Gelsenkirchen: Sprengen für den Strukturwandel

Datum09.05.2026 16:10

Quellewww.spiegel.de

TLDRIn Gelsenkirchen wurden die beiden 114 Meter hohen Kühltürme des ehemaligen Kohlekraftwerks Scholven gesprengt. Rund 15.000 Tonnen Beton stürzten kontrolliert ein. Auf dem freigeräumten Gelände wird eine neue, gasbetriebene Turbinenanlage errichtet, die perspektivisch auch mit Wasserstoff betrieben werden kann. Dies unterstreicht die Bedeutung des Standorts für die regionale Stromversorgung und den Strukturwandel. Der Abschied von der Kohleverstromung schreitet voran, auch wenn Teile des Kraftwerks vorerst systemrelevant bleiben.

Inhalt15.000 Tonnen Beton krachen kontrolliert zusammen: In Gelsenkirchen werden zwei Kühltürme eines Kohlkraftwerks gesprengt, um Platz zu schaffen für eine Turbinenanlage. Denn der Standort bleibt wichtig. An einem alten Kohlekraftwerk in Gelsenkirchen sind gleich zwei Kühltürme gesprengt worden. Auf das Kommando des Sprengmeisters wurden am Vormittag die beiden 114 Meter hohen Türme des Uniper-Kraftwerks im Stadtteil Scholven mit Sprengladungen zum Einsturz gebracht. Unmittelbar nach der Zündung kippten die beiden Bauwerke – und damit rund 15.000 Tonnen Beton – wie geplant aufeinander zu, wie Uniper mitteilte. "Es ist alles nach Plan verlaufen", sagte eine Sprecherin des Energiekonzerns. Ein vor der Sprengung eingerichteter Sperrbereich von rund 300 Metern, der mehrere Straßen umfasste, sollte nach der Begehung durch die Spreng-Fachleute ebenfalls freigegeben werden. Auf dem Gelände der gesprengten Kühltürme soll in den nächsten Jahren eine neue Turbinenanlage entstehen, die Strom aus Gas erzeugt. Perspektivisch könnte die Anlage auch mit klimafreundlichem Wasserstoff betrieben werden, teilte Uniper mit. Der Standort Scholven bleibe dadurch wichtig für die Stromversorgung der Region und für den Wandel hin zu erneuerbaren Energien. Das Kraftwerk Scholven war den Angaben des Unternehmens zufolge in den 1960er-Jahren das größte Steinkohle-Kraftwerk Deutschlands. Mit dem Abschied von der Stromerzeugung aus Kohle wurden die meisten Kraftwerksblöcke stillgelegt. In den Jahren 2008, 2015 und 2025 wurden schon drei Kühltürme und mehrere Industriegebäude auf dem Gelände gesprengt. Ganz vorbei ist die Zeit der Kohleverstromung am Standort Scholven allerdings noch nicht. Die beiden Blöcke B und C wurden als systemrelevant eingestuft und sollen bis 2031 am Netz bleiben und die Stromversorgung stabilisieren, wenn zu wenig Wind- und Solarstrom erzeugt wird.