Zuckerabgabe auf Softdrinks: Ärztepräsident fordert zügige Einführung der Zuckerabgabe

Datum09.05.2026 09:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDer Ärztepräsident Klaus Reinhardt drängt auf eine frühere Einführung der geplanten Zuckerabgabe auf Softdrinks, die die Regierung erst 2028 plant. Er verweist auf erfolgreiche Beispiele aus Großbritannien, wo die Abgabe zu einer deutlichen Zuckerreduktion in Getränken und positiven Gesundheitseffekten geführt hat. Reinhardt betont, dass das Ziel nicht primär die Belastung der Verbraucher, sondern die Anreize für Hersteller zur Zuckersenkung sei. Angesichts der hohen Übergewichtsraten und der damit verbundenen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Belastungen in Deutschland sei die Abgabe ein längst überfälliges Instrument.

InhaltDie Regierung will mit der Zuckersteuer bis 2028 warten, doch der Ärztepräsident mahnt zur Eile. Er verweist auf Erfolge mit der Abgabe in Großbritannien. Der Chef der Bundesärztekammer Klaus Reinhardt wirbt für eine frühere Einführung der geplanten Zuckerabgabe auf Getränke. Sie sei "richtig und längst überfällig", sagte Reinhardt vor dem Deutschen Ärztetag. "Die positiven gesundheitlichen Effekte treten nicht sofort ein, sondern zeigen sich erst nach einigen Jahren." Dies sei ein weiterer Grund, die Abgabe "möglichst zügig einzuführen und nicht erst bis 2028 zu warten." Die schwarz-rote Bundesregierung hat vereinbart, dass eine neue Abgabe auf gezuckerte Getränke kommen soll, und als Startdatum dafür 2028 genannt. Die Ausgestaltung, die das Gesundheitsministerium vorlegen soll, ist noch offen. Reinhardt sagte, Ziel sei nicht in erster Linie, Verbraucherinnen und Verbraucher zu belasten. "Eine klug ausgestaltete Abgabe setzt wirksame Anreize für Hersteller, den Zuckergehalt ihrer Produkte zu senken. Dass das funktioniert, zeigen internationale Erfahrungen." In Großbritannien sei der durchschnittliche Zuckergehalt von Softdrinks nach Einführung einer Abgabe um rund 30 Prozent gesunken. Zugleich gebe es Hinweise auf rückläufige Kariesraten und weniger Übergewicht bei Kindern. "Deutschland hat ein erhebliches Ernährungsproblem, das Millionen Menschen gesundheitlich belastet", sagte der Ärztepräsident. Rund die Hälfte der Erwachsenen sei übergewichtig, etwa ein Viertel adipös. Auch bei Kindern und Jugendlichen seien die Zahlen hoch. Die Folgen reichten von Typ-2-Diabetes über Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu Karies. Allein die Kosten der Adipositas würden auf mehr als 60 Milliarden Euro jährlich geschätzt.