Datum09.05.2026 09:05
Quellewww.zeit.de
TLDRDas mexikanische Bildungsministerium erwägt, das Schuljahr 40 Tage früher zu beenden. Begründet wird dies mit der bevorstehenden Fußball-WM, die in Mexiko stattfindet, und einer erwarteten Hitzewelle. Kritiker befürchten negative Auswirkungen auf die Bildung von Millionen Kindern, die bereits unter Lernrückständen leiden. Präsidentin Sheinbaum nennt es noch einen "Vorschlag" und betont die Wichtigkeit des Unterrichts. Einige Bundesstaaten widersetzen sich der Verkürzung.
InhaltIn diesem Jahr soll das Schuljahr in Mexiko 40 Tage früher enden als üblich. Der Bildungsminister begründete dies mit der Fußball-WM und einer bevorstehenden Hitzewelle. Aufgrund der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft soll das Schuljahr im Gastgeberland Mexiko in diesem Jahr 40 Tage früher enden als gewöhnlich. Damit verlängern sich die Schulferien in dem lateinamerikanischen Land zunächst auf insgesamt fast drei Monate. Das teilte Bildungsminister Mario Delgado mit. Grund für die Verkürzung des Schuljahres sei neben der Fußball-WM auch eine erwartete Hitzewelle in mehreren mexikanischen Bundesstaaten. "Wir werden das Schuljahr am 5. Juni beenden, weil viele Staaten bereits hohe Temperaturen erleben, und außerdem steht die Weltmeisterschaft an", sagte Delgado bei einer Veranstaltung im nordmexikanischen Bundesstaat Sonora. Die Behörden überlegten aber, den derzeit für den 31. August geplanten Beginn des neuen Schuljahres vorzuziehen, sagte Delgado weiter. Delgado hatte die Verkürzung bereits am Donnerstag angedeutet und umgehende Kritik ausgelöst. Infolgedessen hatte Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum mitgeteilt, es handele sich eher um einen "Vorschlag". "Es gibt noch keinen endgültigen Zeitplan", sagte sie bei ihrer täglichen Pressekonferenz. Es sei wichtig, dass Kinder keinen Unterricht verpassten. Kritiker warnen vor negativen Folgen für Schulkinder und den Arbeitsmarkt. "Ein vorgezogenes Ende des Schuljahres würde mehr als 23,4 Millionen Schulkinder betreffen, indem Unterrichtszeit weiter reduziert wird, vor dem Hintergrund bereits bestehender Bildungsdefizite und zunehmender Ungleichheiten", hieß es etwa vonseiten des wissenschaftlichen Instituts México Evalúa. "Die Bildung unserer Kinder darf nicht für eine Sportveranstaltung geopfert werden", zitierte die Zeitung El Universal aus einer Stellungnahme des Elternverbands UNPF. "Das Schuljahr vorzeitig zu beenden, kann keine Lösung für die Herausforderungen des Bildungssystems sein", schrieb Patricia Vázquez von der Bildungsinitiative Mexicanos Primero auf der Plattform X. "Jeder Schultag zählt, insbesondere für Millionen von Kindern und Jugendlichen, die noch immer mit Lerndefiziten zu kämpfen haben." Auch die Arbeitgebervereinigung Coparmex bezeichnete den Schritt als "übereilt" und warnte vor den Auswirkungen auf den Alltag von Familien und damit auch auf den Arbeitsmarkt. Die Behörden des westlichen Bundesstaates Jalisco, der von der Opposition regiert wird, kündigten an, sich gegen die Entscheidung der Regierung zu stellen und die Schulen wie ursprünglich geplant bis zum 30. Juni offenzuhalten. In Jalisco soll der Schulunterricht demnach lediglich an den vier Tagen, an denen in der Stadt Guadalajara WM-Spiele stattfinden, ausgesetzt werden. Am 11. Juni beginnt die Fußballweltmeisterschaft in der mexikanischen Hauptstadt Mexiko-Stadt. Im ersten Spiel treffen Mexiko und Südafrika aufeinander. Die WM wird von Mexiko, den USA und Kanada gemeinsam ausgetragen. Das Endspiel findet am 19. Juli statt.