Datum09.05.2026 04:00
Quellewww.zeit.de
TLDRBei einem Großeinsatz in Sinzig, bei dem eine Geiselnahme in einer Bank vermutet wurde, lag zunächst eine unklare Lage vor. Die Polizei musste schnell Informationen über Täter und Opfer sammeln. Laut einem Experten orientiert sich die Vorgehensweise an einem Formel-1-Boxenstopp: schnelle Analyse, Szenarienbewertung und die "bestmögliche" Entscheidung in einer dynamischen Situation mit hohem Informationsdefizit. Trotz intensiven Trainings spielen auch Glücksfaktoren eine Rolle, da 100%ige Perfektion schwer zu erreichen ist.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Großeinsatz in Sinzig“. Lesen Sie jetzt „Unklare Lage? Polizei orientiert sich an Formel 1“. Wie agiert die Polizei in unklaren Bedrohungslagen? Im Idealfall wie bei einem Boxenstopp in der Formel 1, sagt Martin Bachmaier, Vizepräsident der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster. Als ehemaliger Fachgebietsleiter Schwerkriminalität war er nach eigenen Angaben bei einer dreistelligen Zahl von Bedrohungslagen dabei. Im rheinland-pfälzischen Sinzig war die Polizei am Freitag von einer Geiselnahme in einer Bankfiliale ausgegangen. Erst nach Stunden wurden zwei Menschen aus einem verschlossenen Raum befreit, Geiselnehmer trafen die Einsatzkräfte beim Zugriff nicht an. "Die Zielrichtung bei unklaren Lagen - ob das Geiselnahmen, Entführungen, Anschläge oder Ähnliches sind - ist zuerst einmal zu eruieren, was tatsächlich vorliegt. Das heißt, valide und fundierte Daten zu erheben: über die Anzahl der Täter, über potenzielle Geiseln oder Opfer, über die Bewaffnung", erklärt Bachmaier. "Häufig ist es bei diesen Lagen der Fall, dass man in dieser Anfangsphase hohes Informationsdefizit hat und eine sehr hohe Dynamik." Wie also gehen die Einsatzkräfte vor? "Man analysiert potenzielle Szenarien. Man schaut sich die Wahrscheinlichkeiten an", sagt Bachmaier. "Und dann entscheidet man sich zu einem bestimmten Zeitpunkt für die zu diesem Zeitpunkt bestmögliche Lösung." Um sich auf unklare Bedrohungslagen vorzubereiten, würden die Abläufe kontinuierlich trainiert, wie Bachmaier erklärt. "Das ist ähnlich wie bei der Formel 1. Wenn man so ein Formel-1-Team beim Boxenstopp sieht, dann weiß da jeder ganz genau, was er machen muss." Man müsse aber auch eingestehen, "dass der Faktor Glück in Teilen eine Rolle spielt". Das Ziel sei immer der 100 Prozent perfekte Einsatz. "Aber ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, 100 Prozent sind ganz schwer zu erreichen." © dpa-infocom, dpa:260509-930-55870/1