Meinung: Geht Österreich jetzt schärfer gegen Wladimir Putins Spione vor?

Datum09.05.2026 09:02

Quellewww.spiegel.de

TLDRÖsterreich hat drei russische Diplomaten wegen mutmaßlicher Spionage ausgewiesen und erklärt dies zu einem Kurswechsel in der Sicherheitspolitik. Wien gilt traditionell als Drehscheibe für Agenten. Die Regierung plant, Gesetze gegen Spionage zu verschärfen. Trotz der Ausweisungen bleibt die Zahl russischer Botschaftsangehöriger in Österreich hoch. Auch andere Länder wie der Iran nutzen Wien offenbar für Geheimdienstaktivitäten.

InhaltWien gilt seit Jahrzehnten als Drehkreuz für Agenten. Nun hat die Regierung Stocker drei russische Diplomaten wegen Spitzelverdachts ausgewiesen. Die Regierung spricht von einem Kurswechsel. Österreich hat drei russische Botschaftsangehörige des Landes verwiesen – und das offiziell mit deren mutmaßlichen Spitzeltätigkeiten begründet. Es sei inakzeptabel, dass diplomatische Immunität genutzt werde, um Spionage zu betreiben, sagte Außenministerin Beate Meinl-Reisinger. Dies sei der russischen Seite unmissverständlich mitgeteilt worden. "Spionage ist ‌ein Sicherheitsproblem für Österreich", sagte die Chefin der liberalen Neos. Die Regierung von Kanzler Christian Stocker (ÖVP) habe einen Kurswechsel vollzogen und gehe konsequent dagegen vor. Auch die bislang laxen Abwehrgesetze gegen Agenten sollen verschärft werden. Dutzende Satellitenschüsseln und andere Lauscheinrichtungen sind auf den Dächern der russischen Botschaft und anderen konsularischen Einrichtungen in Wien installiert. Angeblich soll Russland einige der Abhöranlagen abgebaut haben. "Wir betrachten diesen unfreundlichen Schritt als ausschließlich politisch motiviert und kategorisch inakzeptabel", sagte die russische Vertretung. Sehr nachhaltig dürfte der Rauswurf der drei Russen aber nicht sein. Denn der Kreml hat mehr als 200 Personen als diplomatisches Personal deklariert – auffällig viel in einem Land mit nur neun Millionen Einwohnern. Ein nicht unbeträchtlicher Teil davon dürfte für einen der russischen Geheimdienste spitzeln. Wien sei ein regelrechter "Flugzeugträger" für russische Agenten, stellte vor Jahren schon ein westlicher Diplomat fest. Das militärisch neutrale Österreich gilt seit Jahrzehnten als Drehscheibe für ausländische Spione. Russische Oligarchen  kauften schmucke Anwesen, österreichische Konzerne investierten im Reich von Präsident Wladimir Putins Reich. Österreich hofierte den Kremlchef parteiübergreifend, vor allem die FPÖ . Die Rechtsradikalen schlossen gar einen Freundschaftsvertrag mit einer präsidententreuen Partei. Der Tanz der FPÖ-Außenministerin Karin Kneissl mit Putin und ihr Knicks vor dem Kremlherrn wurden zum Sinnbild der devoten Haltung Österreichs. Diese Politik korrigierte Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) Anfang 2022 nach der Vollinvasion der Ukraine. Mehr als ein Dutzend russische Diplomaten hat Österreich seitdem zu unerwünschten Personen erklärt. Nach Informationen von SPIEGEL und "Standard" haben die österreichischen Sicherheitsbehörden noch mehr mutmaßliche Spitzel mit Diplomatenstatus identifiziert. Weitere Ausweisungen dürfte es kurzfristig aber eher nicht geben – aus Sorge vor Moskaus Vergeltung. Wenn man konsequent jeden Spionageverdächtigen ausweisen würde, wäre die österreichische Botschaft in Moskau bald menschenleer, heißt es aus Regierungskreisen. STANDARD und SPIEGEL erklären, was Österreich bewegt, ordnen politische Debatten ein, erzählen unbekannte Besonderheiten und analysieren die Hintergründe der Macht. Inside Austria erscheint jeden Samstag als Newsletter und Podcast. Für Inside-Austria Hörer- und Leserinnen gibt es jeweils ein besonderes Angebot: 4 Wochen SPIEGEL+ für 1 €, danach 5,99 € pro Woche sowie 1 Monat STANDARD Smart für 1 € statt 14,90 € . Auch für andere Geheimdienste gilt Wien als besonders geeigneter Standort. Die Lage in der Mitte Europas macht die Stadt zu einem Knotenpunkt, die vielen internationalen Organisationen bieten Zielpersonenen und zugleich die Begründung für besonders große Personalstärken der Botschaften. Neben den Einrichtungen der Russen  gilt österreichischen Behörden insbesondere die iranische Botschaft als Tummelplatz für Agenten. Das iranische Regime beschäftigt in Wien mehr Personal als etwa in Berlin oder Paris. 2018 wurde ein Bombenanschlag auf die iranische Opposition in Frankreich vereitelt. Ermittler fassten den Drahtzieher damals in Bayern. Sein Pech: Sein Diplomatenstatus schützte den Iraner nicht vor der deutschen Strafverfolgung, sondern nur in dem Land, in dem er stationiert war – Österreich. Eine fünfteilige Serie widmen unsere Podcast-Hosts Lucia Heisterkamp und Antonia Rauth dem Wiener Sigmund Freud, dem Erfinder der Psychoanalyse. Über Episode zwei schreiben die Kolleginnen: Den Vorwurf "sei nicht so hysterisch" kennen wohl viele Menschen, vor allem Frauen. Hysterisch hat sich in unserem heutigen Sprachgebrauch als abwertende Bezeichnung durchgesetzt. Im 19. Jahrhundert galt Hysterie allerdings als ernstzunehmende Krankheit. Der Begriff leitet sich aus dem Altgriechischen ab und bedeutet "Gebärmutter". Eigentlich immer, wenn Frauen Symptome hatten, die nicht gleich erklärbar waren, lautete die Diagnose: Hysterie. Ende des 19. Jahrhunderts begann Sigmund Freud, sich sogenannten hysterischen Patientinnen zuzuwenden. Er wollte einen Weg zur Heilung dieser scheinbar mysteriösen Krankheit finden. Gemeinsam mit seinen Patientinnen entwickelte er die Gesprächstherapie als Grundlage der Psychoanalyse. Heute steht Freud vor allem für sein Frauenbild in der Kritik. Auch, weil seine Theorien in erster Linie aus der männlichen Perspektive beschrieben sind. Konzepte wie der sogenannte "Penisneid" sind höchst umstritten. In dieser Folge von "Inside Austria" wollen wir wissen, was es mit Freuds Frauenbild auf sich hat. War der Erfinder der Psychoanalyse misogyn? Oder einfach ein "Mann seiner Zeit"? Und welche Rolle spielte er dabei, dass sich das Bild der hysterischen Frau bis heute hält? Schönes Wochenende und herzliche Grüße aus Wien! Oliver Das GuptaAutor für SPIEGEL und STANDARD Und noch einmal der Hinweis in eigener Sache: Dieses Briefing als Newsletter in Ihr E-Mail-Postfach können Sie hier bestellen.