Datum07.05.2026 13:02
Quellewww.spiegel.de
TLDRRheinmetall bietet an, das Fregattenprojekt F126 für 12,8 Milliarden Euro zu retten, nachdem das ursprüngliche Bauprojekt aufgrund von Problemen scheiterte. Das Angebot beinhaltet 1,7 Milliarden Euro pro Schiff und beschleunigte Lieferzeiten ab 2032. Deutschland muss bis dahin seine NATO-Verpflichtungen zur U-Boot-Jagd erfüllen, weshalb auch Alternativen wie die Meko-Fregatten geprüft werden.
InhaltMit Rheinmetall als Generalunternehmer will die Bundeswehr den Bau von neuen Fregatten für die Marine retten. Nun hat die Rüstungsschmiede eine Kostenkalkulation vorgelegt: Das Projekt wird deutlich teurer. Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall will das pannengeplagte Projekt zum Bau von neuen Fregatten für die Bundeswehr für rund 12,8 Milliarden Euro retten. Nach SPIEGEL-Informationen hat Rheinmetall ein entsprechendes Angebot beim Verteidigungsministerium vorgelegt. Demnach soll der Stückpreis für die sechs Fregatten vom Typ F126 bei jeweils 1,7 Milliarden Euro liegen, hinzu kommt ein umfangreiches Service-Paket inklusive Ausbildung und ein finanzieller Puffer von einer Milliarde Euro für mögliche Beschleunigungs- und Optimierungsmaßnahmen. Das Ziel von Rheinmetall ist ambitioniert: Der Konzern will die erste von sechs Fregatten bereits 2032 ausliefern. Schon 2028 soll das erste vorausgerüstete Kriegsschiff an den Standort in Hamburg verlegt und dort fertiggestellt werden. Durch Beschleunigung der Fertigungsabläufe und eine deutliche Verkürzung der Abnahmeprozesse durch die Prüfer der Bundeswehr soll es möglich werden, den Zeitplan des Projekts, das bisher durch Verspätungen und Kostensteigerungen geplagt war, doch noch zu halten. Ursprünglich sollte die niederländische Damen-Werft die neuen Kriegsschiffe für die Marine bauen. Zuletzt waren rund zehn Milliarden Euro für das größte Rüstungsprojekt in der Geschichte der Marine vorgesehen. Die Bundeswehr hatte die ersten vier Schiffe im Juni 2020 bestellt, die "Niedersachsen" sollte als erste Fregatte der neuen Klasse im Sommer 2028 erhalten. Über die Jahre häuften sich aber immer neue Probleme an. Am Ende geriet die Damen-Werft in so gravierende technische und finanzielle Schwierigkeiten, dass das Projekt vor dem Aus stand. Das Verteidigungsministerium reagierte darauf mit einem Wechsel des Generalunternehmers . Die deutsche Werft Naval Vessels Lürssen wurde beauftragt, eine Übernahme zu prüfen. Inzwischen hat Rheinmetall die NVL-Werft für den Einstieg ins Marine-Geschäft übernommen. Für Verteidigungsminister Boris Pistorius läuft die Uhr: Deutschland hat die Fregatten für Ende des Jahrzehnts bei der Nato als deutschen Beitrag angemeldet. Von 2028 an muss Berlin demnach Fähigkeiten zur U-Boot-Jagd für den Nordatlantik bereitstellen. Das ist jenes Seegebiet zwischen Großbritannien, Island und Grönland, das der einzige Zugang der russischen Nordmeerflotte zum Atlantik ist und zugleich der wichtigste Nachschubweg der Nato von Nordamerika Richtung Europa. Pistorius muss sicherstellen, dass die Marine bis dahin einsatzbereite Kriegsschiffe hat oder die Aufgaben anders erfüllen kann, etwa durch den Einsatz der neuen Seefernaufklärer der Marine. Die Flugzeuge vom Typ P-8A Poseidon sind ebenfalls zur U-Boot-Jagd geeignet. Die Bundeswehr verfügt zwar über einige Fregatten, diese sind aber schon arg in die Jahre gekommen und müssen modernisiert werden. Kann Rheinmetall das Angebot wie skizziert umsetzen, würden die neuen F-126-Fregatten gut vier Jahre später als geplant kommen. Der Preis für jedes der Schiffe würde durch die Neuaufsetzung des Projekts um jeweils gut eine halbe Milliarde Euro steigen. Dafür aber, so jedenfalls die Versprechungen von Rheinmetall, könnte der Konzern das enge Zeitkorsett halten und das Projekt insgesamt wieder auf Kurs bringen. Bisher hat die Bundeswehr gut zwei Milliarden Euro in den Bau der Fregatten investiert. Weder das Unternehmen noch das Wehrressort wollten sich zu dem Angebot für die sechs Fregatten äußern, da die Gespräche noch laufen. Allerdings hat das Verteidigungsministerium beim Bundestag bereits angekündigt, möglicherweise noch vor der Sommerpause entsprechende Verträge für den Neustart des Fregatten-Projekts vorzulegen. Wegen der Verzögerungen bei den Schiffen des Typs F126 hatte die Bundeswehr Pläne vorangetrieben, als Brückenlösung vier Fregatten vom Typ Meko A-200 von ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) zu bestellen, um die Marine einsatzbereit zu halten und die Nato-Zusagen zu erfüllen. Diese könnten nach Angaben des Herstellers ab Dezember 2029 geliefert werden. Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat bereits Vorverträge gebilligt, die es TKMS ermöglichen sollten, Fertigungskapazitäten bei Unterauftragnehmern und Lieferanten zu reservieren und darüber hinaus Material, Anlagen und Geräte zu bestellen. Im Verteidigungsministerium wird zudem die Option geprüft, bis zu acht dieser Schiffe zu beschaffen. Damit wollte sich das Haus von Minister Pistorius absichern, sollte der Bau der F126 abgebrochen werden müssen, etwa weil das Projekt zu teuer wird. Die Meko-Fregatten mit einer Verdrängung von 4000 Tonnen sind wesentlich kleiner als die F126 mit ihren 10.000 Tonnen. Sie können damit nur einen Hubschrauber tragen, eignen sich nicht als Führungsschiff eines Nato-Verbandes und können nicht dieselben langen Standzeiten im Einsatz erreichen, wie es bei der F126 vorgesehen ist. Trotzdem setzt die Führung der Marine auf die Mekos, um die Verzögerungen bei den F126-Fregatten auszugleichen. Auf das Wehrressort und den Bundestag kommt nun eine schwierige Entscheidung zu. Vergibt man den Milliardenauftrag an Rheinmetall, wäre der Deal für die Meko-Fregatten möglicherweise nicht mehr nötig. Deutschland kann zugleich nicht riskieren, die Zusagen bei der Nato im Fall von neuen Verzögerungen nicht zu erfüllen. Als denkbare Lösung gilt es, die Meko-Schiffe, die bei Nato-Partnern bereits im Einsatz sind, wieder zu verkaufen, wenn die Marine die F126 erhält. Der Bundestag, genauer gesagt der Haushaltsausschuss, wird sich die Berechnungen der Industrie und aus dem Ministerium genau anschauen. Mit vagen Versprechungen lassen sich die Abgeordneten nicht mehr abspeisen.