Datum07.05.2026 14:57
Quellewww.zeit.de
TLDRDer Energiekonzern Leag kritisiert die Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums, die den "netztechnischen Süden" bei neuen Gaskraftwerkskapazitäten bevorzugen. Die Lausitz fühlt sich benachteiligt und befürchtet, dass keine neuen Anlagen dort angesiedelt werden. Dies steht im Widerspruch zu früheren Zusagen zum Strukturwandel nach dem Kohleausstieg. Leag plant dennoch, an den Ausschreibungen teilzunehmen und für seine Standorte zu kämpfen. Proteste sind angekündigt, da die Region das Gefühl hat, erneut übersehen zu werden. Gaskraftwerke sollen zukünftig wetterbedingte Schwankungen bei erneuerbaren Energien ausgleichen.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Energiepolitik“. Lesen Sie jetzt „Protest in der Lausitz - Sorge um neue Gaskraftwerke wächst“. Neue Gaskraftwerke vor allem im Süden Deutschlands? Der Energiekonzern Leag sieht die Lausitz bei den Plänen des Bundeswirtschaftsministeriums klar benachteiligt. Der Vorstandsvorsitzende Adi Roesch sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Wir sehen unsere Chancen extrem reduziert". Aber als Fußballfan sei sein Motto: "You never give up" (Du gibst nie auf). Ein Gesetzentwurf sieht vor, dass rund zwei Drittel neuer Kraftwerkskapazitäten in ersten Ausschreibungsrunden in den sogenannten "netztechnischen Süden" gelenkt werden. Gemeint ist ein Gebiet, das Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland umfasst. "Wenn es eine Priorisierung für zwei Drittel der ausgeschriebenen Kapazitäten im Süden und Westen gibt, muss mindestens das verbleibende Drittel für den Norden und Osten reserviert werden", sagte Roesch. Der Leag-Konzernbetriebsrat rief für Freitagvormittag zu einer Protestkundgebung im Industriepark Schwarze Pumpe in Spremberg auf. Er befürchtet, dass keine Gaskraftwerke in die Lausitz kommen. "Unsere Geduld ist am Ende", heißt es in einem Schreiben, das der Konzernbetriebsrat unter anderem an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) schickte. Leag-Vorstandschef Roesch sagte, das Unternehmen werde trotz der schlechteren Ausgangslage an den Ausschreibungen teilnehmen. Seit zwei Jahren liefen bereits umfangreiche Vorbereitungen für den Bau zweier wasserstofffähiger Gaskraftwerke im Osten - an den Standorten Schwarze Pumpe in Brandenburg und Lippendorf in Sachsen. "Das werde ich nicht einfach zur Seite legen, sondern dafür kämpfen", sagte Roesch. Wegen des gesetzlich vereinbarten Kohleausstiegs müsse gesicherte Kraftwerksleistung im Norden und Osten Deutschlands ersetzt werden. Die Enttäuschung in der Region sei derzeit groß, weil die Politik beim 2020 beschlossenen Ausstieg aus der Braunkohle zugesagt habe, den Strukturwandel der Lausitz im Wandel zu unterstützen. Es entstehe das Gefühl, dass der Osten "wieder nicht berücksichtigt" werde, meinte Roesch. "Gaskraftwerke in der Lausitz werden gebraucht, und sie werden auch gebaut", hatte Bundeswirtschaftsministerin Reiche bei einem Besuch des Energiekonzerns Leag in der Lausitz im vergangenen August gesagt. Damals hatte es bereits Proteste der Belegschaft gegeben. Neue Gaskraftwerke sollen künftig als Backups einspringen, wenn der Strombedarf durch erneuerbare Energien nicht zu decken ist - in "Dunkelflauten", wenn keine Sonne scheint und kein Wind weht. Aus der Kohleverstromung will Deutschland schrittweise bis zum Jahr 2038 aussteigen, damit geht viel sogenannte gesicherte Leistung verloren. Die ersten Ausschreibungen für den Bau neuer Gaskraftwerke sollen der Leag zufolge Anfang September starten. Angesichts des boomenden Marktes für Gaskraftwerke seien schnelle Entscheidungen nötig, so Vorstandschef Roesch. © dpa-infocom, dpa:260507-930-48207/1