Datum07.05.2026 13:49
Quellewww.zeit.de
TLDRTrotz rund 20 Milliarden Euro Investitionen im Vorjahr stagniert der Zustand des deutschen Schienennetzes bei der Schulnote 3,0. Nur Bahnhöfe zeigten eine leichte Verbesserung. Der Investitionsstau beläuft sich auf 130 Milliarden Euro. Bahnchef Palla spricht von einer erreichten "Talsohle" und hofft auf eine Stabilisierung des Netzes durch weitere Milliardeninvestitionen und Generalsanierungen, um mittelfristig eine bessere Note zu erreichen. Stellwerke sind weiterhin in schlechtem Zustand.
InhaltDie Deutschen Bahn hat 2025 knapp 20 Milliarden Euro in ihr Schienennetz investiert. Der neue Netzzustandsbericht vergibt jedoch weiterhin nur die Note 3. Die Deutsche Bahn hat den Zustand ihres teilweise maroden Schienennetzes im vergangenen Jahr trotz Milliardeninvestitionen nicht verbessern können. Das Netz erhielt im neuen Netzzustandsbericht wie schon im Vorjahr die Schulnote 3,0. Bei den Personenbahnhöfen gab es eine leichte Verbesserung von 3,03 auf 2,96. "Die Trendwende haben wir noch nicht geschafft", sagte Bahnchefin Evelyn Palla. "Viele Anlagen und Bahnhöfe sind weiterhin in keinem guten Zustand." 2025 wurden rund 19,9 Milliarden Euro in die Sanierung des Schienennetzes gesteckt – so viel Geld ist alleine dafür nötig, dass der Sanierungsstau nicht noch größer wird. Dieser liegt laut dem Chef der für die Infrastruktur zuständigen Bahntochter DB InfraGo, Philipp Nagl, bei rund 130 Milliarden Euro. In diesem Jahr sollen 23 Milliarden Euro in das Netz gesteckt werden, 28.000 Baustellen sind geplant. Die Bahn-Manager erwarten, dass mit dieser Summe der Zustand des Netzes zumindest ein bisschen besser wird. Auch sollen in diesem Jahr vier sogenannte Generalsanierungen besonders wichtiger Strecken abgeschlossen werden. "Die Talsohle der ungebremsten Veränderung" der Infrastruktur sei erreicht, sagte Palla. Ein "Neustart" sei nun möglich, Voraussetzung sei jedoch, dass das aktuelle Investitionsniveau festgeschrieben und über Jahre fortgeführt werde. Die Bahn unterteilt im Zustandsbericht das Netz in rund 9.000 Kilometer Hochleistungsnetz und rund 24.000 Kilometer Flächennetz. Das Hochleistungsnetz erhielt die Note 3,04, das Flächennetz die Note 2,96. "Wenn man gut fahren will, muss man auf dem Hochleistungsnetz Richtung 2,5 oder 2,6 kommen", sagte Nagl. Alle Anlagen mit einer Note von 4 oder schlechter gelten als erneuerungsbedürftig. In besonders schlechtem Zustand sind demnach weiterhin die Stellwerke mit einer Note von 4,02 im Gesamtnetz. "Jedes zweite der rund 4.000 Stellwerke ist erneuerungsbedürftig", teilte die Bahn mit. Die Brücken, deren Wiederbeschaffungswert sehr hoch ist, erhielten die Note 2,64 (2024: 2,78).