Datum09.05.2026 08:26
Quellewww.spiegel.de
TLDRHohe Kerosinpreise infolge des Irankriegs bedrohen die deutsche Luftfahrt. Der Flughafenverband ADV warnt vor Millionen gestrichenen Flügen und steigenden Ticketpreisen, die vor allem Low-Cost-Carrier und weniger frequentierte Ziele treffen könnten. Einige Airlines haben bereits Flüge abgesagt. Die Preise für Flugtreibstoff sind seit über zwei Monaten doppelt so hoch. Während die Bundesregierung von einem Preis-, nicht von einem Versorgungsproblem spricht, sind die Vorräte der Lufthansa nur bis Mitte Juni gesichert. Deutschland ist zudem stark von Kerosinimporten abhängig.
InhaltHohe Kerosinpreise wegen des Irankriegs treffen auch die Luftfahrtbranche in Deutschland. Die deutschen Flughäfen warnen deshalb vor gestrichenen Flügen und Preiserhöhungen. Einige Airlines haben bereits Flüge abgesagt. Angesichts drohender Lücken in der Versorgung mit Kerosin warnt die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) vor möglichen Flugstreichungen und Preiserhöhungen. "Es ist zu befürchten, dass vor allem bei Low-Cost-Airlines und touristisch weniger bedeutsamen Destinationen weitere Flüge gestrichen werden", sagte Ralph Beisel, ADV-Hauptgeschäftsführer, der "Welt am Sonntag" . "Das Best-Case-Szenario für 2026 ist eine Stagnation bei der Passagierentwicklung. Im Worst-Case-Szenario droht an manchen Flughäfen ein Kapazitätseinbruch von zehn Prozent", so Beisel. Hochgerechnet auf alle Flughäfen wären demnach 20 Millionen Fluggäste betroffen. Einige Ziele würden dann gar nicht mehr angeflogen, andere seltener und zu höheren Preisen, sagte der Interessenvertreter. Infolge der wegen des Irankriegs gestörten Öltransporte durch die Straße von Hormus schnellten die Preise für den Flugtreibstoff Kerosin in die Höhe. Einige Airlines sagten deswegen bereits Flüge ab. "Die Kerosinpreise sind seit mehr als zwei Monaten doppelt so hoch wie vor dem Krieg. Wir rechnen auch in den kommenden Monaten nicht mit einer Normalisierung", sagte Beisel. "Auch wenn Kerosin verfügbar ist, werden Airlines viele Flüge zu diesen Preisen nicht wirtschaftlich durchführen können." Zuletzt warnten auch Experten vor möglichen Engpässen im Sommer, auch für Deutschland. Die Bundesregierung gab sich hingegen gelassen. "Wir haben ein Preisproblem, aber kein Problem mit der Versorgung", sagte Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Auch die Lufthansa gab zunächst Entwarnung, jedoch nur für die kommenden Wochen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr erklärte, dass die Vorräte und Lieferungen bis Mitte Juni gesichert seien. Was danach kommt, ließ der Lufthansa-Chef bewusst offen. Deutschland benötigt rund neun Millionen Tonnen Kerosin pro Jahr. In inländischen Raffinerien wurden zuletzt aber nur 4,8 Millionen Tonnen produziert – und ein Teil davon ging als Export ins Ausland. Damit ist die Bundesrepublik bei Kerosin deutlich abhängiger von Importen als bei Benzin oder Heizöl. Lesen Sie hier mehr , wie ernst der Kerosinmangel in Deutschland wirklich ist – und was das für Reisende bedeutet.