Datum07.05.2026 11:08
Quellewww.zeit.de
TLDRArchäologen haben bei Genthin Spuren von ehemaligen Zwangsarbeits- und Konzentrationsaußenlagern des Nationalsozialismus freigelegt. Die Grabungen förderten Hinweise auf die Bauweise von Baracken und Alltagsgegenstände von Häftlingen zutage, die unter harten Bedingungen in einer Munitionsfabrik arbeiten mussten. Die Funde ergänzen schriftliche Quellen und beleuchten den Alltag der Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkriegs.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Nationalsozialismus“. Lesen Sie jetzt „Archäologen sichern Spuren von Zwangsarbeit bei Genthin“. Archäologen haben bei Genthin im Jerichower Land Spuren eines ehemaligen Konzentrations-Außenlagers sowie weiterer Zwangsarbeitslager aus der Zeit des Nationalsozialismus freigelegt. Bei der Forschungsgrabung im März wurden unter anderem Hinweise auf die Bauweise der Baracken sowie zahlreiche Alltagsgegenstände ehemaliger Häftlinge und Zwangsarbeiter entdeckt, wie das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt mitteilte. Nördlich von Genthin befand sich den Angaben zufolge von 1935 bis 1945 die Munitionsfabrik Silva-Metallwerke. Rund um das Werk entstand während des Zweiten Weltkriegs eine weitläufige Lagerlandschaft mit verschiedenen Formen von Internierungs- und Zwangsarbeitslagern. Dort waren zeitweise mehrere tausend Menschen untergebracht, darunter vor allem Frauen, die unter schweren Bedingungen in der Munitionsproduktion arbeiten mussten, wie es hieß. Im Rahmen einer einwöchigen Grabungskampagne untersuchten Archäologen vier frühere Barackenstandorte. Die Arbeiten erfolgten bewusst nur kleinräumig und mit möglichst geringen Eingriffen in den Boden, so das Landesamt. Dabei seien Erkenntnisse über die Konstruktion und Nutzung der Lager gewonnen worden. Gefunden wurden unter anderem Geschirrteile, Flaschen und persönliche Gegenstände ehemaliger Insassen. Die Funde geben nach Angaben der Forscher Hinweise auf die Lebensbedingungen und den Alltag der Menschen in den Lagern. Insbesondere bei Fundorten aus der Zeit des Nationalsozialismus können sie wichtige Erkenntnisse liefern, die in Schrift- und Bildquellen nicht überliefert sind. Das Gelände bei Genthin wird seit Jahren vom Museum Jerichower Land und von Ehrenamtlichen des Fördervereins Genthiner Stadtgeschichte untersucht. Die Ergebnisse der aktuellen Forschungsgrabung sollen künftig öffentlich präsentiert werden. © dpa-infocom, dpa:260507-930-46478/1