KI-generierte Nacktbilder: Deepfaken verboten!

Datum07.05.2026 20:03

Quellewww.zeit.de

TLDRDie EU verbietet KI-generierte Nacktbilder. Dies ist ein Schritt gegen die Verbreitung sexualisierter Deepfakes, insbesondere zur Herabwürdigung von Frauen. Elon Musks Unternehmen SpaceX liefert Anthropic Rechenkapazität, was die Zusammenarbeit trotz früherer Kritik ermöglicht. Spotify führt eine personalisierte KI-DJ-Funktion ein, die Musikempfehlungen basierend auf dem Hörverhalten des Nutzers gibt. US-Präsident Trump plant, trotz früherer Skepsis, Regeln für KI einzuführen.

InhaltDie EU verbietet künstliche Intelligenz, die Nacktbilder ohne Einverständnis erzeugt. Anthropic verbündet sich mit Elon Musk. Spotify mixt Musik. Der KI-Newsletter Sie lesen den KI-Newsletter "Natürlich intelligent" vom 7. Mai 2026. Um den Newsletter jeden Donnerstag per Mail zu erhalten, melden Sie sich hier an. Auf die lange Liste der Dinge, zu denen Donald Trump überraschend seine Meinung ändert, gehört seit dieser Woche auch das Thema künstliche Intelligenz. War der US-Präsident bisher der Ansicht, dass man KI-Firmen gar nicht genug Freiheiten geben kann, damit sie möglichst ungestört immer bessere Modelle entwickeln, plant seine Regierung nun offenbar doch ein paar Regeln einzuführen. Das berichtet die New York Times. Demnach denkt die US-Regierung unter anderem darüber nach, neue Modelle vor Veröffentlichung auf ihre Sicherheit hin zu überprüfen. Details sind darüber bislang nur wenige bekannt, etwa welche Sicherheitsanforderungen für welche Arten von Modellen dann gelten würden. Möglicherweise orientieren sich die USA am europäischen AI-Act oder an Großbritannien, wo es bereits ausgearbeitete Auflagen gibt. Aber vielleicht wird es auch ganz anders. Bei einer früheren Gelegenheit sagte Trump, wenn es schon Regeln für KI geben müsse, dann müssten diese "noch brillanter als die Technologie selbst" sein. Man darf gespannt sein. Noch einer, der seine Meinung geändert hat: Elon Musk. Im Februar nannte Musk das Unternehmen Anthropic noch "menschenfeindlich" und "böse". Jetzt bezeichnete er die Anthropic-Mitarbeiter auf X als "hochkompetent" und darauf bedacht, "das Richtige" zu tun. Dahinter dürfte ein Deal stecken, den Anthropic mit dem Unternehmen SpaceX (zu dem mittlerweile auch die KI-Firma xAI gehört) geschlossen hat: Anthropic kauft bei Musk Rechenkapazität ein. Mein Kollege Nicolas Killian war gerade bei Anthropics Entwicklerkonferenz und hat mir diese Einschätzung aus dem Silicon Valley geschickt: Musk betreibt die wohl größten Rechenzentren der Welt und verfügt damit über das begehrteste Gut der Branche. Besonders Anthropic hat dringenden Bedarf: Dessen Programmier-KI Claude Code ist regelmäßig nicht erreichbar, weil dem Unternehmen schlicht die Rechenkapazität fehlt. Bemerkenswert daran ist auch, dass Musk seine Rechenkapazität lieber vermietet, als sie für sein eigenes KI-Unternehmen zu nutzen. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Grok offenbar nicht so ausgelastet ist wie Claude oder ChatGPT. Vielleicht will Musk damit auch einfach den Feind seines Feindes stärken: Der Milliardär führt derzeit einen aufsehenerregenden Prozess gegen OpenAI, das Unternehmen, das er 2015 mitgründete und von dem er sagt, dass CEO Sam Altman es von ihm "gestohlen" habe. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat ein Bild veröffentlicht, das sie selbst in Unterwäsche zeigt – aber KI-generiert ist. Sie wollte damit auf ein wachsendes Problem aufmerksam machen. Um politische Gegnerinnen zu verunglimpfen, Klassenkameradinnen zu mobben oder die Ex-Freundin zu quälen: Künstlich generierte Nacktbilder sind zu einem wichtigen und einfach verfügbaren Werkzeug von Männern geworden, die Frauen und Mädchen erniedrigen wollen. Die Europäische Union will dagegen nun vorgehen. KI-Systeme, mit denen sexualisierte Deepfakes erstellt werden können, sollen in der EU verboten werden. Darauf haben sich Vertreter des EU-Parlaments und der EU-Kommission geeinigt. Anbieter müssen demnach Vorkehrungen treffen, dass ihre KI solche Inhalte nicht generieren kann. Das neue Verbot soll explizit auch auf das Erstellen von Inhalten abzielen, die Kindesmissbrauch darstellen. Ein Verbot allein wird das Problem nicht magisch verschwinden lassen. Denn es passieren, wie man hört, im Internet bisweilen Dinge, die gegen Vorschriften verstoßen, und es soll sogar vorkommen, dass sie nicht geahndet werden. Es ließe sich auch argumentieren, dass nicht die KI-Anbieter an Deepfakes schuld sind, sondern die Menschen, die sie dafür nutzen. Aber ein Verbot ist trotzdem richtig und eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Denn auch die Anbieter der Werkzeuge haben eine Verantwortung. Und es macht einen Unterschied, wie einfach zugänglich solche Werkzeuge sind. Besonders deutlich sieht man das an Grok, der KI von Elon Musk. Indem er es möglich machte, damit sexualisierte Deepfakes zu erzeugen, trug Musk dazu bei, das Thema in den für jeden zugänglichen Mainstream zu bringen. Vielleicht kann ein Verbot dabei helfen, es zumindest wieder in die dunklen Ecken des Internets zurückzudrängen. Für die Ausprobieren-Kategorie gebe ich in dieser Woche das Wort an meinen Kollegen Henrik Oerding, Musik- und Gadget-Experte in unserem Ressort. Denn er hat eine neue Spotify-Funktion getestet: Als Streamingdienste neu waren, war die Begeisterung allgegenwärtig: Endlich nicht mehr auf die Beschränkungen des eigenen CD-Regals oder des Geschmacks des Privatradiomusikredakteurs angewiesen sein! Spotifys Segen war aber Fluch zugleich: Nun galt es, sich selbst Gedanken zu machen, was denn so aus der Bluetooth-Box dudeln soll. Weil man aber oft genug nur die Stille des eigenen Seins füllen möchte, wurde die Playlist erfunden, "Lo-Fi Chill", "Millennial Party Mix", sowas. Aber auch die Playlist ist eben begrenzt. Nun bringt Spotify ein bisschen Radio zurück, hyperpersonalisiertes Radio aber. Die Funktion heißt schlicht: DJ. Die KI-Funktion ist schon seit knapp drei Jahren in anderen Sprachen verfügbar, seit Donnerstag als Beta-Version auch auf Deutsch, sofern man Spotify-Premium-Kunde ist. Der DJ hat keinen eigenen Knopf, stattdessen gibt man in der Suche "DJ" ein und tippt dann auf die Funktion. "Hey, ich bin DJ Ben", grüßt die KI und startet eine Playlist mit "Musik, die bei dir gerade oft läuft". Mit einem Tippen auf das blau-grüne DJ-Symbol kann man Ben per Text- oder Spracheingabe sagen, was man hören möchte, zum Beispiel "Lange nicht gehörte Songs". Ben schlägt auch Optionen vor, "Kraftvoller Soundtrack für meinen Mittagsfokus" etwa. "Los Ge-Eh-Ha-Te-Ess", sagt Ben und los geht’s. Ben faded die Songs mehr oder weniger elegant ineinander, hin und wieder soll er sich auch zwischendurch melden, in einem kurzen Test an einem Vor- und Nachmittag blieb Ben aber recht ruhig. Während die ersten Stücke, die Ben spielte, größtenteils aus meiner eigenen Hör-Historie stammten, kamen mit der Zeit auch interessante Neuentdeckungen dazu. Da gefiel mir der DJ besser als manche Playlist. Aber noch mehr freue ich mich darauf, wenn die Funktion "Prompted Playlists" auch nach Deutschland kommt. Dann kann endlich die Playlist "Alle Songs mit Lebensmitteln im Titel" wahr werden!