer slowakische Premierminister Robert Fico besuchte als einziger EU-Regierungschef Putin in Moskau zum Weltkriegsgedenken. Putin dankte Fico für den Umgang mit sowjetischen Gedenkstätten und sicherte slowakische Energieimporte zu. Fico reiste, anders als im Vorjahr, nicht zur Militärparade, sondern legte am Freitagabend einen Kranz nieder. Seine Reise stößt in der Slowakei, aber auch international, auf scharfe Kritik. Fico verteidigte die Teilnahme als Ehrerbietung für Opfer des Faschismus und betonte die Notwendigkeit, historisches Gedenken vom aktuellen Krieg zu trennen.

InhaltWie im Vorjahr ist der Slowake Robert Fico zum Weltkriegsgedenken nach Moskau gereist – als einziger EU-Regierungschef. Im Kreml wurde er generös empfangen. In der Heimat hagelt es Kritik. Der russische Präsident Wladimir Putin hat den slowakischen Regierungschef Robert Fico als einzigen Gast aus der Europäischen Union (EU) zum Tag des Weltkriegsgedenkens im Kreml empfangen. Beim Kreml-Empfang mit ausländischen Staatsgästen stieß Putin zuerst mit Fico an, wie auf einem Video zu sehen ist, das veröffentlicht wurde. Putin dankte Fico für einen achtsamen Umgang mit Denkmälern und Grabstätten sowjetischer Soldaten. Der Kremlchef versprach, Russland werde alles tun, um den Energiebedarf der Slowakei zu erfüllen. Das EU-Land ist stark abhängig von russischen Öllieferungen; für entsprechende Einkäufe hat das Land eine mit der Ukraine abgestimmte Ausnahme-Erlaubnis von den EU-Sanktionen gegen Russland. Fico bekam in seiner Heimat heftigen Gegenwind. "Mit dieser Reise spuckt der Regierungschef unseren Verbündeten ins Gesicht", empörte sich Branislav Gröhling, der Chef der liberalen Partei Freiheit und Solidarität. Es sei ein "Verrat" an der Slowakei und der Nato, dass sich Fico "persönlich mit dem Kriegsverbrecher Wladimir Putin" treffe, während dieser einen aggressiven Krieg gegen die Ukraine führe und die Sicherheit Europas bedrohe. Schon im vergangenen Jahr war Fico als einziger EU-Regierungschef zur Siegesfeier nach Moskau gereist. Dagegen hatten damals Tausende in Bratislava und anderen Städten der Slowakei protestiert. Fico rechtfertigte seine Teilnahme in diesem Jahr als "Ehrerbietung", die allen gebühre, "die gegen den Faschismus kämpften, und jenen, die seine Opfer wurden und unglaubliches Leid ertragen mussten". Deshalb nehme er stets an Gedenkveranstaltungen in mehreren Orten in West und Ost teil. Er reise in diesem Jahr auch nach Dachau und die Normandie. Das ehemalige Konzentrationslager Dachau hatte Fico am Donnerstag besucht, zum traditionellen Gedenken an die Landung in der Normandie will er im Juni fahren. Fico betonte, er nehme bewusst nicht an der Militärparade in Moskau teil. Schon nach seiner Ankunft am Freitagabend habe er stattdessen einen Kranz an einem Gefallenendenkmal niedergelegt. Man müsse das historische Gedenken und den aktuellen Angriffskrieg in der Ukraine auseinanderhalten. Ficos Vorstellung einer Außenpolitik, die "in alle Himmelsrichtungen" offen sein müsse, wie er sagt, verstört offenbar auch seine Partner in EU und Nato. So verweigerten die baltischen Länder dem Linksnationalisten den Überflug für die Reise nach Moskau; Polen hatte das im Vorjahr auch getan. Fico musste einen Umweg über Tschechien und Deutschland nehmen. Kritik kam auch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). "Robert Fico weiß, dass wir da nicht einer Meinung sind. Ich bedaure das zutiefst und wir werden mit ihm über diesen Tag in Moskau sprechen", sagte Merz in Stockholm bei einem Auftritt mit dem schwedischen Ministerpräsidenten Ulf Kristersson.