Spektakulärer Fall: «Ich hätte direkt die Polizei rufen sollen»

Datum07.05.2026 13:12

Quellewww.zeit.de

TLDRDie frühere Lebensgefährtin eines ermordeten Arztes muss sich erneut vor Gericht verantworten. Sie soll ihrem Sohn und dessen Halbbruder geholfen haben, die Leiche zu verstecken. Gegenüber den Jugendlichen habe sie "alles verloren" und ihren Sohn schützen wollen. Eine Beteiligung an der Tötung konnte ihr im ersten Prozess nicht nachgewiesen werden, nun wird wegen gemeinschaftlichen Totschlags ermittelt. Das Motiv war laut Anklage Alkoholmissbrauch und Gewalt des Arztes.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Spektakulärer Fall“. Lesen Sie jetzt „"Ich hätte direkt die Polizei rufen sollen"“. Fast dreieinhalb Jahre nach dem Mord an einem Arzt in der Eifel steht seine frühere Lebensgefährtin erneut vor Gericht. Von der Tat im gemeinsamen Wohnhaus in Gerolstein (Vulkaneifelkreis) habe sie nichts mitbekommen, sagte sie im neu aufgerollten Prozess am Landgericht Trier. In der Nacht sei ihr damals 16-jähriger Sohn zu ihr im Obergeschoss ans Bett gekommen, habe sie geweckt und sie nach unten geführt. "Da lag der Mann, den ich geliebt habe und war tot", sagte die Krankenschwester.  Ermordet von ihrem Sohn und dessen Halbbruder, die beide inzwischen rechtskräftig wegen Mordes verurteilt sind.  "Ich hätte direkt die Polizei rufen sollen", sagte sie. Dass sie das nicht getan habe, sei die schlimmste Entscheidung ihres Lebens gewesen. "Ich habe alles verloren."  Stattdessen half sie den beiden Jugendlichen, die Leiche in einem Waldstück bei Rockeskyll zu vergraben. "Ich stand im größten Zweispalt meines Lebens." Sie habe ihren Sohn als Täter schützen wollen. Im ersten Prozess konnte der Frau eine Beteiligung an der Tötung nicht nachgewiesen werden. Die Staatsanwaltschaft geht aber davon aus, dass die Angeklagte und die beiden jungen Männer die Tat gemeinsam geplant haben - und hat daher wegen gemeinschaftlichen Totschlag angeklagt. Nach Ansicht des Bundesgerichtshofs ist im ersten Prozess nicht hinreichend geprüft worden, ob die Angeklagte nicht verpflichtet gewesen wäre, ihren Sohn an der Tatausführung zu hindern. Oder auch, ob sie Mittäterin oder Gehilfin war.  "Wir starten bei null", sagte Oberstaatsanwalt Eric Samel. Er ist überzeugt, dass die Angeklagte den Anfang der Tat noch mitbekommen habe, bevor sie nach oben gegangen sei.  Im ersten Prozess im August 2024 war die Krankenschwester zu zwei Jahren und vier Monaten verurteilt worden: wegen unterlassener Hilfeleistung und Brandstiftung. Ihr Sohn und der Halbbruder bekamen hohe Jugendstrafen wegen Mordes: neun und sechs Jahre. Motiv soll gewesen sein, dass der 53-Jährige seit längerem übermäßig Alkohol getrunken habe - und es dann zu verbalen und körperlichen Übergriffen gekommen sei. Auch am Tatabend hatte er die Angeklagte den Angaben zufolge beleidigt und bedroht. "Er hat mich am linken Arm gepackt und gequetscht. Und dann mit der Hand auf den Kopf geschlagen", sagte sie. Daraufhin haben die jungen Männer den Arzt mit einem Baseballschläger und Schraubenschlüssel von hinten attackiert und dann mit einem um den Hals gezogenen Kabelbinder erdrosselt.  Sie habe die Tat nicht mit den anderen beiden geplant, sagte die Angeklagte, die mit dem Getöteten drei gemeinsame kleine Kinder hat. Diese habe sie seit ihrer Festnahme im September 2023 nicht mehr gesehen, sagte sie unter Tränen.  Es habe in ihrer elfjährigen Beziehung mit dem Arzt "Höhen und Tiefen" gegeben. Wenn er zu viel Alkohol getrunken habe, sei er gewalttätig und aggressiv gewesen. "Aber sonst war er der liebste Mensch auf der Welt", sagte sie.  Der Orthopäde war am 30. Dezember 2022 zuletzt an seiner Arbeitsstelle in einem Krankenhaus in Daun gesehen worden und galt lange als vermisst. Im Juni 2023 hatte ein Spaziergänger einen Teil der sterblichen Überreste im Wald entdeckt. © dpa-infocom, dpa:260507-930-44997/2