Spritpreise: Ifo-Institut sieht keine außergewöhnliche Belastung

Datum07.05.2026 10:57

Quellewww.spiegel.de

TLDRDas Ifo-Institut sieht keine außergewöhnliche Belastung durch Spritpreise für deutsche Arbeitnehmer. Die nötige Arbeitszeit für Benzin und Diesel ist historisch stabil. Grund dafür sind gestiegene Löhne. Einkommensschwache Haushalte sind stärker betroffen. Der Tankrabatt begünstigt Vielfahrer und Besserverdienende. Die hohen Ölpreise führen zu Gewinnen bei Ölkonzernen.

InhaltDie höheren Preise an der Zapfsäule belasten Autofahrer nicht außergewöhnlich, sagen Wirtschaftsforscher. Deutsche Arbeitnehmer müssen demzufolge für einen Liter Benzin ähnlich lang arbeiten wie in den vergangenen Jahrzehnten. Trotz hoher Spritpreise hält sich die finanzielle Belastung für deutsche Arbeitnehmer in Grenzen. Das zeigt die am Donnerstag veröffentlichte Berechnung des Dresdner Ifo-Instituts. Im April arbeitete ein durchschnittlicher Beschäftigter rund fünf Minuten für einen Liter Benzin – ein Wert, der ähnlich hoch liegt, wie in den vergangenen 35 Jahren: Zwischen 1991 und 2025 schwankte die nötige Arbeitszeit demnach stets zwischen drei und sechs Minuten. Die gestiegenen Kraftstoffpreise – auch infolge der Schließung der Straße von Hormus nach dem Irankrieg – fallen laut den Ifo-Forschenden nicht so stark ins Gewicht, weil die Löhne in den vergangenen Jahrzehnten stetig gestiegen sind. "Selbst bei Spritpreisen von 240 Cent pro Liter Super oder 250 Cent pro Liter Diesel liegt die benötigte Arbeitszeit meist unter den Werten der Jahre 2006 bis 2013", sagte Ifo-Experte Joachim Ragnitz. Sein Kollege Marcel Thum, Leiter der Ifo-Niederlassung Dresden, ergänzte: Die gestiegenen Preise fielen "im historischen Vergleich nicht ungewöhnlich hoch aus". Für Diesel liege die Arbeitszeit zwar eher am oberen Ende des historischen Bereichs – aber keineswegs in neuen Dimensionen. Differenzierter sieht die Lage für einkommensschwache Haushalte aus. Wer auf das Auto angewiesen ist und wenig verdient, spürt die Preissteigerungen deutlich stärker. Wer dagegen viel fährt, verdient den Forschern zufolge in der Regel auch mehr: Mobilitäts- und Steuerdaten zeigen, dass hoher Kraftstoffverbrauch mit hohem Einkommen einhergeht. Bei einem Verbrauch von 100 Litern im Monat entstehen durch die jüngsten Preissteigerungen Mehrkosten von rund 40 bis 60 Euro. Pauschale Entlastungen wie der im Mai in Kraft getretene Tankrabatt der Bundesregierung – eine Steuersenkung von rund 17 Cent pro Liter – kommen deshalb vor allem Vielfahrern und Besserverdienenden zugute, kritisieren die Autoren. Die Preise waren am 1. Mai stellenweise unter die Zwei-Euro-Marke gefallen, stiegen danach aber wieder. Die Steuerausfälle durch den Rabatt trägt die Allgemeinheit. Die hohen Ölpreise führen gleichzeitig zu satten Gewinnen bei Ölkonzernen. Das zeigen etwa die ebenfalls am Donnerstag veröffentlichten Quartalszahlen von Shell. Der niederländisch-britische Ölmulti verdoppelte seinen Gewinn binnen eines Quartals – von 3,3 auf 6,9 Milliarden US-Dollar. Der Grund: Der Brent-Ölpreis kletterte seit Beginn des Irankriegs um mehr als die Hälfte und notiert inzwischen dauerhaft über 100 Dollar pro Barrel. Wenn Autofahrer dank eines Steuerrabatts wieder mehr unterwegs sind, profitieren die Konzerne doppelt.