Prügelstrafe: Singapur führt Stockhiebe für Mobber in der Schule ein

Datum07.05.2026 16:16

Quellewww.spiegel.de

TLDRSingapur führt ab 2027 Stockhiebe für männliche Schüler ab neun Jahren ein, die des Mobbings – einschließlich Cybermobbings – schuldig gesprochen werden. Die Regierung verteidigte die Maßnahme im Parlament und betonte, dass sie als letztes Mittel bei schweren Vergehen und unter strengen Auflagen angewendet werde. Mädchen erhalten andere Konsequenzen. Internationale Organisationen wie UNICEF lehnen Prügelstrafen entschieden ab.

InhaltBis zu drei Stockhiebe soll es künftig für Mobber an Singapurs Schulen geben. Die Strafe gilt nur für Jungen ab neun Jahren. Die Regierung hält trotz Kritik an der Regel fest. Männliche Schüler, die andere mobben, müssen in Singapurs Schulen mit Stockhieben rechnen – und diese sind von Regierungsseite ausdrücklich erwünscht. Bildungsminister Desmond Lee hat die Regel, die Teil einer angekündigten Maßnahme gegen Mobbing ist, im Parlament verteidigt. Das berichten verschiedene Medien, darunter "CNN " und der "Guardian ", übereinstimmend. Männliche Schüler ab neun Jahren drohen laut dem "Guardian" nach den neuen Regeln bis zu drei Stockschläge, falls sie andere Kinder mobben. Darunter fällt auch Cybermobbing. Trotz Kritik hält Singapurs Regierung bisher an der Regel fest. Bildungsminister Lee verteidigte die Prügelstrafe demnach im Parlament. Sie würde nur dann angewendet, "wenn alle anderen Maßnahmen angesichts der Schwere des Fehlverhaltens unzureichend sind". "Es gelten strenge Vorschriften, um die Sicherheit der Schüler zu gewährleisten. So muss die Prügelstrafe beispielsweise vom Schulleiter genehmigt und darf nur von autorisierten Lehrkräften vollstreckt werden", erklärte Lee den Abgeordneten. Mädchen würden Strafen "wie Nachsitzen und/oder Schulverweis, eine Herabstufung ihrer Verhaltensnote und andere schulische Konsequenzen" erhalten. Das neue Regelwerk soll ab 2027 an allen Schulen Singapurs eingeführt werden. Internationale Organisationen wie Unicef, die Kinderhilfsorganisation der Vereinten Nationen, lehnen Prügelstrafen gegen Kinder entschieden ab, da sie deren körperliche und geistige Gesundheit schädigen und Verhaltensprobleme verstärken. Wie verbreitet Gewalt gegen Kinder als Erziehungsmaßnahme ist, zeigt ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem vergangenen Jahr . Weltweit sind demnach etwa 1,2 Milliarden Kinder im Alter von 0 bis 18 Jahren zu Hause Prügelstrafen ausgesetzt. Viele erleben zudem körperliche Züchtigung in der Schule. Nur 67 Staaten weltweit haben laut dem Bericht jegliche Gewalt gegen Kinder per Gesetz verboten (Oktober 2024). Die WHO nannte die Prügelstrafe "alarmierend weit verbreitet" und warnte, dass sie der Gesundheit und Entwicklung von Kindern erheblichen Schaden zufüge. Die gerichtliche Prügelstrafe wurde in Singapur erstmals im 19. Jahrhundert von britischen Kolonialisten eingeführt, das berichtet der "Guardian". Sie wird dort weiterhin für männliche Straftäter unter 50 Jahren angewendet, wenn sie ausgewählte Verbrechen verübt haben. Dazu gehören demnach etwa Raub, bestimmte Formen von Betrug oder das Überschreiten eines 90-tägigen Visums.