Datum07.05.2026 13:44
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Ausstellung "An vorderster Front" in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen zeigt die berührenden Kriegsfotografien der Pulitzer-Preisträgerin Anja Niedringhaus. Ihre Werke dokumentieren das Leid der Zivilbevölkerung in Konfliktgebieten wie dem Irak und Afghanistan, aber auch Momente menschlicher Freude. Sie starb 2014 in Afghanistan. Die Ausstellung beleuchtet ihre Mission, die oft unsichtbaren Opfer von Kriegen sichtbar zu machen, und ihre menschliche Perspektive auf Soldaten. Auch ihre Sportfotografien sind zu sehen.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Renommierte Fotografin“. Lesen Sie jetzt „"Vorderste Front" - berührende Bilder von Anja Niedringhaus“. Kinder im Krieg, Zivilisten auf der Flucht, verzweifelte Gesichter, trauernde Menschen: Fotografin und Pulitzer-Preisträgerin Anja Niedringhaus dokumentiert Menschen im Krieg, oft sind es eindringliche Porträts, Szenen des Alltags inmitten von Zerstörung. Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen zeigt in der Ausstellung "An vorderster Front" Werke der Fotografin, die sich immer wieder in Lebensgefahr begab und am 4. April 2014 in Afghanistan bei einem Anschlag erschossen wurde. Die Bilder zeigen Zerstörung, Leid, Frauen und Männer, die Verletzten helfen. Häufig sind es Kinder, die Niedringhaus etwa im Balkan, Irak oder Afghanistan fotografiert hat. Sie hat auch viele Momente der Lebensfreude aufgespürt. So lächelt ein Mädchen in Bagdad einem Bewaffneten zu, ein irakischer Junge balanciert vor einem zerstörten Hauptquartier des Roten Kreuzes eine Schale Sesamkringel auf dem Kopf. Mädchen spielen in Kabul Basketball, gleich sechs Kinder drängen sich fröhlich auf einem Motorroller zusammen. Die aus Höxter in Westfalen stammende Niedringhaus wollte zeigen, dass es keinen "sauberen Krieg gibt", schilderte Museumsdirektorin Christine Vogt. Ihre Bilder seien von einer Friedensbotschaft geprägt. Ihr Leitmotiv "wenn ich es nicht fotografiere, wird es nicht bekannt" habe sie oft in entlegene Regionen geführt, sie sei mehrfach verletzt worden. Die Fotografin habe die Zivilbevölkerung im Krieg beobachtet, habe Menschlichkeit gezeigt und auch auf die Soldaten einen "menschlichen Blick" gerichtet, betonte Vogt. Schmerz und Angst spiegeln sich auch etwa wider, wenn ein bosnischer Soldat mit seinen Schwestern um die Eltern trauert oder sich UN-Soldaten vor Scharfschützen in Sarajewo in Sicherheit bringen. Niedringhaus hatte 2005 als erste deutsche Fotografin den Pulitzerpreis erhalten - für ihre Berichterstattung aus dem Irak. Ihre Karriere hatte 1990 bei der EPA - European Pressphoto Agency - begonnen, seit 2002 berichtete sie für die US-Nachrichtenagentur AP aus Nahost, Libyen, Irak, Pakistan und Afghanistan. Den Begriff "Kriegsfotografin" mochte sie nicht, sagte Vogt. Afghanistan sei ihr "Schicksalsland" gewesen: Niedringhaus habe das Land als ihre große Liebe bezeichnet - und sie sei dort ums Leben gekommen. Auch ihre weniger bekannten Sportbilder sind in Oberhausen zu sehen - etwa US-Weltstar Serena Williams in Wimbledon oder Usain Bolt bei Olympia in Peking 2008, wo er die Goldmedaille im 200-Meter-Lauf holte. Leichtathletik und Tennis gehörten laut Museum zu den bevorzugten Disziplinen ihrer Foto-Dokumentation. Die Werke sind ab Sonntag bis 13. September zu sehen. Bei vielen Bildern handelt es sich um Leihgaben ihrer Schwester Gide Niedringhaus. Die Ausstellung, zwölf Jahre nach dem Tod der Fotografin, hat eine hohe emotionale Kraft. Einige persönliche Gegenstände werden präsentiert - darunter ihr Blauhelm oder ihre Schutzweste. Darauf klebt noch etwas vergilbt das Namensschild "Anja". © dpa-infocom, dpa:260507-930-47659/1