Datum07.05.2026 09:45
Quellewww.zeit.de
TLDRDas Spiel gegen Dortmund ist ein Schicksalsspiel für Eintracht Frankfurts Trainer Albert Riera. Nach enttäuschenden Leistungen und ausbleibenden Erfolgen steht eine Trennung bevor. Rieras Amtszeit ist geprägt von Unzufriedenheit bei Fans und Experten, und seine Ergebnisse sind schlechter als die seines Vorgängers. Eine Nicht-Qualifikation für die Conference League wäre ein herber Rückschlag für den Verein. Eine Trennung im Sommer scheint unausweichlich.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Schicksalsspiel für Spanier?“. Lesen Sie jetzt „Frankfurts Riera am Abgrund: Dortmund als Endspiel“. Die Fans von Eintracht Frankfurt und einige TV-Experten hat Albert Riera schon gegen sich. Und selbst die Club-Bosse scheinen vor dem Schicksalsspiel gegen Borussia Dortmund nicht mehr an eine Wende mit dem exzentrischen Spanier zu glauben. Schon am Freitagabend (20.30 Uhr/Sky) im Duell mit dem BVB könnte der vorerst letzte Vorhang für Riera auf der großen Bundesliga-Bühne fallen. Eine Trennung nach dem 33. Spieltag? Was absurd klingt, ist bei einer Niederlage in Dortmund durchaus möglich. Zuletzt hatten die Vereinsverantwortlichen nach dem 1:2 gegen den Hamburger SV ein klares Bekenntnis vermieden. Eine Trennung wenige Tage vor dem Saisonfinale würde zur unrühmlichen Lage der Eintracht passen - zum Auftreten von Coach Riera, zur Rolle von Sportvorstand Markus Krösche und zu den enttäuschenden Leistungen dieser hochtalentierten Mannschaft. Das Image der Eintracht, die vor nicht allzu langer Zeit noch ganz Fußball-Deutschland mit ihren magischen Europapokal-Nächten begeisterte, ist angekratzt. "Wir alle haben uns in den vergangenen Jahren in den Fußball verliebt, den Eintracht Frankfurt gezeigt hat, in der Bundesliga und in Europa", schrieb der deutsche Rekordnationalspieler Lothar Matthäus in seiner Kolumne für den TV-Sender Sky. Unter Riera aber spielen die Hessen biederen Fußball, bieten wenig Offensivspektakel. Der Erfolg lässt zudem zu wünschen übrig. Die Eintracht ist Tabellenachter und hat einen Punkt Rückstand auf den SC Freiburg auf Rang sieben. Dieser berechtigt immerhin sicher zur Teilnahme an der Conference League. Das ist auch das Minimalziel der Eintracht. Sollten die Frankfurter die Conference League nicht erreichen, würden sie erstmals seit 2020/2021 nicht in einem europäischen Wettbewerb vertreten sein. Es wäre ein herber Rückschlag für die ambitionierten Hessen, die sich in den vergangenen Jahren zu einem konstanten Europapokal-Teilnehmer entwickelten. In dieser Saison sind die Frankfurter langweiliges Mittelmaß. "Die Saison ist nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben", stellte Krösche klar. "Ich glaube, dass der Trainerwechsel von Dino Toppmöller zu Albert Riera nichts gebracht hat", äußerte Matthäus. Die Zahlen untermauern das. In den bislang zwölf Partien unter Riera gab es vier Siege, vier Remis und vier Niederlagen. Das entspricht im Durchschnitt 1,33 Punkten pro Begegnung. Zum Vergleich: Vorgänger Dino Toppmöller holte in dieser Saison durchschnittlich 1,5 Zähler pro Bundesliga-Spiel. Doch die Verpflichtung Rieras erweist sich nicht nur sportlich als Flop, sondern in allen Belangen als Missverständnis. Der 44-Jährige kam erst Anfang Februar vom slowenischen Club NK Celje als Wunschtrainer von Krösche an den Main. Doch das Verhältnis von Riera zu gestandenen Profis wie Jonathan Burkardt oder Bankdrücker Mario Götze gilt als angespannt. Auf Pressekonferenzen wettert er zudem gegen Journalisten. "Wenn du dich mit den lokalen Journalisten anlegst, gibt es nur einen Sieger - und das wird nicht er sein", sagte TV-Experte Dietmar Hamann. Medienberichten zufolge jedenfalls ist eine Trennung von Riera im Sommer - unabhängig vom Ausgang der Partien beim BVB und am letzten Spieltag gegen den VfB Stuttgart - inzwischen unausweichlich. Die Fans haben eine klare Meinung: Als der Stadionsprecher am vergangenen Wochenende vor dem Duell mit dem HSV Rieras Namen verlas, ertönten Pfiffe - die Unzufriedenheit war hörbar. Nach dem Spiel gab es ein gellendes Pfeifkonzert. Die Spekulationen um mögliche Nachfolger von Riera haben längst begonnen. Ein klarer Favorit kristallisiert sich bislang noch nicht heraus. Ein Experiment wie bei Riera wird Sportvorstand Markus Krösche aber wohl nicht noch einmal wagen. Der 45-Jährige, der in den vergangenen Jahren häufig sehr gute Transfer-Entscheidungen traf und zum deutschen Top-Manager avancierte, kann sich wohl keinen zweiten Fehlgriff erlauben. Krösche, der noch Vertrag bis 2028 hat, dürfte das Risiko mit Riera sogar bekannt gewesen sein. Schon in der Amtszeit bei Girondins Bordeaux war er als Coach in der Öffentlichkeit umstritten. Den französischen Traditionsclub trainierte er von 2023 bis 2024 etwa neuneinhalb Monate. Das wird er in Frankfurt aller Voraussicht nach nicht schaffen. © dpa-infocom, dpa:260507-930-46093/1