Datum07.05.2026 18:19
Quellewww.zeit.de
TLDRSchleswig-Holstein führt einen Direkteinstieg ins Lehramt an Grund- und Gemeinschaftsschulen ein. Personen mit Bachelorabschluss und Qualifizierung können unter bestimmten Bedingungen Lehrer werden. Dies soll eine nachrangige Option sein, wenn keine ausgebildete Lehrkraft oder Quereinsteiger gefunden wird. Die Bildungsgewerkschaft GEW und Oppositionsparteien kritisieren die Novelle scharf und befürchten eine Dequalifizierung des Lehrerberufs und eine Zwei-Klassen-Gesellschaft.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Gesetzesnovelle“. Lesen Sie jetzt „Land führt Direkteinstieg an Grundschulen ein“. Schleswig-Holsteins Landesregierung führt den Direkteinstieg für Lehrämter an Grund- und Gemeinschaftsschulen ein. Mit den Stimmen von CDU und Grünen beschloss der Landtag in Kiel in zweiter Lesung die Novelle des Lehrkräftebildungsgesetzes. Sie ermöglicht Menschen mit passendem Bachelorabschluss und mehrjähriger Qualifizierung den Einstieg in ein Lehramt an diesen Schularten. Bislang war ein Direkteinstieg nur an berufsbildenden Schulen möglich. Dieser komme aber nur dann zum Tragen, wenn an einer Schule eine freie Stelle nicht mit einer ausgebildeten Lehrkraft oder per Quereinstieg besetzt werden kann, sagte Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU). Einen Quereinstieg ohne die nötige Qualifizierung werde es daher nicht geben. "Dazu kommt noch ein zweimaliges erfolgloses Ausschreibungsverfahren", erklärte sie. Überdies sollen die Direkteinsteigerinnen und -einsteiger laut der Ministerin in den ersten sechs Monaten an speziellen Veranstaltungen teilnehmen, um ihre pädagogisch-didaktischen Kompetenzen auszubauen. Während der auf fünf Jahre angelegten Qualifizierungsphase könnten sie zudem eine Ausbildungsberatung nutzen. Stenke betonte, dass der Direkteinstieg nur als nachrangige Option genutzt werden solle. Die Bildungsgewerkschaft GEW sieht im Direkteinstieg eine Dequalifizierung des Lehrerberufs. "Lehrkräfte üben einen anspruchsvollen und komplexen Beruf aus", sagte die Co-Landesvorsitzende der GEW, Kerstin Quellmann bereits am Mittwoch. Zur Lehrkräfteausbildung gehörten nicht nur Bachelor- und Masterstudium, sondern auch ein eineinhalbjähriger Vorbereitungsdienst, sagte Quellmann. "Da darf die Landesregierung den Zugang nicht einfach mal so für alle Menschen mit einem geeigneten Bachelorabschluss öffnen." Die Sorge vor einer Dequalifizierung erfüllte auch die Oppositions-Fraktionen von SPD, FDP und SSW. So warnte der Abgeordnete Martin Habersaat im Plenum vor einer Zwei-Klassen-Gesellschaft im Lehrerzimmer. "Multiprofessionelle Teams sind die Zukunft an unseren Schulen", betonte der Sozialdemokrat. Dennoch verstehe er darunter, dass dort unterschiedliche Professionen im Lehrerzimmer sitzen und nicht gut ausgebildete Deutschlehrkräfte neben schlecht ausgebildeten Deutschlehrkräften. © dpa-infocom, dpa:260507-930-49543/1