Trump-Regierung lockert Jagdverbote in Nationalparks

Datum09.05.2026 15:14

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie Trump-Regierung lockert Jagdverbote in US-Nationalparks und lässt Jäger künftig näher an Wanderwegen und sogar in öffentlichen Toiletten zur Jagd gehen. Diese Aufhebung von Beschränkungen betrifft über 50 Standorte. Kritiker und Parkverwalter warnen vor Gefahren für die öffentliche Sicherheit und den Tierschutz, während die Regierung argumentiert, unnötige Hindernisse abzubauen. Mehrere Parks stellen sich jedoch quer.

InhaltDie US-Regierung drängt Verwalter von Nationalparks, Beschränkungen der Jagd massiv aufzuweichen. Mancherorts darf künftig in der Nähe von Wanderwegen geschossen werden. Kritiker warnen vor schweren Folgen. Bereits im Januar hatte US-Innenminister Doug Burgum den National Park Service (NPS), den U.S. Fish and Wildlife Service und weitere Behörden angewiesen, "unnötige regulatorische oder administrative Hindernisse" für die Jagd und den Fischfang abzubauen. Damit wollte die Trump-Regierung die bisherige Handhabung umdrehen; öffentliches Land solle künftig grundsätzlich für die Jagd offen sein. Nun hat die "New York Times" öffentlich gemacht, was das offenbar konkret für Nationalparks, Küsten- und Naturschutzgebiete bedeutet. Demnach wurden Parkverantwortliche im April schriftlich vom Innenminister angewiesen, Dutzende Beschränkungen für die Jagd und den Fischfang unverzüglich aufzuheben. Die US-Nationalparks sind Besuchermagnete, sie werden vom NPS verwaltet, der Trumps Regierung untersteht. Vielerorts seien Beschränkungen bereits gestrichen worden, schreibt die "New York Times". Demnach gelten dort bisherige Verbote nicht mehr, etwa für Hochsitze, die Bäume beschädigen, für Kunstlicht bei der Jagd und für das Jagen entlang von Wanderwegen. Im nationalen Schutzgebiet "Lake Meredith National Recreation Area" in Texas dürften Jäger ihre Beute künftig in öffentlichen Toiletten ausnehmen. Im "Jean Lafitte National Historical Park" in Louisiana sei es erlaubt, Alligatoren zu töten. In Colorado, in der "Curecanti National Recreation Area", galt bislang ein Verbot, Waffen auf Wegen oder über Wege hinweg abzufeuern – auch diese Bestimmungen seien kassiert worden. Die Anordnung betrifft mehr als 50 Standorte, in denen bislang eigene Regeln galten, um Lebensräume und Besucher zu schützen. In großen Nationalparks wie dem Yellowstone, den Everglades und dem Grand Canyon ist Jagen der "New York Times" zufolge allerdings auch weiterhin verboten. Einige betroffene Parkverwalter wehrten sich bereits gegen die neue Anordnung. Das "Cape Cod National Seashore" in Massachusetts etwa teilte mit, es könne die Jagd nahe Wegen und Gebäuden nicht zulassen, da jährlich rund vier Millionen Menschen den Park besuchten. Am "New River Gorge National River" in West Virginia weigerten sich Verantwortliche, das Schießverbot im Umkreis von Besucherzentren und Campingplätzen aufzuheben. Die unabhängige National Parks Conservation Association (NPCA) setzt sich seit mehr als 100 Jahren für US-Nationalparks ein. In einer Erklärung  zeigte sich Direktorin Stephanie Adams nun "äußerst besorgt" über die Anordnung der US-Regierung: "In Nationalparks müssen Managemententscheidungen in erster Linie der öffentlichen Sicherheit und dem Schutz der natürlichen Ressourcen dienen." Die Sicherheit der Besucher und der Erhalt der Tierwelt müsse auch für künftige Generationen gewährleistet werden. Ehemalige Mitarbeiter des NPS kritisierten die Regierung zudem dafür, die Änderungen ohne wissenschaftliche Analyse und ohne öffentliche Beteiligung durchzudrücken.